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Buntes Mosaik auf der Bühne der Hirschbergler-Hütte: Die Gruppe Theatrissimo zeigte ein Sammelsurium literarischer Kostbarkeiten. 

In der Hirschberglerhütte

Theatrissimo: Lyrisches Kaleidoskop mit viel Theater

Die Gruppe Theatrissimo serviert gekonnt ein schillerndes Kaleidoskop kleiner literarischer Kostbarkeiten. Die Premiere hätte mehr Zuschauer verdient gehabt. 

Kreuth – Der Titel „Gegrillte Lyrik und andere Spezialitäten“ soll auf den Freiluftcharakter der Veranstaltung hinweisen. Daraus wurde leider nichts, der Sommer pausierte kurz, sodass die Gruppe Theatrissimo im Rahmen ihres Sommertheaters vom Freiluftplatz in die Hirschbergler-Hütte ausweichen musste. Dorthin verirrten sich gerade mal knapp 30 Besucher – die allerdings bekamen dann etwas zu sehen, was anzuschauen sich auf jeden Fall lohnt: Spezialitäten eben.

Das schillernde Kaleidoskop kleiner literarischer Kostbarkeiten in nüchternen Zahlen: Neun Schauspielerinnen und Schauspieler brachten – in sieben Blöcke unterteilt – 60 (!) Kostbarkeiten aus Lyrik, Sketch und Theater von 30 Autoren auf die Bühne. Immer mit Leidenschaft, meist mit Originalität, Witz und Hintergründigkeit, oft mit Tiefgang und Ernsthaftigkeit.

Was hätte sich als Einstieg besser geeignet als Marcus H. Rosenmüllers Gedicht „Einen Anfang zu finden“, vorgetragen von Veronika Leo? An den folgenden Stücken „Fußball-Länderkampf“ von Karl Valentin (Gerhard Hofmann), Shakespeares „Richard III“ (Anian Roth) wurde sogleich das Konzept der Veranstaltung deutlich: Vielfältig sollte es sein, ganz kurze Beiträge ebenso wie etwas längere sollte es geben, neueste Autoren sollten ebenso zu Wort kommen wie klassische, ernsthafte ebenso wie heitere, bekannte ebenso wie weniger bekannte – in schnellem Wechsel und immer mit dem gerade passenden Kostüm und stimmigen Requisiten.

Im Block „Wasser“ ließ Anna Reisberger mit „Esst mehr Fisch“ den unverwüstlichen Heinz Erhardt aufleben, und das gesamte Ensemble sorgte mit der Gesangseinlage der österreichischen Band „Die Seer“ mit „Du bist wia a wüds Wossa“ eine zusätzliche Facette – wie auch das dadaistische Lautgedicht „Seepferdchen und Kugelfisch“ von Hugo Ball, trefflich dargeboten von Alexandra Kolmansberger-Walleitner und Anna John.

Den ergiebigen Block „Zwischenmenschliches“ dominierten H.M. Rosenmüller und Kollege und Filmkomponist Gerd Baumann, die regelmäßig mit Lesungen aus ihrem Lyrikbändchen unterwegs sind. Sylvester Leo rezitierte Baumanns deftiges „Ich, der Heinz“, Veronika Leo Rosenmüllers anrührendes „Das alte Ehepaar“. Mit ihrer Interpretation des nach wie vor umwerfenden Sketch-Klassikers „Fernsehansage“ von Loriot, in dem es von englischen, schwer auszusprechenden „th“-s nur so wimmelt und der Vortragende in immer größere Kalamitäten stürzt, kam Sylvia Goriup der großen Evelyn Hamann ziemlich nahe. Carina Reichhart setzte mit Eugen Roths „Hilfsbuch“ und Hermann Hesses „Blauer Schmetterling“ zwei weitere Großmeister deutscher Literatur aufs lyrische Karussell.

Die Liste ließe sich nach Belieben weiter fortsetzen, und es schauten unter anderem auch Robert Gernhardt, Christian Morgenstern, Johann Wolfgang von Goethe und Joseph von Eichendorff vorbei, ehe der letzte Block „Zur Nacht“ mit dem 60. und allerletzten Beitrag „Dunkel war’s, der Mond schien helle“ endete, dessen Ursprung bis heute nicht geklärt ist.

Klar ist jedoch, dass das bunte Mosaik aus Gedichten und Geschichten, dieses „who’s who?“ deutscher Lyrik, ergänzt durch die eine oder andere Spezialität, angereichert mit zahlreichen theatralischen Szenen und musikalisch umrahmt durch die Riedler Musikanten, trotz des üppigen Angebots durchaus ein stimmiges Konzept und auf jeden Fall sehenswert ist. Den „kurzweiligen, angenehmen Abend“, den Ansager Anian Roth eingangs gewünscht hatte, den hatten die Besucher. Die, die da waren, haben ihn genossen.

Weitere Vorstellungen am Donnerstag. 27. und Montag, 31. Juli sowie am Samstag, 5. August bei schönem Wetter an, bei Regen in der Hirschbergler Hütte.

Von Reinhold Schmid

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