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Bald Luxushotel? Das herzogliche Gebäude in Wildbad Kreuth.

Legendärer CSU-Tagungsort

Entscheidung gefallen: Wildbad Kreuth wird Luxus-Hotelanlage - doch es gibt Bedingungen

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  • Christina Jachert-Maier
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  • Katharina Haase
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  • Alexandra Korimorth
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Seit drei Jahren steht der ehemalige CSU-Hotspot Wildbad Kreuth leer. Jetzt verfolgt Herzogin Helene in Bayern neue Pläne - für ein Luxushotel. Heute debattiert der Gemeinderat.

Update, 10. Oktober, 20.00 Uhr: Aufatmen bei der königlichen Hoheit, Herzogin Helene in Bayern. Der Gemeinderat Kreuth hat dem Antrag der Herzogin das Anwesen des Wildbad Kreuth in ein Luxus-Wellnesshotel zu verwandeln zugestimmt. Jedoch unter Auflagen.

Im Detail wurden neun verschiedene Anträge abgehandelt. Dabei sollte geklärt werden, ob der Umbau planungsrechtlich zulässig sei oder ein komplett neuer Bebauungsplan aufgestellt werden müsse. Konkret ging es um die Umwandlung der 129 Zimmer in 65 Luxus-Gästezimmer, die Nutzungsänderungen von Scheune, Schmiede und Remise, den Bau eines Badehauses und eines Gästetrakts sowie ein unterirdisches Kellergeschoss und einen Verbindungsgang. Diesen Anträgen stimmte der Gemeinderat zu. Zunächst hatte aber der Investor ein vollständiges Wirtschaftskonzept zur Hotelplanung vorlegen müssen.

Wildbad Kreuth: Antrag genehmigt - Wildbad wird Luxus-Hotelanlage - unter Auflagen

Um ihre Pläne nun in die Tat umsetzen zu können, muss die Herzogin nun noch zwei Aufgaben bewältigen. Zum einen soll die Luxus-Anlage den Gästen über eine öffentlich gewidmete Straße zugänglich gemacht werden. Diese Straße zu planen und bauen zu lassen ist Aufgabe der Herzogin - ebenso wie die öffentliche Widmung.

IKH Herzogin Helene in Bayern vor der GR-Sitzung in Kreuth

Wildbad Kreuth: Herzogin Helene in Bayern erleichtert über Entscheidung - „Vielen tausend Dank“

Zudem wurde bemängelt, dass in der Planung der Herzogin kein Personalhaus vorgesehen sei. dies sei aber zwingend notwendig, denn ohne Personal könne die Anlage schließlich nicht betrieben werden. Herzogin Helene in Bayern sagte dazu: „Ich habe mir die Hausaufgaben vorgemerkt und werde in den nächsten Wochen darüber hirnen, ob mir dazu etwas einfällt.“ Insgesamt schien die Herzogin mit dem Verlauf der Gemeinderatssitzung allerdings sehr zufrieden. Bevor sie ging übermittelte sie den Verantwortlichen „vielen tausend Dank“

Update, 10. Oktober, 15.28 Uhr: In wenigen Stunden fällt der Kreuther Gemeinderat eine historische Entscheidung über die Zukunft von Wildbad Kreuth. 

Die ehemalige Klausur-Tagungsstätte der CSU-Fraktionen soll bald ein Luxushotel werden. Zumindest, wenn es nach Eigentümerin Herzogin Helene geht (Ihre detaillierten Pläne lesen Sie weiter unten). 

Vergangene Woche hatte sie eine entsprechende Bauvoranfrage eingereicht, über die der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Donnerstag (19.00 Uhr) beraten will. Danach ist das Landratsamt als Genehmigungsbehörde am Zug. Dann erst folgt ein Bauantrag.

Würden die Pläne genehmigt, könnten die Arbeiten im nächsten Jahr beginnen und 2024 abgeschlossen sein, hieß es seitens der Eigentümerin.

