Felix Mario Liebold  mit den ersten Bohnen seines Kaffees aus Tansania.
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Erster Ernteerfolg: Felix Mario Liebold hat die ersten Säcke seines Kaffees aus Tansania geliefert bekommen und ist sichtlich stolz darauf.

„Tolle Textur, schöne Süße“

Tegernseer Kaffeerösterei fährt erste Ernte aus Tansania ein

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Weißach – Jede Nuance riechen und schmecken. Und dann die Bohnen in einen exzellenten Kaffee verwandeln. Darin ist Felix Mario Liebold Meister. Nun hat in seiner Ersten Tegernseer Kaffeerösterei eine besondere Bohne bekommen.

Der 47-jährige gebürtige Franke ist Inhaber der bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Ersten Tegernseer Kaffeerösterei, der Umgang mit Kaffee ist sein Lebenswerk, auch deshalb ist Liebold als Juror gefragt, um die besten Kaffeebohnen der Welt herauszufiltern.

Dieser Tage durfte er einen ganz besonderen Sack öffnen, und er konnte es kaum erwarten: Es war die Ernte aus seinem Forschungsprojekt im südlichen Hochland von Tansania. Auf einem Flurstück Namens MBE4 der Lunji-Farm hatte Liebold vor mehr als einem Jahr in Kooperation mit den dortigen Betreibern einen Versuch gestartet mit dem Ziel, den besten Kaffee Tansanias zu ernten (wir berichteten). „Wir wussten, dass wir vor allem in den ersten Jahren keinerlei Garantie für unseren Ertrag haben werden“, sagt Liebold. „Dieses Risiko sind wir ganz bewusst gegangen – vor allem, um mit den Menschen vor Ort etwas Großes aufzubauen.“

Mitarbeiter der Lunji-Farm bei der Ernte der Kaffeebohnen vom Flurstück MBE4.

Vor Ort, das ist „Lunji“, eine mittelgroße Kaffeeplantage mit 30 Angestellten und bis zu 150 Helfern, die zur Erntezeit auf der Plantage Arbeit finden. Die Farm wird seit über 20 Jahren von Clemens und Stella Meier betrieben. Neben Kaffee sind auch Avocados, Äpfel, Hühner, Schweine sowie Gemüse und Früchtesorten dort heimisch. Eine ganze Saison lang wurde das „Research-Plot“ der Kaffeerösterei vom Tegernsee nun bewirtschaftet. Die Bäume wurden gekalkt, mit Kuhmist organisch gedüngt und das umliegende Gras regelmäßig kurz geschnitten. „Das ist wichtig, um das sensible ökologische Gleichgewicht zu halten“, weiß Liebold von Paul Maier, dem Sohn der Farm-Besitzer. Paul hat seinen Bachelor an der Humboldt Universität in Berlin gemacht zum Thema „Variabilität der chemischen Bodenparameter unterschiedlicher Felder eines Betriebes, am Beispiel einer Kaffeeplantage in Tansania“. Mit seinem tiefen Wissen über die Bodenbeschaffenheit des Anbaugebiets unterstützt er die Tegernseer Kaffeerösterei.

Paul Maier, Sohn des Farmer-Ehepaars, vor dem Schild der Tegernseer Kaffeerösterei in Tansania.

Der erste Ernteerfolg macht Liebold unglaublich stolz. „Wenn Stolz einen Geruch hätte, dann würde er nach frisch geröstetem Kaffee duften“, sagt der 47-Jährige und erinnert sich an die Schwierigkeiten, mit denen das Projekt aber auch verbunden war – angefangen von politischen Spannungen über den leichten Befall der „Coffee Berry Disease“, bis hin zu Corona. Die weltweite Pandemie machte es Liebold leider unmöglich, nach Tansania zu reisen und die erste Ernte in Empfang zu nehmen – 1020 Kilo Rohkaffee, wovon nach dem Rösten 900 Kilo übrig blieben. Liebold leistet mit seinem Projekt auch Entwicklungsarbeit. Denn um den Kaffee nach der Ernte bestmöglich aufzubereiten, wurden auf der Farm extra neue „African Beds“ für den Trocknungsprozess gebaut. Nur eine von vielen Maßnahmen, die er mit seiner Investition unterstützt. „Ich kaufe den Kaffee nicht irgendwo ein, sondern gestalte ihn mit den Menschen vor Ort gemeinsam.“ Stolze 90 Tonnen Kaffee konnten so insgesamt auf der Farm geerntet werden, „eine Steigerung von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, berichtet Liebold und findet: „Hier wächst Großes heran.“ Bis 2024 habe er nun den Vertrag mit den Farmern verlängert.

Sobald Corona dies zulässt, will er nach Tansania fliegen und sein Research-Plot begutachten. Daheim am Tegernsee sind 20 Säcke angekommen. Liebold kostet den ersten frisch gebrühten Kaffee und packt den Geschmack in ehrliche Worte: „Er ist nicht perfekt. Was aber auch langweilig und unrealistisch wäre nach nur einem Jahr. Aber er ist sehr, sehr gut, hat eine tolle Textur, eine schöne Süße. und die Geschichte dahinter macht ihn einfach außergewöhnlich.“

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