Zu Gast am Berg: Bei einem Gleitschirm-Tandem-Flug verschafften sich Tomaschek und Hartmann einen Überblick. 
+
Zu Gast am Berg: Bei einem Gleitschirm-Tandem-Flug verschafften sich Tomaschek und Hartmann einen Überblick. 

„Kann nichts mehr kaufen, die Jugend kann nicht bleiben“

Tegernseer Tal: Grüne präsentieren Strategien gegen den Flächenverbrauch

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
    schließen

Einen Überblick haben die Grünen des Tegernseer Tals sich und ihren Gästen zum Thema Flächenverbrauch verschafft: Via Gleitschirm ging es zur Flächenfraß-Diskussion.

Kreuth – Dass der Flächenverbrauch im Tegernseer Tal anders geartet, aber dennoch kein minder umfassendes Problem ist als andernorts, davon hat sich nun der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Ludwig Hartmann, ein Bild gemacht. Nach einer Besichtigung der Bundeszentrale des Deutschen Gleitschirm- und Drachenflugverbands in Dürnbach unternahm Hartmann mit dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Kreisrat, Thomas Tomaschek, einen rund 20-minütigen Gleitschirm-Tandem-Flug vom Wallberg. In der Naturkäserei in Kreuth gelandet, zeigten die Grünen historische Fotos von um 1900, die ein ganz anderes, ziemlich leeres Tegernseer Tal zeigten.

Tomaschek ließ die durch den Tourismus und die Nähe zu München bedingte Bau-Historie Revue passieren. „In den 50er- und 60er-Jahren entstanden viele große Gebäude. Das sind Bezugspunkte für die Bebauung von heute, die uns jetzt auf die Füße fallen.“ Tomaschek erläuterte, wie jahrelang die Reglementierung durch die Kapazität der Ringkanalisation und des dazugehörigen Klärwerks funktionierte. Kommunen sind verpflichtet, Infrastruktur für ihre Bewohner zu bieten und dürfen die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur nicht beschränken. Insofern sei die Reglementierung und der damit verbundene Baustopp – wenngleich gut – so doch nicht rechtens gewesen. Bei der Modernisierung der Kläranlage seien 6000 Einwohnergleichwerte frei geworden. Seither werde im Tegernseer Tal auf Teufel komm raus und auf Kosten der Grünflächen gebaut. „Wir haben einen enormen Baudruck auf die Wiesen im Innenbereich. Und es ist jetzt mal an der Zeit zu fragen, inwieweit die neuen EGWs mittlerweile verbraucht sind“, fand Tomaschek, während der Grünen-Ex-Landrat Wolfgang Rzehak der Kommunalpolitik vorwarf, keine oder nicht ausreichend Bebauungspläne für ihre Orte aufgestellt zu haben.

Zu Gast im Tal: Ludwig Hartmann (r.) in der DIskussionsrunde mit Thomas Tomaschek und Wolfgang Rzehak.

„In Sachen Flächenverbrauch läuft in ganz Bayern was falsch“, bestätigte Hartmann. Seit der Jahrtausendwende sei die Bevölkerung um 6,9 Prozent gewachsen, der Flächenverbrauch aber um 15,9 Prozent. Wo bisher 277 Quadratmeter versiegelte Verkehrsfläche auf einen Einwohner kamen, seien es heute 320 Quadratmeter. Und in der Gemeinde Kreuth sei die Bevölkerungszahl sogar geschrumpft, während die Verkehrsfläche um 38,8 Prozent gewachsen sei. Hartmann plädierte anhand diverser Beispiele aus Bayern für ein effizienteres und optimiertes Bauen mit mehr Tiefgaragen und vor allem Leerstandsvermeidung innerorts. „Dafür braucht es aber auch Kompromisse auf Behördenseite, etwa beim Denkmal- und Brandschutz.“

Baugestaltungssatzungen, Nachverdichtung und das Erbschaftssteuergesetz wurden heiß diskutiert. Hartmann schlug zudem vor, dass Gemeinden künftig keine Grundstücke mehr verkaufen, sondern nur auf Erbpacht veräußern sollten. Das sei ein deutliches Signal gegen Leerstände. Außerdem befürwortete er eine Grundsteuer für Leerstände. Tomaschek forderte einen Weg, wie man die Zweitwohnungen, die hierzulande rund 20 Prozent der Wohnfläche einnähmen, beschränken kann. „Man kann hier nichts mehr kaufen, und die Jugend kann nicht bleiben“, sagte er.

Zum Ende beleuchtete die Runde noch die Zusammenhänge des Flächenverbrauchs mit der Energiewende, Stichwort Fotovoltaik- und Solaranlagen sowie den Mobilitätsangeboten, sodass sich eines deutlich abzeichnete: Der Flächenverbrauch ist bayernweit ein weites Feld.

Auch interessant

Kommentare