Allerdings stehen nach Informationen unserer Redaktion nicht alle Mitglieder des Gremiums dem Vorhaben positiv gegenüber. Es gibt Bedenken. Insofern könnte der Abend durchaus spannend werden. Wir berichten hier aktuell über das Ergebnis.

Update, 2. Oktober, 13.36 Uhr: Nun liegen unserer Redaktion die detaillierten Pläne von Herzogin Helene für ihr Wellness-Hotel Wildbad Kreuth vor.

Wildbad Kreuth: Herzogin Helene plant Wellnesshotel mit Luxuscharakter

Demnach sind die Hotel-Pläne unter dem vorläufigen Arbeitstitel „Wildbad Kreuth – Tradition und Zukunft“ schon weit fortgeschritten. Auch die Gemeinde Kreuth wurde bereits ins Boot geholt. 

Wildbad Kreuth: „Erstklassige Gastronomie und Wellness“ geplant

„Erstklassige Gastronomie und Wellness fernab vom Massentourismus“ - lautet demnach die Devise.

Wildbad Kreuth: Herzogin stellt Pläne en Detail der Gemeinde vor

Dafür wird das marode Hauptgebäude gründlich saniert. Konkret sollen die bislang 129 Gästezimmer zu 65 zeitgemäßen und wohl auch höherklassigen Hotelzimmern umgebaut werden.

Hinzu kommen Gastronomie und Tagungsräume, an denen ja schon bis dato kein Mangel herrscht.

Wildbad Kreuth: Badehaus wird zum Wellness-Tempel

Das Badehaus mit bislang nur einer Schwimmhalle und einer Sauna ausgestattet wird durch ein zweigeschossiges Badehaus (Spa mit Schwimmbädern und Flächen für Saunen, Massage, Wellness/Gesundheit, Fitness etc.) ersetzt.

Detaillierte Pläne auch für Nebengebäude

Das landwirtschaftlich genutzte Scheunengebäude an der Ostseite, zu der auch eine Pferdestallung, Nebenräume und die Gutsverwalterwohnungen zählen, soll künftig die Beherbergungseinrichtung samt Restauration versorgen.

Das bestehende landwirtschaftlich genutzte Gebäude im Norden mit Schmiede und Werkstatt ist künftig als Lounge für Gäste geplant. Die Remise bietet sich als Lobby für die Gäste an.

An der Westseite, anstelle des bestehenden baufälligen Stadels, soll ein zweigeschossiges Gebäudes 15 Gästezimmer beherbergen.

Dabei bekennt sich die Herzogin laut einer Mitteilung ihrer PR-Firma zu zwei Grundprinzipien:

Erstens: Das historische, markante sowie weit über Bayern hinaus bekannte kulturlandschaftsprägende Erscheinungsbild und Kennzeichen von Wildbad Kreuth bleibt vollständig erhalten. 

Zweitens: Die dringend nötigen Sanierungen und Modernisierungen richten sich an die heutigen und künftigen Bedürfnisse anspruchsvoller Gäste.

Beide Grundsätze sollten auch bei der Gemeinde auf offene Ohren stoßen.

Die grobe Zeitplanung sieht vor, dass im Laufe des Jahres 2020 die Baumaßnahmen starten können und in einem Zeitraum von zwei bis vier Jahren abgeschlossen sein werden.

Lesen Sie auch zum Thema - Was aus Wildbad Kreuth wird: Wie alles begann: Wildbad Kreuth: Herzogin holt sich die Schlüssel zurück. Danach, erste Pläne: Das wird aus Wildbad Kreuth. Ebenfalls interessant zum Thema: Herzogin Helene erteilt AfD-Fraktion Hausverbot.

Ursprünglicher Artikel, 2. Oktober, 7 Uhr

Kreuth– Der Umbau des herzoglichen Prachtbaus in ein Sanatorium der Extraklasse schien im Februar 2017 gesetzt. Der Kreuther Gemeinderat begrüßte das Konzept und segnete es mit einstimmigen Beschlüssen ab. Doch der für Sommer 2017 angekündigte Bauantrag wurde nie eingereicht. 

