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Am Weißachdammweg steht ehemaliges Weideland dauerhaft unter Wasser, etliche Fichten sind abgestorben.

Weissachauen am Tegernsee

Wenn dieser Biber seinen Bau verlässt, geht‘s ihm an den Kragen

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Ein gutes Stück Land haben die Bauern der Weißachaugemeinschaft dem Biber am Tegernseer Zufluss schon überlassen. Wenn er sich weiter nach Süden ausbreitet, geht‘s ihm an den Kragen.

Kreuth – „Noch sind wir nicht in der Zwangslage“, sagt Florian Busl, beim Landratsamt Miesbach zuständig für den Naturschutz. Heißt: Noch besteht keine Notwendigkeit, in den Weißachauen Biberburgen zu zerstören oder die geschützten Nager in Fallen zu locken. Das ist das Fazit eines Ortstermins mit dem Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider am Weißachdammweg.

Wie berichtet, ist der Biber dort seit einigen Jahren wieder heimisch geworden. Direkt an dem Spazierweg, in der Nähe des Eisernen Stegs, hat er einen Damm gebaut, der weite Flächen unter Wasser setzt. Inzwischen sind zahlreiche Fichten abgestorben, Wiesen als Weideland verloren. Die Bauern der Weißachaugemeinschaft, die das sensible Gebiet extensiv bewirtschaften, fürchten, dass die Biber-Population weiter wächst. Aus wie vielen Tiere sie aktuell besteht, weiß niemand so genau. „Zwei sind es mindestens, vielleicht auch drei“, meint Klaus Oettl, Sprecher der Weidegemeinschaft Weißachau. Er sei kein Feind des Bibers, hat er schon vor dem Ortstermin mit dem Landratsamt klar gemacht. Im Gegenteil: Die kunstvolle Burg fasziniert ihn. Aber wo der streng geschützte Biber baut, gehen kostbare Flächen verloren. Darum, findet Oettl, muss verhindert werden, dass der Nager sich weiter nach Süden ausbreitet. Das sieht auch Bürgermeister Bierschneider so: „Die Weißachauen sind ein Kleinod.“ Ein Landschaftsschutzgebiet, in dem Orchideen blühen und Enzian. Der Schutz des Bibers und der Landschaft gerieten in Konflikt.

Am Weißachdammweg steht ehemaliges Weideland dauerhaft unter Wasser, etliche Fichten sind abgestorben.

„Den Konflikt gibt es vor allem mit der Landwirtschaft“, meint Busl. Aber: Es sei sehr wichtig, dass die Bauern die wertvollen Flächen weiter bewirtschaften. „Es ist den Bauern nicht zumutbar, wenn die Hälfte der Flächen unter Wasser steht.“ Würden die Landwirte dort das Handtuch werfen, wäre für den Landschaftsschutz nichts gewonnen. „Wir sehen uns als Manager des Konflikts“, erklärt Busl.

Heißt: Rückt der Biber doch weiter nach Süden vor, „müssen wir uns was überlegen“, meint Busl. Manchmal gibt der Biber auf, wenn man seine Bauten immer wieder zerpflückt. Allerdings sind viele Exemplare sehr hartnäckig und legen unverdrossen nach. „Vergrämen ist schwierig beim Biber“, sagt Busl. Hilft alles nichts, werden Biber mit Fallen gefangen und dort wieder ausgesetzt, wo sie keinen Schaden anrichten können. Vorerst, so Busl, bleibe der Biber nach Überzeugung des Landratsamts seinem Standort am Eisernen Steg treu. „Das Gebiet steht unter Beobachtung.“ Als Biberbeauftragter des Landkreises sei Max Wolf aus Otterfing sehr häufig in Kreuth.

Am Weißachdammweg steht ehemaliges Weideland dauerhaft unter Wasser, etliche Fichten sind abgestorben.

Dass er gern nachlegt, hat der Kreuther Biber am geschützten Bau beim Steg erst wieder bewiesen. Sein Damm dort wurde schon einmal gekappt, ist aber jetzt wieder so hoch, dass Wasser über den Spazierweg läuft. Das Landratsamt habe empfohlen, den Weg einen halben Meter zu erhöhen, damit die Spaziergänger trockenen Fußes passieren können, meint Bierschneider: „Aber wir sind uns nicht ganz schlüssig, ob das sinnvoll ist.“ Möglicherweise baue der Biber dann noch höher. Derzeit warte die Gemeinde ab.

Wichtiger als der Zustand am Weißachdamm sei ihm die Zusicherung des Landratsamtes, dass der Biber zum Schutz der Auenlandschaft gestoppt wird, sollte er weiter vorrücken, erklärt Bierschneider. „Das Gebiet am Damm haben die Bauern schon abgeschrieben.“

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