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Wildbad Kreuth 

Wie Herzogin Helene für ihr Wild Ruhe schafft - und was die Wildbad-Pläne machen

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Es ist sehr still geworden in Wildbad Kreuth. Ein Segen fürs Rotwild im herzoglichen Revier. Und die Herzogin hat große Pläne mit ihrem Wild.

Kreuth– „Das Schlitzohr“ ist unvergessen. 18 oder vielleicht auch 20 Jahre alt war der mächtige Hirsch, als er im Januar 2017 tot an der Futterstelle lag. „Altersschwäche“, sagt Herzogin Helene in Bayern. Sie hatte den stolzen Geweihträger energisch vor dem Abschuss bewahrt. Das „Schlitzohr“ hatte ein ramponiertes Ohr, darum der Name. „Er war so vertraut, dass er zum Sterben nach Hause gekommen ist“, erzählt die Herzogin. In ihrem Revier, gut 380 Hektar groß, lebt das Rotwild gut. Etwa 70 Tiere kommen jeden Tag zur Futterstelle, die am Rundweg in Richtung Siebenhütten liegt. Seit diesem Winter ist ein Teilstück, das dicht am Futterplatz liegt, als Wildschutzgebiet ausgewiesen. Es ist das erste im Landkreis Miesbach.

Die Herzogin hat darum gekämpft, auch wenn es nicht überall gut ankommt, Wanderer auszusperren. Vier Schilder verkünden das Gebot: Wanderer dürfen den Weg von Dezember bis März nur vormittags nutzen, mit Hund gar nicht. Die Revierjäger Andreas Mehringer und Konstantin Kappe haben ein Auge darauf, dass keiner zur Unzeit über die Kette steigt, die den Weg absperrt. „Die meisten Leute halten sich an die Regel“, sagt die Herzogin.

Wer sie missachtet, wird von den Revierjägern freundlich aufgeklärt. Beim ersten Mal. Im Wiederholungsfall wird der Ton rauer. Insgesamt vier Nachmittags-Spaziergänger haben bisher eine schriftliche Verwarnung bekommen. Ein Bußgeld zu verhängen, ist Sache des Landratsamtes. Bisher wurde keines erhoben.

Mit dem Erfolg des Wildschutzgebiets sind die Herzogin und ihre Mannschaft zufrieden. Vor der Sperrung wagten sich Tiere oft erst sehr spät am Abend oder gar nicht zur Futterstelle. Das ist nun anders. Vor allem frei laufende Hunde waren ein Problem. „Die Wildtiere flüchten und verbrauchen Energie, die sie im Winter nicht haben“, erklärt Herzogin Helene. Ihre Hirsche zu schützen, ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Es ist der Mensch, der in den Lebensraum eindringt, nicht umgekehrt.“

Mit Schaufütterung Verständnis wecken

An der Futterstelle: Hirsch Rudi lässt es sich schmecken. Hinter ihm ist ein Hirschkalb zu sehen.  

Das klar zu machen, Verständnis für die Natur zu schaffen, ist ihr wichtig. „Das Wild strahlt so eine Würde, Erhabenheit und Präsenz aus. Und die Leute begreifen oft nicht, wie sehr sie die Tiere stören.“ Der Wunsch von Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider, eine Schaufütterung anzubieten, ist auch der ihre. Das Konzept: Der Jäger holt die Besucher an der Schranke ab, führt sie zum Beobachtungsposten und erzählt auch etwas zu den einzelnen Tieren und ihren Gewohnheiten. „Die älteren Hirsche haben bei uns alle Namen“, sagt die Herzogin. Allerdings sind für eine Schaufütterung einige Umbauten nötig. Wenn der alte Futterstadel ersetzt wird, könnte ein Erdwall aufgeworfen und ein gut abgeschirmter Beobachtungsraum geschaffen werden. Um die 40 000 Euro dürfte das kosten. Auf die Schnelle wird die Herzogin das Projekt nicht realisieren – es steht im Zeitplan nicht an erster Stelle. Fünf Jahre könnten leicht ins Land gehen.

