+
Am Quellsee im Gebiet Grea Wasserl hat der Kriechende Sellerie seinen originären Lebensraum. Auch wilde Orchideenarten und 200 verschiedene Arten von Kleinschmetterlingen sind dort zuhause. 

Aktionsbündnis von Schutzgemeinschaft und Grünen 

Wo der Kriechende Sellerie wurzelt: Mehr Schutz fürs Grea Wasserl gefordert 

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
    schließen

Das Biotop am  Grea Wasserl ist offiziell schon streng geschützt. Aber in der Realität sieht ein neu gegründetes Aktionsbündnis viele Versäumnisse. 

Kreuth – Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) und der Ortsverband der Grünen Tegernseer Tal haben sich zu einem Aktionsbündnis zum Erhalt und Schutz des Gebiets Grea Wasserl zusammengetan. In gleich drei Fällen wird ihres Erachtens in diesem Gebiet von „überragender Schutzwürdigkeit“ gegen Recht und Vereinbarungen verstoßen. Das Bündnis fordert Kontrolle, Erhalt und Wiederherstellung.

Das Gebiet Grea Wasserl ist nicht nur bezaubernd idyllisch, die Streuwiesen um den nährstoffarmen Quellsee und auch am Unterlauf, auf der anderen Seite der Bundesstraße, gelten offiziell als „überragend schutzwürdig“. Dort wachsen wilde Orchideenarten wie Knabenkraut, leben – laut einer Kartierung von 2005 – 200 verschiedene Arten von Kleinschmetterlingen wie etwa der Steppenheiden-Geröll-Flur-Eulen-Falter und seltene Amphibien wie die Gelbbauchunke.

Quellsee ist der Lebensraum des Kriechenden Sellerie

Der Quellsee ist der originäre Lebensraum des Kriechenden Scheiberichs, besser bekannt als Kriechender Sellerie. Dieser ist eine nach EU-Recht und nationalem Recht streng geschützte Art. „Laut Bundesnaturschutzgesetz sind solche Biotope wie das Grea Wasserl zu erhalten. Sie dürfen nur einmal jährlich gemäht und freilich nicht gedüngt werden“, erklärte Thomas Tomaschek mit Nachdruck beim Pressegespräch im Hotel zur Post in Bad Wiessee. Er legte Luftbildaufnahmen des Biotops von 2001, 2009 und aktuelle Nahaufnahmen vor, die zeigen, wie sich die Vegetation um den kleinen Quellsee reduziert hat. „Der Schilfgürtel wurde zerstört. Hier wurde aktuell bis zu 50 Zentimeter ans Wasser herangemäht“, sagte Gunther Mair und deutete auf ein aktuelles Foto.

Aktionsbündnis: Fläche wurde unrechtmäßig gemäht

Das Aktionsbündnis schätzt die Biotop-Fläche, die unrechtmäßig gemäht wurde, auf etwa 3000 bis 5000 Quadratmeter. Biologin Gabriela Schneider hat überdies festgestellt, dass sich der einst kalkreiche Boden durch das Einbringen von Gülle verändert habe: „Tiere und Pflanzen, die dort wachsen müssten, sind durch die intensive Nutzung verschwunden. Auch der Quelltopf ist veralgt und getrübt.“

Für die SGT und die Grünen ist das eindeutig eine Ordnungswidrigkeit: „Seit Jahren kümmert sich keiner. Darum haben wir offiziell beim Landratsamt um Abhilfe gebeten“, sagte Angela Brogsitter-Finck. Die Naturschutzbehörde habe Handreichungen im Arten- und Naturschutzgesetz. Obendrein wurden 2007 bei der Ausweisung des Gewerbegebiets Barthweg zwei Ausgleichsflächen in das Gebiet Grea Wasserl gelegt, eine davon, etwa 866 Quadratmeter, sogar in unmittelbarer Nähe des Quellsees und damit mitten im Biotop.

Überwachung von Schutzvorgaben gefordert

Hier zeichnet die Gemeinde dafür verantwortlich, dass diese Flächen nur maximal zwei Mal pro Jahr gemäht werden dürfen. „Wer überwacht das? Wer kümmert sich, dass die Ausgleichsflächen auch realisiert werden?“, fragte Mair wütend. „Wir wünschen uns hier eine gesetzesmäßige Einhaltung des Bebauungsplans“, forderte Tomaschek.

Die Aktionsgruppe möchte überdies geprüft wissen, ob man eine Ausgleichsfläche überhaupt in einem Biotop ausweisen darf oder ob hier ein Fehler gemacht wurde. Darüber hinaus fordern die Naturschützer präventiv eine Kontrolle der Ausgleichsmaßnahmen „Splitthalle“ am Unterlauf des Grea Wasserls. In dem Gesamtkonzept zur Realisierung der seinerzeit umstrittenen Splitthalle (wir berichteten) war die Rede von einer Verfünffachung des Biotops hinter der Halle und dem anschließenden Lagerplatz, der sich zusehends ins Biotop hinein vergrößert hatte. Für diese Ausgleichsmaßnahmen ist ein Zeitraum von August bis Dezember 2020 angesetzt, in dem unter anderem rund 500 bis 1000 Quadratmeter Lagerfläche ausgekoffert werden müssen. Auch hier fordert das Aktionsbündnis, dass die Maßnahmen, die Teil der Baubewilligung waren, termingerecht umgesetzt und kontrolliert werden. „Das Grea Wasserl ist ganz offiziell von ‚überregionaler Bedeutsamkeit‘ und wir möchten, dass es so behandelt und geschützt wird“, sind sich die Mitglieder des Aktionsbündnisses einig.

Lesen Sie auch: Streit um Bauvorhaben am Grea Wasserl

Hochwasser in Bad Wiessee, so kam‘s dazu

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schiff in Schieflage: Gutachten entscheidet über Schicksal von MS Bad Wiessee
Wegen eines Gewitters ist das historische Boot bei der Villa am See in Tegernsee-Süd in Schieflage geraten. Nun müssen Gutachter entscheiden, ob das alte Schiff noch zu …
Schiff in Schieflage: Gutachten entscheidet über Schicksal von MS Bad Wiessee
Palestrina Motettenchor darf endlich wieder proben - aber unter besonderen Umständen
Gemeinsam proben und singen - monatelang war das wegen Corona für die Sänger des Palestrina Motettenchors tabu. Jetzt haben sie ihre Probenarbeit wieder aufgenommen. …
Palestrina Motettenchor darf endlich wieder proben - aber unter besonderen Umständen
Unfall bei Kapler Alm: Stau auf B318 bei Waakirchen
Im einsetzenden Gewitter hat sich soeben ein Verkehrsunfall auf der B318 auf Höhe der Kapler Alm ereignet. Es staut sich bis nach Dürnbach zurück.
Unfall bei Kapler Alm: Stau auf B318 bei Waakirchen
SME-Baustelle: Gemeinderat Bad Wiessee verschärft Gangart gegenüber Investor
Seit über einem Jahr herrscht Stillstand auf der Baustelle des früheren Jodbad-Areals. Der neue Gemeinderat von Bad Wiessee will seine Gangart gegenüber Investor SME …
SME-Baustelle: Gemeinderat Bad Wiessee verschärft Gangart gegenüber Investor

Kommentare