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Die Küche von Christine Göttfried ist ganz auf ihr Handicap ausgerichtet.

Wir kochen uns in den Advent

Unser Winter-Rezept des Tages: Ein Marmorkuchen mit besonderer Note

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Marmorkuchen hat Christine Göttfried (45) schon als Kind gerne gebacken. Mit ihrer Mutter, wie alle kleinen Mädchen. Heute backt sie auch alleine. Und das ist hart erkämpft. Die Kreutherin sitzt im Rollstuhl.

Kreuth Die Kreutherin ist spastisch gelähmt, sitzt im Rollstuhl. Mit viel Training, Beharrlichkeit und eiserner Willenskraft hat sie es geschafft, ihre Beweglichkeit und Kraft zu stärken. Ihre linke Hand gehorcht gut, die rechte fordert Geduld.

Göttfrieds kleine Küche ist ganz auf ihr Handicap ausgerichtet. Alles ist rollstuhlgerecht auf ihre Arbeitshöhe gesetzt, Maschinen erleichtern die Arbeit, biegsame Silikonbecher lassen sich gut greifen. „Meine Selbstständigkeit ist mir sehr wichtig“, sagt Göttfried. Selbst etwas zu kochen und zu backen, gehört dazu. Auch wenn sie das nicht muss, um immer Feines auf dem Tisch zu haben: Göttfrieds Eltern betreiben einen bekannten Gasthof in Kreuth. Hinter dem Gasthof, gleich neben dem Haus ihrer Eltern hat die Tochter ihr mit viel Liebe und Geschmack eingerichtetes Domizil.

Alle Rezepte unserer Serie finden Sie in unserer großen Übersicht.

Christine Göttfried ist auch Behindertenbeauftragte der Gemeinde Kreuth. „Mir ist es eine Herzensangelegenheit, die Hemmschwelle zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abzubauen“, meint sie. Sie selbst hat viele Freunde, trinkt gern mit ihnen Tee. Selbst gebackener Kuchen gehört dazu. „Der Marmorkuchen ist mir am liebsten“, meint Göttfried. Allzu oft gibt’s ihn trotzdem nicht. „Weil das einfach so zeitaufwendig ist.“

Gut zehn Minuten lang rührt Göttfried den Teig. Mit dem Handrührer wäre das für sie kaum zu stemmen. Aber mit der Küchenmaschine klappt’s. In einen Teil des Teigs kommt Kaba für die Schoko-Färbung. „Das mach ich nach Gefühl“, sagt Göttfried. Gleiches gilt für den Schuss Batida de Coco und den Schuss Rum, die dem Kuchen seine besondere Note geben. „Das ist das Geheimnis“, lacht Göttfried.

Anschließend kommt der Teig in die Guglhupfform und dann für eine Stunde in den Ofen, bei 150 Grad und Umluft. Ob der Kuchen fertig ist, prüft Göttfried mit einem Holzstäbchen: Es darf kein Teig mehr kleben bleiben.

Christine Göttfried mag’s perfekt. Ihren Kuchen serviert sie am mit Weihnachtsgeschirr gedeckten Tisch in der gemütlichen Stube. Sie ist gern Gastgeberin. „Ich mag es, wenn andere sich freuen“, meint sie. „Und ich will auch etwas zurückgeben.“ Ein liebevolles und förderndes Elternhaus, Freunde und Therapeuten ermöglichen es der Kreutherin, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Mit Ergotherapeutin Stefanie Wehner etwa hat sie nach einer Operation die rechte Hand trainiert, jahrelang. „Das war ein langer Weg“, sagt Wehner. Sie ist zur Unterstützung gekommen, um ihrer Patientin und Freundin für den Fototermin beim Backen zu helfen. Zu tun gab’s für die Therapeutin kaum mehr etwas: Christine Göttfried hatte längst alle Zutaten vorbereitet und den Tisch festlich gedeckt.

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