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Bei der Präsentation der Biomilch Ende Juni war Betriebsleiter Franz Stuffer zuversichtlich.  

Kurs steht auf dem Prüfstand 

Wie viel Bio braucht die Naturkäserei TegernseerLand?

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Seit Juli bietet die Naturkäserei TegernseerLand Biomilch in der Glasflasche an.  Im Herbst will der Vorstand über die Fortsetzung des Experiments Biomilch und den weiteren Kurs entscheiden.

Kreuth – Bei der Präsentation Ende Juni war die Stimmung bestens. Vom edel aufgemachten Produkt in der braunen Mehrwegflasche erhofften sich die Vertreter der Naturkäserei Tegernseer Land viel. Dabei macht nur ein Siegel den Unterschied. Die Biomilch der Naturkäserei ist nach den Richtlinien von Naturland Fair zertifiziert. Die sind erfüllt, wenn vom Umgang mit der Kuh bis zum Endprodukt alles einer ökologischen Betrachtung standhält. Das hat seinen Preis. 2,65 Euro zuzüglich Pfand kostet die Biomilch der Naturkäserei. Der Liter Milch in der Plastikflasche, ohne Biosiegel, war zuvor für 2,45 Euro zu haben.

Biomilch aus der Glasflasche: Resümee erst nach einem Jahr

Seit 1. Juli ist das neue Produkt auf dem Markt. Ein Resümee will die Naturkäserei erst nach einem Jahr ziehen. Aber schon jetzt ist klar: Der Absatz läuft nicht so gut wie erhofft. „Alle sagen, sie wünschen sich bio. Aber das Kaufverhalten sieht anders aus“, meint die Vorstandsvorsitzende Sophie Obermüller. Die Naturkäserei werde sich bis zum Herbst Zeit nehmen, den weiteren Kurs in Richtung Bio festzulegen.

Dabei geht es nicht nur um die Milch. Bereits 2018 hatte der Vorstand der Naturkäserei den Beschluss gefasst, für ihr gesamtes Sortiment das Biosiegel anzustreben. Dafür müssten alle Lieferanten der Naturkäserei ihre Betriebe zertifizieren lassen. „In etwa sechs Jahren wollen wir soweit sein“, hatte Geschäftsführer Franz Stuffer bei der Biomilchpräsentation im Sommer 2019 erklärt.

Es soll keine Kluft zwischen Bauern mit und ohne Biosiegel geben

Damals hatten Stuffer und Obermüller ihre neuen Ämter gerade von Hans Leo übernommen. Auch Leo, der sowohl den Betrieb leitete als auch den Vorstand führte, wollte aber eines nicht: dass eine Kluft zwischen den Bauern mit und ohne Biosiegel entsteht. Doch eben dies ist nun das Problem.

Aktuell haben nur drei der nun 21 Lieferanten das Biosiegel in der Tasche. Im Sommer waren es übrigens noch 22 Lieferanten – ein Betrieb ist inzwischen ausgestiegen. Aktuell wird die Milch der drei Biobauern getrennt erfasst und auch höher vergütet. Die Erzeuger erhalten einen Zuschlag von fünf Cent pro Liter auf den Käserei-Milchpreis von 50 Cent.

Dem 2018 gefassten Beschluss zufolge sollten sich auch die verbliebenen 18 Betriebe nach und nach zertifizieren lassen, um das Biosiegel zu erhalten. Doch das geht mit hohen Kosten einher. Denn in vielen Fällen braucht es einen größeren Stall. Die Qualität der Milch hingegen ist auch jetzt schon bei allen Lieferbetrieben gleichermaßen gut. „Unsere Rohmilchqualität ist einzigartig in ganz Deutschland“, ist Obermüller überzeugt.

Heumilch verlangt hohe Standards

Die Naturkäserei setzt auf Heumilch, also auf Milch von Kühen, die ausschließlich Heu fressen, kein Silofutter. „Wir arbeiten auch alle extensiv und befassen uns sehr mit dem Boden“, berichtet Obermüller, die mit ihrer Familie den Schärf-Hof bewirtschaftet. Die Naturkäserei verlange in vielen Bereichen höhere Standards als es das Biosiegel erfordere.

Das Prinzip Zweiklassen-Milch soll nicht auf Dauer bleiben. Intern wird jetzt darüber beraten, ob das Streben nach Bio für die Naturkäserei überhaupt sinnvoll ist. Schließlich sollen die Landwirte nicht über Gebühr belastet werden. Zumal den ersten Erfahrungen nach das Siegel Bio den Aufwand möglicherweise gar nicht lohnt. Eingeführt wurde die Biomilch nur, um neue Märkte zu öffnen. Das Siegel ist das Eintrittsticket in die Biomärkte. Doch der Markt ist so heiß umkämpft, dass sich dort schwer punkten lässt.

Käseverkauf läuft weiterhin bestens

Unterdessen verkauft sich das eigentliche Produkt der Naturkäserei, der Käse, weiterhin bestens – auch ohne Biosiegel. Die neue Leitung der Käserei, erst seit einem halben Jahr im Amt, will sich zunächst mit den Lieferbetrieben beraten, wie Obermüller deutlich macht: „Wir wollen niemanden bedrängen oder vor den Kopf stoßen.“

Lesen Sie auch: Naturkäserei Tegernseer Land setzt aufs Bio-Siegel: Milch jetzt in Glasflasche

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