Verhandlung am Amtsgericht Miesbach

Drogenring aufgedeckt - Kreuther verurteilt

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Kreuth/Miesbach - Einen Drogenring haben Ermittler in Tirol ausgehoben. Die Dealer haben ihre Arme bis ins Tegernseer Tal ausgestreckt – und zerrten damit einen 26-jährigen Kreuther auf die Anklagebank.

Wenn dicke Fische ins Netz gehen, bleiben meist auch kleine darin hängen. Eine Weisheit, die neben der Angler- auch für die Drogenszene gilt, wie sich jetzt am Miesbacher Amtsgericht gezeigt hat. Die Fischer waren in diesem Fall Ermittler des Landeskriminalamts Tirol. Ihr Fang: Zwei Drogen-Dealer, die rund um Innsbruck im größeren Stil mit Extasy und Marihuana gehandelt haben. Weil sie ihre Geschäfte mit den illegalen Pulvern und Pillen bis ins Tegernseer Tal führten, musste sich nun ein heute 26-jähriger Kreuther wegen Mittäterschaft im Handel mit Betäubungsmitteln bei einer Schöffensitzung auf der Anklagebank verantworten.

Ende 2013 – „zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt“, wie der Staatsanwalt aus der Anklageschrift zitierte – soll der Kreuther mit einem Freund an einer Tankstelle in Rottach-Egern zehn Gramm Marihuana zu einem Preis von 14 Euro je Gramm verkauft haben. In einem zweiten Fall Anfang 2014 tauschten sie laut Staatsanwaltschaft im österreichischen Jenbach 20 Extasy-Tabletten gegen Haschisch ein.

Unter anderem durch Telefonüberwachung der Innsbrucker Dealer waren die Ermittler auf den Kreuther aufmerksam geworden. Einer der beiden Drogenhändler hätte den 26-Jährigen dann anhand von Fotos identifiziert, berichtete der Innsbrucker Polizist im Zeugenstand. Der Freund des Angeklagten wurde bereits im November 2015 zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt (wir berichteten). 

Der Kreuther wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Er habe aber das Rauschgift nicht selbst verkauft, sondern nur Telefonnummern weitergegeben, ließ er über seinen Anwalt Walter Holderle ausrichten. Aufklärung erhoffte sich Amtsgerichtsdirektor Klaus Jürgen Schmid von einem 21-jährigen Rottacher und Bekannten des Angeklagten, der ebenfalls bereits wegen Drogenkonsums vor Gericht gestanden hatte.

Der räumte erneut ein, zu dieser Zeit selbst „Gras besorgt, gelagert und konsumiert“ zu haben, konnte sich jedoch nicht erinnern, bei den fraglichen Tauschgeschäften dabei gewesen zu sein. „Ich war damals eigentlich dauernd zugedröhnt“, sagte er. Es sei aber richtig, dass er Kontakt zu Dealern aus Österreich gehabt habe – allerdings mit negativen Folgen. „Die haben mich abgezogen“, berichtete er. 900 Euro habe er den Männern für Marihuana bezahlt. Die hätten sich das Geld geschnappt und seien abgehaut, ohne die Ware auszuhändigen.

„Aber Sie können nicht sagen, ob mein Mandant bei dem Geschäft in Rottach-Egern dabei war?“, hakte Rechtsanwalt Holderle nach. Auch der Staatsanwalt empfahl dem Zeugen, zur Aufklärung des Falls beizutragen. „Ich binde Ihnen deshalb kein weiteres Verfahren ans Bein“, versicherte er. Der Rottacher schwieg, überlegte – und blieb doch bei seiner Aussage. Holderle schlug daher vor, weitere Zeugen zu laden. Richter Schmid winkte ab. „Wir wissen ja nicht mal, ob alle vom gleichen Vorfall reden.“ Zu ungenau die Zeitangaben der beteiligten Personen, die zu dieser Zeit offenbar alle wiederholt unter Drogeneinfluss standen.

Das sahen am Ende alle Prozessbeteiligten ein. Nach einer längeren Beratung verständigten sie sich auf eine Art Kompromiss. Die Staatsanwaltschaft begnügte sich mit einer Anklage wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln, der Kreuther legte im Gegenzug ein Geständnis über die Vermittlung der Telefonnummern ab. Sechs Monate auf Bewährung blieben damit für den 26-Jährigen übrig.

Mehr brauche es auch nicht, betonte sein Anwalt. So habe sein Mandant kürzlich eine Haftstrafe abgesessen und danach einen Schnitt gemacht. „Dieses Verfahren hat ihn zu einer Zeit ereilt, in der er sein Leben bereits wieder in die richtigen Bahnen gelenkt hat“, sagte Holderle. Einen Drogenring mit Nachwirkungen also.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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