Eine Wildfütterung könnte auf der Alm von Leonhard Rohnbogner in Scharling eingerichtet werden. Auch Johanna Ecker-Schotte war beim Ortstermin dabei.  Foto: Archiv tp
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Eine Wildfütterung könnte auf der Alm von Leonhard Rohnbogner in Scharling eingerichtet werden. Auch Johanna Ecker-Schotte war beim Ortstermin dabei.

Wildfütterung in Kreuth/West

Tierschutzverein Tegernseer Tal: Zornige Weihnachtsgrüße an den Jagdvorsteher

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Das Ringen um eine Rotwildfütterung in Kreuth/West geht weiter. Der Tierschutzverein macht sich für die Futterstelle stark - und spricht von einer Missachtung der Kreatur.

Kreuth – Der Winter ist da. Nur zu gern hätte Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, den Mitgliedern im Weihnachtsbrief eine frohe Botschaft in Sachen Rotwildfütterung im Kreuther Westen verkündet. Aber Ecker-Schotte hat in dieser Sache keinen Erfolg zu vermelden. Deshalb fallen die „Weihnachtsgrüße aus dem Tierheim“, als gedruckte Broschüre verteilt, wenig friedvoll aus. Die Verweigerung einer Winterfütterung im Bergsteigerdorf Kreuth West sei ein Schlag ins Gesicht aller, die sich beim Fütterungskonzept eingebracht hätten, wettert Ecker-Schotte im Weihnachtsgruß: „Hier fehlt in beschämender Weise jegliche Achtung vor der Kreatur.“

Jagdvorsteher sieht keinen Bedarf

Im Visier hat die Tierschützerin den Kreuther Jagdvorsteher Werner Winkler, der weiterhin keinen Bedarf für eine Fütterung westlich der Bundesstraße sieht. Wie berichtet, war es Ecker-Schotter gelungen, einen Standort zu finden. Grundeigentümer Leonhard Rohnbogner ist bereit, seine Alm in Scharling im Winter für eine Rotwildfütterung zur Verfügung zu stellen. Auch gegen eine Schaufütterung hätte er nichts einzuwenden. Wo im Sommer Kühe grasen, könnten bei Schnee und Eis Hirsche Futter und einen geschützten Platz finden. Ein Stadel steht zur Verfügung.

„Der Standort ist ideal“, findet auch Wolfgang Kuhn. Er ist Leiter der Hochwild-Hegegemeinschaft und seit November Jagdberater des Landkreises Miesbach. Auch die Untere Jagdbehörde am Landratsamt hat die Einrichtung der Futterstelle im Westen schon vor Monaten befürwortet. Die Umsetzung wäre Aufgabe der örtlichen Jagdgenossenschaft. Doch deren Vorsteher Werner Winkler winkte nach vielen Gesprächen im Spätsommer ab.

Gutachterliche Stellungnahme liegt vor

Akzeptieren will Ecker-Schotte das nicht. „Wir bleiben dran“, sagt sie. Klar ist laut Kuhn inzwischen, dass im – noch in Arbeit befindlichen – Fütterungskonzept für den Landkreis die Einrichtung einer Fütterung auf Rohnbogners Alm empfohlen wird. Aktuell gebe es fünf Futterstellen östlich der Bundesstraße, aber keine im Westen, erklärt Kuhn: „Da haben wir einen weißen Fleck.“ Neuerdings liege auch eine gutachterliche Stellungnahme vor. Das Fachbüro Forst- & Jagdconsulting Michael Regehr aus Brannenburg halte eine Fütterung im Westen für angezeigt. Angestoßen hat die Analyse der Tierschutzverein.

Wild wird in Notzeiten versorgt

Jagdvorsteher Winkler vertraut lieber auf seine Erfahrung. „Manche machen halt Planspiele am Schreibtisch“, sagt er zu Konzepten und Gutachten. In seinem Bereich sei noch kein Wild verhungert. Östlich der Bundesstraße betreibe die Jagdgenossenschaft eine Futterstelle, im Westen liege die Wildfütterung Bauer in der Au in Bad Wiessee. „Fürs Wild ist das ein Katzensprung“, sagt Winkler. Für ein zusätzliches Angebot bestehe kein Bedarf. Zumal die Jäger in Notzeiten, wie etwa im Katastrophenwinter 2018/2019, das Wild in ihren Revieren ohnehin mit Futter versorgten. Und dies dort, wo es gerade stehe: „Wir sind da lieber flexibel.“

Ecker-Schotte hofft, die Jagdgenossenschaft noch überzeugen zu können. Ihrer Ansicht nach liegt in Sachen Wildschutz viel im Argen. Im Weihnachtsgruß geht’s nicht nur um die Fütterung. Dort heißt es auch: „Enorme Störungen wie der völlig überzogene Jagddruck, Umsetzung von Jagden, die mehr als kritisch zu hinterfragen sind, zu lange Jagdzeiten, die Missachtung des Tierschutzes wie auch der Anspruch des Menschen auf sein Freizeitvergnügen rund um die Uhr setzen unserem heimischen Wild zwischenzeitlich sehr zu.“ Allein im Tegernseer Tal würden pro Jahr 1000 Wildtiere geschossen.

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