Auf Höhe der Naturkäserei soll nach dem Willen des Gemeinderats eine Querungshilfe entstehen. Zudem wird die Geschwindigkeit an dieser und an anderen neuralgischen Stellen künftig gezielt überwacht. Foto: thomas Plettenberg
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Auf Höhe der Naturkäserei soll nach dem Willen des Gemeinderats eine Querungshilfe entstehen. Zudem wird die Geschwindigkeit an dieser und an anderen neuralgischen Stellen künftig gezielt überwacht.

VERKEHRSKONZEPT

Kreuth plant mit Tempolimits und Querungshilfen

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Kreuth macht sich an die Umsetzung des vom Münchner Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen erstellten Verkehrskonzepts. Schritt für Schritt stellte der Gemeinderat die Weichen für die einzelnen Teilprojekte – oder will sich bei den Kreuthern via Bürgerbefragung rückversichern, wohin die Reise gehen soll.

Kreuth – Bevor der Gemeinderat Kreuth in seiner jüngsten Sitzung die umfassende Tagesordnung in Sachen Mobilität in Angriff nahm, erinnerte Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU), dass nicht jeder Punkt zwingend jetzt entschieden werden müsse. Man könne hier und da auch weiterführende Informationen oder auch die Meinung der Bürger einholen. Außerdem mahnte der Rathauschef, bei allen Entscheidungen den Haushalt im Hinterkopf zu behalten. „Denn auch wenn die Gemeinde 2020 noch gut durchkommen wird, wissen wir nicht, wie es 2021 und 2022 aussieht“, betonte er mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen.

Radschutzstreifen

Mit den Radschutzstreifen, wie sie Gmund und Bad Wiessee bereits umgesetzt haben, ging Bierschneider in medias res: So würde allein die Vermessung der vier Gemeindebereiche, in denen die Fahrbahnbreite solche Radschutzstreifen überhaupt hergeben würde, 15 000 Euro kosten. Welche Bereiche dafür infrage kommen, wurde kontrovers diskutiert.

Martin Walch (SPD) hielt die Strecke von Weißach bis Reitrain, bis zur Abfahrt der „Alten Straße“, für am wichtigsten – und eventuell den Übergang vom Wiesseer Radschutzstreifen auf Kreuther Flur, in Höhe des Autohauses Schlosser. Sonst fand es Walch wichtiger, den Rad- und Fußweg von Weißach bis Bad Wiessee auszubauen. Das zu prüfen, wurde zu einem späteren Zeitpunkt in der Diskussion allseits befürwortet. Insbesondere geht es um den Abschnitt zwischen Ringsee und Aribostraße, der ins Radwegeprogramm des Freistaats Bayern aufgenommen wurde. Dessen Ausbau würde sich aber aus Kapazitätsgründen auf Jahre in die Länge ziehen – es sei denn, die Gemeinde geht in Vorleistung.

Josef Hatzl (CSU) fand Radschutzstreifen generell zu gefährlich: „Radler gehören nicht auf die Straße.“ Christian Weber wollte sie angehen: „Sie bieten den Radlern Schutz und entschleunigen zudem den Verkehr.“ Insgesamt folgten acht Gemeinderäte dem Beschluss, die Radschutzstreifen weiter zu verfolgen, zu prüfen und die Bürger zu befragen. Sieben sprachen sich dagegen aus.

Querungshilfen

Einstimmig votierten sie indes für Zählungen, wie viele Fußgänger und Radfahrer die Straße an der Naturkäserei, der Klamm, Glashütte und Oberhof queren. Das waren die vier Stellen, in denen die Gemeinde Querungshilfen sehen möchte. Die Kosten – zwischen 100 000 und 150 000 Euro pro Querungshilfe – übernimmt das Staatliche Bauamt nur, wenn die Straßen entsprechend häufig gequert werden. Das Gremium forderte daher Zählungen zu entsprechenden repräsentativen Zeiten – in Oberhof beispielsweise in den Ferien, in Klamm im Winter, wenn die Langläufer über die Straße müssen.

Geschwindigkeit

Uneins waren sich die Gemeinderäte bei der Frage, ob man die Geschwindigkeit außerorts generell auf 70 Stundenkilometer und innerorts auf 30 Stundenkilometer beschränken soll. Da Bürgermeister Bierschneider befürchtete, dass die Bürger – insbesondere die aus den südlichen Ortsteilen, vom Achenpass kommend – wenig erfreut wären, wenn sich durch eine Geschwindigkeitsbeschränkung Fahrten automatisch verlängern, schlug er eine Befragung der Bürger vor.

Während sich Markus Wrba und Sebastian Marschall von den Freien Wählern für 40 Stundenkilometer innerorts beziehungsweise eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen 9 und 17 Uhr aussprachen, forderte Robert Gerg (SPD): „Entweder ganz oder gar nicht. Wir müssen uns selbst an die Kandare nehmen. Alle wollen eine Verkehrsberuhigung, aber keiner will langsamer fahren – wie soll das funktionieren?“ Für Peter Stepan (CSU) war Tempo 30 ohnehin ein talweites Thema. Bierschneider: „Die anderen fahren allein wegen der Staus schon lange Tempo 30.“

Letztlich einigte man sich darauf, dass der Verkehr in den 70er-Zonen (Achenpass bis Kreuth, Weißach Ringsee, Reitrain bis Kreuth) durch gezielte Geschwindigkeitskontrollen verlangsamt wird. Dafür sollen mehrere Kontrollsäulen zu je rund 10 000 bis 15 000 Euro installiert werden, die dann abwechselnd mit einem Blitzer (40 000 Euro) „scharf gemacht“ werden. „Das hat eine disziplinierende Wirkung“, sagte Bierschneider. Danach wolle man über eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung entscheiden. Für die innerörtlichen Gemeindestraßen beschloss das Gremium ein Tempolimit auf 30 Stundenkilometer. Somit könne man auch den Schilderwald in den Nebenstraßen entfernen.

Leihrad-Stationen

Beim Thema Leihrad-Stationen hielt das Gremium an seiner ablehnenden Haltung fest. Ein entsprechendes Angebot der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird es damit in Kreuth nicht geben. Einhellige Meinung: „Wir haben in Kreuth zwei Fahrradverleiher. Da kann sich jeder ein Rad leihen.“

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