+
Jeden Morgen unterwegs: Hans Petersen liefert in Kreuth die Heimatzeitung aus.

Zusteller steht täglich um halb zwei auf

Das verdient Respekt: Hans Petersen (85) trägt seit 40 Jahren die Heimatzeitung aus

Seit fast 40 Jahren arbeitet Hans Petersen als Zusteller der Tegernseer Zeitung. Ans Aufhören denkt der 85-Jährige noch lange nicht. Er sagt: „Die Morgenstunden sind das Schönste.“

Kreuth– „Morgen muss ich wieder früh raus“, hört man Leute oft stöhnen. Das mag dann sechs Uhr, vielleicht fünf Uhr in der Früh sein. Für Hans Petersen (85) fängt der Tag viel früher an. Bei ihm bedeutet „früh“ halb zwei Uhr nachts: Er ist Zusteller und trägt in Kreuth unsere – und auch Ihre – Zeitung aus. Wenn die meisten Leute sich auf den Weg zur Arbeit machen oder auch gerade aufstehen, wenn der Ort am Erwachen ist, hat Petersen seine Arbeit bereits getan.

Er gehört zum altgedienten „Stammpersonal“ seines Metiers: Seit 1980 ist Hans Petersen im Einsatz. Damals habe er eine neue Stelle gesucht und sei so auf den Job als Zeitungszusteller aufmerksam geworden, erzählt er. „Erst habe ich gedacht, das ist für zwischendurch, aber dann bin ich dabei geblieben.“ Seit fast vier Jahrzehnten fährt Petersen morgens von Haus zu Haus und liefert die aktuellen Nachrichten frei Haus.

Lesen Sie hier einen Bericht aus der Zeit des Schnee-Chaos: Zeitungszusteller: „Wir arbeiten momentan am Anschlag“

Schwer sei ihm das frühe Aufstehen nie gefallen, sagt er, im Gegenteil: „Da kommt man jeden Morgen raus.“ Tage, an denen er gerne noch eine Stunde liegen bleiben würde, gebe es natürlich auch. „Aber das ist selten“, sagt Petersen. Denn er wird dafür reichlich entschädigt: „Die Morgenstunden, die sind das Schöne daran. Am schönsten ist die Zeit eine Stunde vor Sonnenaufgang und eine Stunde danach.“ Die morgendliche Stimmung bereichert seine Arbeit. „Da ist es noch ruhig, es ist noch nicht allzu viel los.“

Als er in den 1980er-Jahren anfing, waren die Zeitungen noch dünner: „Die wurden damals noch in Hunderterpackungen angeliefert.“ Heute sind 20 bis 30 Exemplare in einer Packung, auch 50, wenn es einmal schlankere Ausgaben sind.

Zwei Touren macht Petersen jeden Tag in Kreuth. Er beliefert unsere Leser in Scharling, Enterbach, Pförn und Schärfen. Zweieinhalb bis drei Stunden braucht er für seine Runden. „Früher habe ich weniger Zeit gebraucht, aber jetzt geht es nicht mehr so schnell“, sagt er. Bis vor einigen Jahren hatte er noch eine dritte Runde in Weissach.

Auch das könnte Sie interessieren: Fuchs beißt Jungen (8) im Schlaf - Tier wird erlegt

Ob er denn in der langen Zeit das eine oder andere besondere Erlebnis hatte? Petersen lacht: „Mit Menschen eigentlich nicht viel, weil ja um die Zeit noch keiner unterwegs ist. Wenn, dann gab es Erlebnisse mit Tieren.“ So habe er früher seine Touren mit dem Fahrrad gemacht. Da stand einmal in einer Wiese neben der Straße ein Rudel Hirschkühe beim Äsen. „Als ich kam, haben sie alle die Flucht ergriffen und sind hinter eine Hecke geflüchtet. Dahinter mussten sie aber über die Straße. Ich dachte, sie wären alle schon durch, als ich ans Ende der Hecke kam. Plötzlich kam aber eine Nachzüglerin und blieb vor Schreck mitten auf der Straße stehen. Da standen wir uns dann Aug’ in Aug’ gegenüber.“ Ein andermal führte ihn ein Bauer in den Stall und zeigte ihm drei neugeborene Kälber: Eine Kuh hatte Drillinge zur Welt gebracht.

Heute nutzt Petersen das Auto. Ans Aufhören denkt er aber nicht: „So lange es geht, mache ich weiter.“ Und damit ist er wohl der lebende Beweis dafür, wie erfüllend dieser Job sein kann.

Gut gemeinte Rettung: Spaziergänger nehmen winziges Rehkitz an sich

Stefan Gernböck

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Eine Vielfalt, die begeistert
Dem Kaiserwetter war es zu verdanken, dass der Tag der Blasmusik unter freiem Himmel im Innenhof von Gut Kaltenbrunn stattfinden konnte. Dort feierten 1200 Musikfans mit …
Eine Vielfalt, die begeistert
Lösungen zum Verkehr: „Der große Wurf wird nicht kommen“
Nach dem Stau ist vor dem Stau: Was Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn zum Thema Verkehrsentwicklung sagt.
Lösungen zum Verkehr: „Der große Wurf wird nicht kommen“
Brandschutzmängel: Schlaflager auf Tegernseer Hütte geschlossen
Es ist eine traurige Nachricht für viele Bergsteiger: Ab sofort sind keine Übernachtungen mehr auf der Tegernseer Hütte möglich. Hier lesen Sie, warum.
Brandschutzmängel: Schlaflager auf Tegernseer Hütte geschlossen
Bergwacht im Dauereinsatz
Für Tausende von Ausflüglern war es ein Traumwochenende, für die Bergwacht Rottach-Egern ein Wochenende mit neuen Einsatzrekorden. 
Bergwacht im Dauereinsatz

Kommentare