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Ungefähr 30 Zentimeter Schnee liegen dieser Tage in Wildbad Kreuth. Das historische Wittelsbacher Haus ist so verlassen, wie es aussieht.

Aushängeschild im Dauerschlaf

Wildbad Kreuth: Was wird aus dem ehemaligen CSU-Treffpunkt?

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Ab Montag wird die CSU-Klausur im oberfränkischen Kloster Banz veranstaltet. Aber was wird eigentlich aus Wildbad Kreuth? Ein Besuch. 

Kreuth – Wo einst Strauß, Stoiber und Seehofer für Rummel sorgten, tagt seit 2016 niemand mehr. Das stört vor allem jene, denen das Bildungszentrum Kunden bescherte. 

Das Geschrei der Krähen auf den kahlen Bäumen dominiert die Geräuschkulisse – abgesehen vom Wind, der an diesem Freitagvormittag leise heult. Von tiefen Schneefeldern umringt schläft das historische Gebäude in Wildbad Kreuth wie in einem riesigen weißen Bett. Hier und da bröckelt der Putz an der Fassade, Eingänge sind mit Ketten abgehängt, manche Fensterläden halb eingeklappt. Absolute Ruhe. Doch dann steigt weißer Rauch aus einem Kamin. Ein Lebenszeichen?

Genau das wünschen sich viele in Kreuth, endlich Neues zur Frage: Was wird aus dem alten Wildbad, in dem die CSU 40 Jahre lang ihre Klausuren abhielt? Auf den Verkehrsschildern an der Bundesstraße steht „Bildungszentrum“ und „Hanns-Seidel-Stiftung“. Doch das ist längst Vergangenheit: Die parteinahe Stiftung ist im März 2016 wegen angekündigter Mieterhöhungen ausgezogen. Vor wenigen Tagen sperrte auch noch die Gaststätte „Altes Bad“ nebenan aus gesundheitlichen Gründen der Betreiber zu. Ein Ehepaar aus Schwabhausen (Landkreis Dachau) kommt trotzdem vorbei – zum Pferdeschlitten-Fahren.

Die Verhandlungen mit einem Investor gingen den richtigen Weg

Unterhalb der Straße, wo Horst Seehofer Rede und Antwort stand, betreibt Alexander Wiemann die herzogliche Fischzucht. Er sagt: „Man merkt schon, dass es hier ruhiger geworden ist.“

Auf die Zukunftsfrage antwortet Besitzerin Herzogin Helene, die in dem Wittelsbacher Haus aufwuchs, freundlich-vage: „Meine Pläne gehen Schritt für Schritt voran – in eine mit viel Mühe und Arbeit verbundene, aber am Ende sehr gute Zukunft.“ Die Verhandlungen mit einem Investor gingen den richtigen Weg. Mehr könne sie aktuell nicht sagen. Ein konkretes Konzept stellte Herzogin Helene zuletzt im Februar 2017 vor: Ein Sanatorium, wie es schon zwischen 1822 und 1974 war, soll es werden – eine Gesundheitseinrichtung verbunden mit traditioneller Landwirtschaft.

Gefallen würde das Alexander Wiemann, Betreiber der herzoglichen Fischzucht unterhalb des Hauses: „Das wäre besser als ein Tagungshotel. Die Besucher haben Zeit.“ Auch das Bildungszentrum habe ihm immer wieder Kunden beschert. „Man merkt hier schon, dass es ruhiger geworden ist“, sagt er.

„Ich bin maßlos enttäuscht“

Menschentrauben aus Reportern und CSU-Politikern sind seit 2016 Geschichte.

Für andere ist die Ruhe ein größeres Problem. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagt Michael Rauh. In seinem „Hotel zur Post“ in Kreuth stiegen bei CSU-Klausuren viele Journalisten, Referenten und Büroleiter der Politiker ab. „Alleine im Januar verbuche ich einen Umsatzverlust von 30. 000 Euro.“ Einen nahtlosen Übergang statt der langen Ungewissheit hätte er sich gewünscht. „So ein Gebäude muss doch beheizt und erhalten werden. Was das kostet.“ Gäste habe Rauh auch immer das Musikfest Kreuth im Wildbad gebracht.

Diese mehrwöchige Veranstaltung will Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) wieder in dem historischen Festsaal, dem größten Saal der Gemeinde, etablieren. Am Donnerstagabend ging es im Gemeinderat um den Bau von Parkplätzen entlang der Zufahrtsstraße. Mit der Herzogin sei er in gutem Kontakt. „Ich habe den Eindruck, die Verhandlungen befinden sich auf der Zielgeraden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich bald eine Lösung findet.“

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Das hofft auch Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH: „Das Wildbad ist ein Aushängeschild. Viele Gäste fragen danach. Für sie gehört ein Besuch bei der Reise ins Tal dazu.“ Der Auszug der CSU ist ein Einschnitt für den Standort. Die Szenen in der Tagesschau mit Menschentrauben aus Reportern und Politikern, das herzogliche Haus im Scheinwerferlicht: Das alles, sagt Kausch, „war unbezahlbare Werbung“.

Von Tobias Gmach

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