Wo bisher die Anlieferung erfolgt (l.) ist die Erweiterung des Aldi-Markts in Kreuth-Weißach vorgesehen. Zahlreiche Bürger protestieren mit ihren Unterschriften dagegen.
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Wo bisher die Anlieferung erfolgt (l.) ist die Erweiterung des Aldi-Markts in Kreuth-Weißach vorgesehen. Zahlreiche Bürger protestieren mit ihren Unterschriften dagegen.

Pläne für Standort Weißach stoßen auf Widerstand

Unterschriften gegen Aldi-Erweiterung

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Die geplante Aldi-Erweiterung in Kreuth-Weißach sorgt offenbar für Unmut bei vielen Bürgern. Etliche Stellungnahmen sowie zwei Unterschriftenlisten liegen inzwischen im Rathaus vor. Auch die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) macht deutlich, dass sie die Pläne ablehnt.

Kreuth/Weißach – Mit der Mehrheit von 11:4 Stimmen hatte sich der Kreuther Gemeinderat im Juni grundsätzlich dafür ausgesprochen, die nötige Änderung des Bebauungsplans Nummer 29 (Gewerbegebiet Baier im Ortsteil Weißach) in die Wege zu leiten. Der Entwurf dazu lag öffentlich aus, Bürger und Behörden konnten ihre Stellungnahmen abgeben. In der Juni- und auch in der Juli-Sitzung zeichnete sich bereits ab, dass das Vorhaben nicht problemlos durchgeht. Kritiker befürchten, dass die geplante Erweiterung zu Lasten des heimischen Einzelhandels gehe, die Schließung von Metzgern und Bäckern im Tegernseer Tal wird unter anderem befürchtet. Die Erweiterung, so die Meinung der Kritiker, erhöhe lediglich die Konkurrenzfähigkeit des Discounters.

Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) und die Mehrheit im Gemeinderat stehen dem Vorhaben bisher aufgeschlossen gegenüber. Es sei im Interesse der Gemeinde, wenn Aldi an seinem Standort bleibe, so der Rathauschef in der Juli-Sitzung. Und schließlich liege es auch im Interesse der Verbraucher, wenn sie in einer teuren Gegend günstig einkaufen könnten.

Folgendes ist geplant: Der Markt mit bisher 948 Quadratmetern Verkaufsfläche soll um 338 Quadratmeter auf dann 1286 Quadratmeter wachsen. Dazu ist ein Anbau von 9,71 mal 20 Meter und einer Wandhöhe von 3,81 Metern vorgesehen. Der bestehende östliche Teil soll dafür mit einem Anbau mit zwei Quergiebeln erweitert, ein Nebengebäude für Einkaufswägen vergrößert werden. In ihrer Begründung spricht die Gemeinde von einer „geringfügigen Erweiterung“ und geht davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen nicht erhöhen werde. Auch sei weder eine Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes zu erwarten, noch eine Verschlechterung der Immissionswerte. Eine Veränderung der Verbrauchernähe und der städtebaulichen Integration sei ebenfalls nicht gegeben.

Protest gegen Aldi-Erweiterung in Weißach: Grüne bringen Unterschriftenliste in Umlauf

Etliche Bürger sehen das andern. So haben im Rahmen der ersten öffentlichen Auslegung 13 Bürger ihre Stellungnahmen abgegeben. Zudem liegt eine Unterschriftenliste mit 40 Unterzeichnern vor, wie Bauamtsleiter Andreas Schwinghammer auf Nachfrage berichtet. Zwei Drittel der Unterschriften stammen dabei aus dem Gemeindebereich Kreuth, ein Drittel seien Auswärtige. Zudem haben Mitglieder der Grünen in Kreuth eine Unterschriftenliste in Umlauf gebracht, die von 54 Personen unterzeichnet wurde. Ein Drittel davon, das habe eine erste Sichtung gezeigt, stamme von auswärtigen Unterzeichnern.

Die Behörden sehen bisher offenbar keinen Grund, das Vorhaben abzulehnen. Das hat eine erste Sichtung der eingereichten Stellungnahmen gezeigt, wie der Bauamtsleiter berichtet. So hätten neben dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim sechs weitere Trägern öffentlicher Belange ihr Einverständnis zwar mit Anregungen verknüpft, 14 Träger öffentlicher Belange hätten auf Hinweise verzichtet.

Aldi-Erweiterung in Weißach: Auch Schutzgemeinschaft protestiert

Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) schließt sich in ihrer Stellungnahme den ablehnenden Worten von Gemeinderat Martin Walch (SPD) an, die dieser bereits in der Juni-Sitzung geäußert hatte. „Riesenmärkte tun unserem filigranen Tal nicht gut, und die jetzt geplante Erweiterung wird ganz sicherlich eine Expansion auch des Konkurrenten Lidl nach sich ziehen“, schreibt die SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck im Namen des Vorstands. Sie wittert eine „Salamitaktik“, angesichts der im Laufe der Jahre erfolgten Erweiterungen. Der wichtigste Punkt für die SGT: „Die Schwächung, teilweise sogar Vernichtung unserer heimischen Geschäfte, unserer lokalen noch durchhaltenden Geschäftsleute.“ Da Aldi aktuell zusätzlich Regionalprodukte an Land ziehen wolle, werde einheimischen Läden ein weiterer Erwerbszweig weggenommen. „Ausgerechnet im Bergsteigerdorf Kreuth, in dem man sich vor allem den Erhalt unserer heimischen, nachhaltigen und ökologisch ausgerichteten Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, ist es besonders erstaunlich und unglaubwürdig, dass die Mehrheit des Gemeinderats dieser Erweiterung des Aldi-Mega-Marktes erneut ihre Zustimmung erteilt hat“, kritisiert die SGT und bittet die Entscheidungsträger, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Aldi will am Standort Weißach erweitern: Gemeinderat diskutiert erneut im Oktober

Auch wenn Rathauschef Bierschneider dem Projekt bisher positiv gegenübersteht: In trockenen Tüchern ist es noch nicht. In der Oktober-Sitzung wird sich der Gemeinderat erneut mit dem Aldi-Vorhaben befassen. „Dann werden alle Stellungnahmen vorgetragen, der Gemeinderat wird sorgfältig abwägen“, sagt Bierschneider und betont, dass das Bebauungsplanverfahren ja dazu da sei, dass Bürger ihre Meinung dazu kundtun können. Über diese hätte der Gemeinderat dann zu befinden. Wie die Entscheidung ausgeht, wird sich im Oktober zeigen.

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