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Bekannter Hotelier am Tegernsee quartiert Geflüchtete aus der Ukraine in seinem Luxus-Hotel ein

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Von: Christina Jachert-Maier

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Korbinian Kohler in seinem Hotel Bachmair-Weissach. Hier ziehen nun Geflüchtete aus der Ukraine ein.
Korbinian Kohler in seinem Hotel Bachmair-Weissach. Hier ziehen nun Geflüchtete aus der Ukraine ein. © Thomas Plettenberg

Am Sonntagabend rollte ein Bus in Richtung Kreuth. 50 Flüchtlinge aus der Ukraine haben jetzt in Wildbad Kreuth, im Luxushotel Bachmair Weissach und in Oberhof ein Obdach gefunden. Die Häuser gehören Korbinian Kohler und Bräustüberl-Wirt Peter Hubert.

Kreuth – Die Nachricht erreichte Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) am Sonntagmittag. Am Sonntagabend begrüßte er die ersten Flüchtlinge aus dem Ukraine-Krieg in Wildbad Kreuth, gemeinsam mit dem Unternehmer und Hotelier Korbinian Kohler. Insgesamt sind 50 Menschen, die Putins Krieg entronnen sind, in der kleinen Gemeinde Kreuth untergebracht. „Eine Herausforderung“, sagt Bierschneider. Aber man werde sie bewältigen. „Wenn man die Situation sieht, muss man helfen“, findet der Bürgermeister. Die Gemeinde sei gerade dabei, den Flüchtlings-Helferkreis wieder zu aktivieren.

Korbinian Kohler stellt Räume zur Verfügung

Dass die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine gerade im abgelegenen Kreuth untergebracht sind, ist der Offerte Kohlers zu verdanken. Wie berichtet, hatte der Unternehmer dem Landratsamt vergangene Woche angeboten, Räume in Wildbad Kreuth für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Den Anstoß, so Kohler, gab eine Begegnung mit einer ukrainischen Journalistin am Rande einer Demo in München. „Mit ihr habe ich schon zusammengearbeitet“, sagt Kohler. „Der Krieg ist so nah.“ Er beschloss, die Räume seiner Pop-up-Lodge zur Verfügung zu stellen. Sie sollten nach der Winterpause ab April wieder vermietet werden. Bei Bedarf, meint Kohler, werde er die Räume auch länger zur Verfügung stellen. Zeitlich begrenzt hat er sein Angebot an den Landkreis nicht.

Flüchtlingsunterkunft in Oberhof

In Kreuth verfügt das Landratsamt zudem über eine weitere Unterkunft. Schon im Sommer 2020 vermietete Bräustüberl-Wirt Peter Hubert ein Mehrfamilienhaus in Oberhof als Flüchtlingsunterkunft. Er hatte es kurz zuvor als Personalhaus erworben. Belegt wurde das Haus bislang nicht. Jetzt wird es dringend gebraucht. 20 Geflüchtete haben dort Platz gefunden, 30 in Wildbad Kreuth. Vier weitere Personen quartierte Kohler in seinem Hotel Bachmair Weissach ein. Die Verpflegung der Menschen in seinen Häusern übernimmt Kohler selbst, ebenso wie die Versorgung mit Hygieneartikeln. Für die Kinder hat er ein Spielzimmer einrichten lassen. Seine Mitarbeiter kümmern sich um Betreuung und Koordination.

Berührt vom Schicksal der Flüchtlinge

Bei der Ankunft in Wildbad Kreuth begrüßten Bürgermeister Josef Bierschneider (l.) und Korbinian Kohler (4.v.r.) mit Ehefrau Suse (3.v.r.) und Sohn Ferdinand (mit Hut) Flüchtlinge aus der Ukraine.
Bei der Ankunft in Wildbad Kreuth begrüßten Bürgermeister Josef Bierschneider (l.) und Korbinian Kohler (4.v.r.) mit Ehefrau Suse (3.v.r.) und Sohn Ferdinand (mit Hut) Flüchtlinge aus der Ukraine. © Bachmair Weissach

Beim Richtfest am Montag für sein neu unter Dach gekommenes Hotel Bussi Baby in Bad Wiessee zeigte sich Kohler sehr berührt vom Schicksal der Geflüchteten. „Das sind Menschen wie wir, kultiviert, gebildet, fleißig. Die kommen mit nichts als einem Koffer und ihren Kindern, manche auch mit Hund und Katze“, berichtete er. Aber ohne ihre Ehemänner, Väter, Brüder, Söhne, um die sich sorgen. Dass er gerade ein Luxus-Wellness-Spa mit Pool auf dem Dach eines Hotels baue, habe sich für ihn bis vor einem Monat noch „völlig richtig“ angefühlt, so Kohler. Angesichts der Nöte der Menschen in der Ukraine dränge sich die Überlegung auf, ob man nicht manchmal übers Ziel hinausschieße. Es sei jedenfalls wichtig, sich vor Augen zu führen, in welchem Wohlstand man lebe. „Wir sollten das mit einer ordentlichen Portion Bescheidenheit und Demut sehen.“

Bürgermeister Bierschneider würdigte die Bereitschaft Kohlers, die Türen von Wildbad Kreuth für die Geflüchteten zu öffnen, als „großzügiges Zeichen der Solidarität“.

2020 gab‘s Ärger wegen Vermietung als Flüchtlingsunterkunft

Dass Bräustüberl-Wirt Hubert sein Haus in Oberhof als Flüchtlingsunterkunft ans Landratsamt vermietet hat, kam 2020 bei der Gemeinde weniger gut an. „Aber da ging’s um das Vorgehen, nicht darum, dass Flüchtlinge einziehen“, versichert Bierschneider jetzt. Hubert hätte auch an Einheimische vermieten können, wenn er wegen Corona keine Personalwohnungen brauche. Stattdessen sei das Haus zwei Jahre lang leer gestanden.

Hubert erfuhr erst Montagmittag davon, dass sein Haus jetzt 20 Kriegsflüchtlingen als Unterkunft dient. Zuständig für Versorgung und Betreuung ist das Landratsamt.

Wie lange die jetzt Angekommenen in Kreuth bleiben, ist offen. Einige, weiß Bierschneider, wollten möglichst schnell weiter zu Verwandten, die in der EU leben.

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