Sanatorium steht im Zeitplan oben

Herzogin Helene in Bayern mit Andreas Mehringer (r.) und Konstantin Kappe. 

„Zuerst muss ich die große alte Dame unter Dach und Fach bringen“, meint Herzogin Helene. Das Sanatorium, besser bekannt als langjähriger Sitz der Hanns-Seidel-Stiftung. Nach 40 Jahren hatte die Stiftung das denkmalgeschützte Prachtgebäude im März 2016 verlassen. Vorausgegangen waren lange Verhandlungen um die Pacht. „Ich konnte das Haus nicht mehr so billig hergeben“, meint die Herzogin. Ihr neues Konzept stellte sie vor einem Jahr vor. Wie berichtet, führt es zurück zu den Wurzeln. Wie in uralten Zeiten soll das Gebäude wieder zum Sanatorium werden. 1490 wurde Bad Sankt Leonhard erwähnt, König Max I. Joseph führte 1822 die Molkekur ein.

Schon im Sommer 2017 hätte die Herzogin gern einen konkreten Bauantrag eingereicht. Doch alles dauert länger als gedacht. Noch immer sind die Verträge nicht unterschrieben, weshalb der Name des Investors weiter unter Verschluss bleibt.

Es wird auf beiden Seiten viel gerechnet. Die Herzogin will wieder verpachten, nicht verkaufen. Die Umbauten, ein Mammutprojekt, sind aber auch finanziell Sache des Investors. Es haben viele Behörden mitzureden. Es geht um Brandschutz, Denkmalschutz, Elektrik, Abwasser, technische Anlagen, Stellplätze. Sie übe sich in Geduld, verrät Herzogin Helene, die selbst in einem Nebentrakt des Gebäudes wohnt. Den ganzen riesigen Komplex lässt sie sporadisch heizen, damit er nicht verfällt. „Das Haus ist 200 Jahre alt. Es macht nichts, wenn es noch sechs Monate lang oder auch ein Jahr leer steht.“

Renovierung des Gasthauses läuft

Schneller geht die Renovierung des Gasthauses Altes Bad voran. Nach dem Abschied des Pächter-Ehepaars Winkelmann ist es seit Anfang Januar geschlossen. Neue Pächter haben sich schon gefunden, die Sanierung dürfte bis Mai dauern. Einen Termin für die Wiedereröffnung gibt es noch nicht. Dieser, so die Herzogin, sei auch Sache der Pächter.

Landwirtschaft mit alten Haustierrassen

Das neue Sanatorium, das ein Rückzugsort sein soll, ein Ort der Erholung, wird in der Hand des Investors liegen. In eigener Regie plant der herzogliche Betrieb eine Öko-Landwirtschaft auf dem weitläufigen Gelände. Aktuell stehen in den Stallungen zehn Haflinger. Seit drei Jahren gibt es eine Imkerei und Obstbäume. Die Herzogin will gerne alte Haustierrassen züchten, zum Beispiel Wollschweine und Bergschafe. Vorbild könnten die Herrmannsdorfer Landwerkstätten sein. Eine Idee, die zum Sanatorium passt, wie die Herzogin findet. Dort könnten Produkte aus dem herzoglichen Bio-Betrieb auf den Tisch kommen. Am Gesamtkonzept wird noch getüftelt. Eine reine Liebhaberei kann der Betrieb nicht werden, macht die Herzogin klar. „Es muss auch wirtschaftlich sein.“

Mineralwasser vom Heiligen Kreuz

Nicht weiter gediehen ist das Vorhaben des Herzoglichen Hauses, Mineralwasser aus der Quelle zum Heiligen Kreuz abzufüllen und zu vermarkten. Bereits im Januar 2012 hatte die Gemeinde Kreuth dem Bau einer Abfüllanlage zugestimmt. Doch im Genehmigungsverfahren erwies sich die Mineralwasserverordnung als vorerst unüberbrückbares Hindernis. Leider sei die zuständige Stelle nicht bereit gewesen, neue Wege zu gehen, meint die Herzogin. Doch die Quellen und ihre Vermarktung stehen nach wie vor auf ihrer Agenda: „Man muss das große Ganze sehen.“

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