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Daumendrücken vor dem Fernseher: Mutter Dagmar (v.l.), Bruder Dominik und Vater Wolfgang Rebensburg sind nicht nach Sotschi gereist.

Viktoria Rebensburg in Sotschi

So fiebert die Familie daheim in Kreuth mit

Kreuth - Ihr erstes Rennen in Sotschi hat Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (24) hinter sich. Ihre Familie drückt derweil daheim in Kreuth die Daumen fürs nächste.

Skispringen auf einem Schneehügel vor dem Haus, Biathlon im Garten, Rollschuhfahren auf einem Parcours aus Schuhen im Zimmer oder Kettcar-Rennen durch Hindernisse im Hof – aus allem hat Viktoria Rebensburg schon früh einen Wettbewerb gemacht. Ein Energiebündel, das als Kind kaum zu bremsen war. Turnen, Tennis, Schwimmen, Fußball, fast alle Sportarten probierte sie aus. Beim Skifahren blieb sie, aufgewachsen am Fuße des Hirschbergs in Kreuth, dann hängen. „Wir haben den Kindern vor dem Winter immer gesagt: Wenn sie die Saison fahren wollen, dann von Anfang bis Ende“, erinnern sich die Eltern Dagmar und Wolfgang.

Bruder Dominik hatte mit 14 Jahren keine Lust mehr. Er kümmerte sich lieber um das Drumherum, ist seit 15 Jahren für die Zeitnahme bei Rennen des SC Kreuth zuständig und fachsimpelt jetzt mit dem Vater, wie sich die neue Pistenraupe am Sonnenbichl am besten steuern lässt. Schwester Stephanie hörte mit Zwölf auf und machte später als Skilehrerin weiter. Sie war und ist die Schönfahrerin, die Stilistin. Viktoria, in der Familie immer noch ab und zu liebevoll „de Gloane“ genannt, fuhr nie so schön. Aber schnell. Und sie verlor die Lust an den Rennen nicht. „Man hat sie nie motivieren müssen, eher hat sie uns angetrieben“, sagt Dominik, mit 29 Jahren der Älteste der drei Geschwister. Er erzählt, wie die Schwester nach der Schule im Garten mit sich selbst Fußball oder Tennis spielte. Wie sie mit einem vom Opa gebastelten Holzgewehr als Biathletin ums Haus flitzte. Wie sie dem Bruder und dem Vater mitteilte, wie der mit der Schneefräse aufgeschüttete Hügel vor dem Haus aussehen soll, damit sie dort Skispringen kann. Alles immer mit von der Mutter gebastelten Startnummern, für die die alten Unterhemden des Vaters herhalten mussten. Skirennen fahren wollte Viktoria Rebensburg schon, als sie eigentlich noch zu jung dafür war. Aber die Eltern fanden eine geeignete Rennserie, standen Woche für Woche in aller Früh mit der Tochter auf und fuhren sie zu den Hängen. Dass die ehrgeizige Viktoria ihre Leidenschaft für den Sport und den Wettkampf zum Beruf machen kann, wurde den Eltern mit der Zeit dann auch klar. „Es kamen Einladungen zu Vorträgen wie: ‚Ernährung im Leistungssport’“, erzählt Dagmar Rebensburg. „Dazu haben wir immer wieder Informationsbögen bekommen, in denen aufgelistet war, was sich die Trainer für die Zukunft vorstellen. Da stand irgendwann: Weltcup in zwei bis drei Jahren.“

Fotos aus Sotschi kommen über WhatsApp

Es wurde schnell mehr: Mit gerade mal 20 Jahren wurde Viktoria Rebensburg 2010 in Vancouver Olympiasiegerin im Riesenslalom. „Von Leuten, die nicht aus dem Landkreis kommen, werden wir seitdem in der Arbeit oft auf unseren Namen angesprochen“, sagen Eltern und Geschwister nicht ohne Stolz. Sonst hat sich für die Familie aber nicht viel geändert. Im Skiclub engagiert waren die Rebensburgs schon vorher – ob bei der Organisation von Rennen, bei der Zeitnahme, am Brotzeit-Verkauf oder wenn am Sonnenbichl Reparaturen anstehen. Auch wenn diese Saison nicht so läuft, wie es sich Viktoria Rebensburg vorstellt und sie während ihrer langen Krankheit oft traurig und ungeduldig zu Hause saß, kann die 24-Jährige schon jetzt auf eine fantastische Karriere zurückblicken. Bevor es soweit war, bevor sie Olympiasiegerin wurde und zweimal die kleine Kristallkugel im Riesenslalom gewann, stand aber ein schwerer Schritt an: Der Wechsel vom Gymnasium Tegernsee aufs Internat in Berchtesgaden. „Eigentlich wollte sie da nicht hin“, sagt die Mutter. Zum Abschied gab es Tränen, doch Viktoria lebte sich schnell ein. Berchtesgaden wurde zur zweiten Heimat. Manchmal ziehen sie ihre Geschwister noch heute auf, wenn sie in den dortigen Dialekt verfällt und ein „oder?“ an einen Satz hängt, um ihm Nachdruck zu verleihen. Eine Angewohnheit, die auch ihr langjähriger Trainer, der Berchtesgadener Herbert Renoth, hat.

Am liebsten ist sie aber immer noch daheim in Kreuth. Wie Bruder Dominik hat sie ihre eigene Wohnung im Elternhaus. „Es ist ja auch nicht schlecht, wenn der Kühlschrank bei uns gefüllt ist, wenn sie von den Rennen nach Hause kommt“, sagt Dagmar Rebensburg. Nicht selten komme es vor, dass die Tochter auf der Heimreise anruft und vorsichtig anklopft, ob die Mutter „zufälligerweise gekocht“ habe. Auch wenn Viktoria Rebensburg viel unterwegs ist, kommt die Familie regelmäßig am Sonntagabend zu einem gemeinsamen Essen zusammen. Geplant werden die Treffen ganz modern über eine Whatsapp-Gruppe. Über diesen Multimedia-Kanal kommen dieser Tage auch Fotos aus Sotschi. Nach den Eindrücken des Weltcups vor zwei Jahren mit vielen Sicherheitskontrollen und langen Wartezeiten hatte sie der Familie abgeraten, mit nach Russland zu kommen. Aber jetzt gefällt es der 24-Jährigen doch recht gut in Sotschi. Das war auch bei der Eröffnungsfeier zu sehen. Sie winkte beim Einlauf der Nationen strahlend in die Kamera, die Vorfreude war ihr anzumerken. Die Familie schaute im Wohnzimmer zu. Genauso auch beim ersten Rennen am Mittwochmorgen. Rebensburg schaffte es auf Platz 15. Am Samstag steht der nächste Lauf an - und die Rebensburg werden selbstverständlich wieder die Daumen drücken.

Von Christoph Fetzer

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