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Die blinde Vreni Bock aus Kreuth kann die besondere Atmosphäre der Weihnachtszeit spüren. Gemeinsam mit Bruder Christoph entzündet sie das Licht am Adventsgesteck .

„Ich spüre trotzdem die Atmosphäre“

Wie die blinde Tatort-Schauspielerin Vreni (14) den Weihnachtsabend erlebt

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Vreni Bock ist von Geburt an blind. Weihnachten erlebt die 14-jährige Kreutherin daher nur über das, was sie riecht, spürt und hört. Wir haben das selbstbewusste Mädchen zuhause in Enterfels besucht. 

Kreuth – Es weihnachtet sehr bei Familie Bock in Enterfels. Im Wohnzimmer hängen glänzende Weihnachtskugeln von der Decke, auf dem Tisch stehen ein Adventsgesteck und ein großer Teller mit selbst gebackenen Plätzchen. Vreni tastet kurz über den Tisch und fischt sich ihren Lieblingskeks aus der verführerischen Mischung.

Wie wohl jedes Mädchen in ihrem Alter mag die 14-Jährige die Weihnachtszeit sehr – auch wenn heuer der Schulstress zum Ende des Jahres hin besonders groß war, wie Vreni bemerkt. „Am vorletzten Schultag haben wir noch Physik geschrieben“, erzählt sie. Schonzeit? Fehlanzeige. Vreni geht auf das Adolf-Weber-Gymnasium in München, besucht dort die neunte Jahrgangsstufe.

Keine Sonderbehandlung auf dem Gymnasium

Unter ihren Klassenkameraden ist sie die einzige, die nicht sehen kann. Eine großartige Sonderbehandlung gibt es für Vreni aber nicht. „In Mathe bekomme ich bei den Prüfungen eine Zeitverlängerung“, erzählt das Mädchen mit dem verschmitzten Lächeln. Und eine Blindensekretärin digitalisiert das Lernmaterial für die junge Kreutherin, ansonsten macht Vreni das, was ihre Mitschüler auch machen. Hausaufgaben, lernen, Prüfungen schreiben. Und das tut die 14-Jährige mit Erfolg. „Wir sind schon sehr zufrieden“, sagt Mama Monika Bock über die Noten ihrer Tochter.

Bei allem Schulstress durfte die Besinnlichkeit im Advent nicht zu kurz kommen. Doch was bekommt Vreni als Nicht-Sehende eigentlich mit von dem Lichterglanz um sich herum? „Ich weiß natürlich, dass alles leuchtet“, erzählt das Mädchen mit den langen braunen Haaren. „Aber ich weiß eben nicht, wie das aussieht.“ Wenn Vreni so spricht, klingt das weder traurig noch wehmütig. Eher pragmatisch. „Ich spüre ja trotzdem die Atmosphäre“, erklärt die 14-Jährige. Die weihnachtliche Musik, die leckeren Gerüche rundherum. All das nimmt Vreni umso intensiver wahr.

Vreni freut sich über Aufmerksamkeit, will aber kein Mitleid

So wie beim Nürnberger Christkindlesmarkt, den die Gymnasiastin heuer zum ersten Mal gemeinsam mit ihren Eltern und den Geschwistern Christoph (6) und Josie (16) besucht hat. Vreni freut sich, wenn die Standbetreiber freundlich zu ihr sind und sie die weihnachtlichen Waren auch mal anfassen lassen. „Wenn sie mir aber was schenken wollen, find’ ich das übertrieben“, sagt die Schülerin. Denn Mitleid will Vreni auf gar keinen Fall. Und Mitleid hat sie auch nicht nötig.

Trotz ihres jugendlichen Alters und ihrer Blindheit steht Vreni mit beiden Beinen fest im Leben. Auf ihre Selbstständigkeit legt sie großen Wert. „Vreni ist total mutig“, bestätigt die Mutter. Wenn die 14-Jährige etwa zum Weihnachtsshopping nach München fährt, lässt sie sich von einer Freundin begleiten. Die hilft ihr dann bei der Auswahl der Geschenke, beschreibt das, was Vreni eben nicht sehen kann.

Und sie selbst? Was hat sie heuer für Wünsche zum Weihnachtsfest? „Eher langweilige Sachen“, meint Vreni achselzuckend. Neben einem Bademantel und Kosmetik steht heuer ein externes CD-Laufwerk auf dem Wunschliste der Schülerin. „Weil ich gerne Hörbücher höre“, sagt sie. Als sie noch kleiner war, hat Vreni ihre Wünsche in Blindenschrift auf einem Zettel notiert, heute schreibt sie sie mit dem Computer.

Beim Skifahren übernimmt die Mama das Kommando

Das alles war und ist ein großer Lernprozess. Nicht nur für Vreni selbst, auch für ihre Familie. So hat Mama Monika Bock die Kunst der Brailleschrift erlernt und versucht auch sonst, ihre Tochter nach Kräften zu unterstützen. In der Schule wie in der Freizeit. Damit Vreni wie alle anderen zum Skifahren gehen kann, hat ihre Mutter eine Ausbildung absolviert. Jetzt weiß sie genau, wie sie über Lautsprecher und bestimmte Kommandos ihre Tochter sicher über die Pisten lenken kann.

„Die Vreni hat’s uns nie schwer gemacht“, sagt Monika Bock. „Sie war immer ein fröhliches Mädel.“ Um nachzuspüren, wie es ist, in völliger Dunkelheit zu leben, streift sich Monika Bock von Zeit zu Zeit eine Augenbinde über. „Das ist ganz spannend, und man lernt, wieder mehr Geduld zu haben“, erklärt sie.

Bald ist Vreni im „Tatort“ zu sehen

Skifahren, Shoppen, Klarinette spielen („das mach ich nach Gehör“) – Vreni hat viele Hobbys. Und sie ist immer aufgeschlossen für Neues. Als im Sommer eine Schauspielerin gesucht wurde, die im Münchner „Tatort“ ein blindes Mädchen spielt, ist Vreni kurzerhand zum Casting gegangen. Und wurde genommen. Acht Tage lang hat sie mit dem „Tatort“-Team gedreht, im nächsten Jahr wird Vreni somit erstmals auch im Fernsehen zu bewundern sein. Einer von vielen mutigen Schritten, die Vreni Bock in ihrem Leben bereits getan hat.

gab

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