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Die Villa von Betty B. in Kreuth wurde systematisch ausgeräumt. Die Seniorin starb im Krankenhaus Agatharied.

Die Anklage lautet auf Mord

Schon 17 Verhandlungstage: Fall Betty B. wird zum Mammut-Prozess

Die Verhandlung um den Tod der Kreuther Millionärin Betty B. weitet sich zum Mammut-Prozess aus. Die Anklage lautet auf Mord. Warum sich der Prozess in die Länge zieht, erklärt der Vorsitzende Richter. 

Kreuth/München Dass sie Betty B., die millionenschwere Antiquitätenhändlerin aus Kreuth, mit einem Kissen erstickt haben soll, bestreitet die des Mordes angeklagte Renate W. seit Anbeginn des Prozesses vor dem Münchner Landgericht II. Bereits 17 Verhandlungstage dauert das Verfahren um den mutmaßlich gewaltsamen Tod der Seniorin sowie den Diebstahl und den Handel mit deren Antiquitäten im Wert von rund 1,1 Millionen Euro. Und es gab auch schon mehrere Termine, an denen eigentlich die Plädoyers gehalten werden sollten. Doch das Urteil ist noch nicht in Sicht. Wie kommt das?

Laut dem Vorsitzenden Richter Thomas Bott liegt der Grund hierfür vor allem in der Komplexität des Anklagepunktes „Mord“ gegen Renate W. „Das ist von der Beweislage her der schwierigste Vorwurf, weil ja keiner dabei war, die Krankenhaus-Dokumentation unvollständig und deshalb auch nicht auszuschließen ist, dass es ein natürliches Ableben gewesen sein könnte“, erläutert Bott.

Wie an den vergangen Prozesstagen klar wurde, ist es selbst für die Fachleute nicht einfach, sich auf eine Todesursache festzulegen. Dass bei einer 95-jährigen Frau mit dem Gesundheitszustand von Betty B. ein natürliches Ableben nicht ungewöhnlich sei, stellte der Rechtsmediziner Professor Randolph Penning fest: Sepsis, Lungenentzündung, Herzschwäche – die Kreutherin „hätte jederzeit sterben können“, sagt Penning. Dennoch hält der Rechtsmediziner auch Mord durch Ersticken für möglich. „Es gibt hochverdächtige Befunde.“ So sei zum Beispiel die Kombination aus Einblutungen in den Augen und den Faserrissen in der Lunge nur schwer erklärbar.

Zwei Dinge aber sind klar: Renate W. war nach Zeugenaussagen an Betty Bs Todestag, dem 22. März 2016, als einzige Person zum fraglichen Zeitraum im Krankenzimmer der Klinik Agatharied anwesend. Und: Den Angeklagten auf die Spur gekommen war die Staatsanwaltschaft vor allem wegen des regen Ausräumens von Bs Villa rund um deren Todestag. Die Angeklagten hatten Unmengen an kostbaren Kunstgegenständen aus der Villa der Millionärin geschafft, so dass die Nachbarn am Riedlerweg misstrauisch wurden und die Polizei benachrichtigten. „Jetzt ist die Kacke am Dampfen“, hatte der bulgarische Hausmeister laut Ulrich W., dem Mann von Renate W., damals geschimpft

Wie geht es jetzt weiter? In Sachen Diebstahl sei bereits alles relativ klar, „da gibt es keine weiteren Anträge“, erläutert Bott. Wegen der Vielzahl der Gegenstände – über 700 Stück, darunter auch Kommoden, Teppiche und große Kessel – hätte sich der Prozess ebenfalls länger hingezogen, „weil geklärt werden musste, wann sie durch wen weggeschafft wurden“. Auch welche Stücke in die Erbmasse eingehen werden und welche herausgegeben werden sollten, musste am jüngsten Prozesstag noch geklärt werden. Aber vor allem bräuchte die Verteidigung genug Zeit, sich mit dem letzten Beschluss auseinander zu setzen, weitere Gutachter zu bestellen, erklärt Bott. Deshalb dauert der Prozess an. Am kommenden Mittwoch, 2. Mai, geht es weiter.

Julia Traut

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