Dafür gibt’s jetzt neue Pläne – nun für ein Hotel. In nicht öffentlicher Sitzung haben die Herzogin und ihre Planer dem Gemeinderat Entwürfe vorgestellt. „Ein Hotel wäre im Interesse der Gemeinde“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider.

Die Herzogin nennt noch keine Details. Nur so viel: „Unter dem Arbeitstitel ’Wildbad Kreuth – Tradition und Zukunft’ wollen wir die Revitalisierung von Wildbad Kreuth in Angriff nehmen. Dazu habe ich jetzt die Bauvoranfrage zur dringend nötigen Sanierung und zur Erweiterung der Gebäudekomplexe eingereicht.“

Neu sind die Überlegungen nicht, aus der früheren Tagungsstätte ein Hotel zu machen. Bereits im Januar 2016 hatte Herzogin Helene die Zukunft ihres Hauses wie folgt beschrieben: „Wildbad Kreuth wird in zehn Jahren ein gut eingeführtes Resorthotel sein, das sich von den übrigen Hotels im Tegernseer Tal abgrenzt.“ Damals schienen Verhandlungen kurz vor dem Abschluss.

Wildbad Kreuth: 2017 genehmigte die Gemeinde den Umbau zum Sanatorium

2017 schwenkte die Herzogin um und präsentierte den Entwurf für ein Sanatorium. Wildbad Kreuth sollte wieder zu einem Ort der Heilung werden und damit an seine große Geschichte anknüpfen. 1490 wurde Bad Sankt Leonhard erstmals urkundlich erwähnt, König Max I. Joseph führte 1822 die Moltkekur ein. Bis 1973 wurde Wildbad Kreuth als Sanatorium geführt. Danach übernahm die Hanns-Seidel-Stiftung als Pächterin das Gebäude. 

Wildbad Kreuth wurde damit zum Schauplatz der legendären CSU-Winterklausuren. Jahr um Jahr bescherten die Politiker-Treffen dem idyllischen Flecken mediale Aufmerksamkeit, die Erinnerung an das Sanatorium schwand. Im Januar 2016 richteten sich zuletzt die Fernsehkameras auf die majestätische Kulisse des Prachtbaus vor mächtigen Bergen. Kanzlerin Angela Merkel schwebte ein, ebenso der damalige britische Premierminister David Cameron. Danach wurde es still. Ende März 2016 gab Ursula Männle als Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung die Schlüssel des Gebäudes an die Herzogin zurück.

Einen Nebentrakt bewohnt Herzogin Helene selbst. Der Rest des sanierungsbedürftigen Gebäudekomplexes steht leer. Keine reine Privatsache: Als Baudenkmal ist das herzogliche Haus den Vorgaben des Denkmalschutzes unterworfen. Die Eigentümerin muss jede Veränderung mit dem Landratsamt als Untere Denkmalschutzbehörde und mit dem Landesamt für Denkmalpflege als Fachstelle abstimmen. Sie muss auch dafür sorgen, dass der historische Schatz nicht verfällt.

Landratsamt: Eigentümerin kommt Verpflichtungen zum Erhalt des Baudenkmals nach 

Derzeit sind dem Landratsamt zufolge keine Schäden durch den Leerstand zu befürchten. „Die Eigentümerin kommt ihren Verpflichtungen zum Erhalt des Baudenkmals in jeder Hinsicht nach“, erklärt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts. Es sei aber im Sinn der kulturellen Bedeutung von Baudenkmälern wünschenswert, dass der Gebäudekomplex wieder genutzt wird. 

Überlegungen dazu würden unter Berücksichtigung der Einzigartigkeit des Baudenkmals von den Behörden „stets konstruktiv“ begleitet.

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