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Die Brauer-Brüder aus Marienstein: Sebastian (l.) und Martin Schwind sind mit ihrem Mariensteiner Brauhaus vor fünf Jahren an den Start gegangen. Und sie haben noch einige Pläne.

Interview mit den Inhabern des Brauhauses Marienstein

„Kleine Brauereien müssen zusammenhalten“

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Das Bier des kleinen Mariensteiner Brauhauses hat immer mehr Fans: Im Gespräch verraten Martin und Sebastian Schwind, was sie noch vorhaben.

Marienstein – Ein eigenes Brauereigebäude, noch mehr eigene Biersorten: Martin (29) und Sebastian (34) Schwind leben für ihren Traum und geben mächtig Gas. Zwar kommen immer mehr Fans auf den Geschmack des Gerstensaftes aus ihrem Mariensteiner Brauhaus, doch viel Arbeit liegt noch vor ihnen – zumal Sebastian hauptberuflich Lüftungstechniker ist und Martin im Brauhaus Tegernsee arbeitet. Wie schwer es ist, die gesteckten Ziele zu erreichen, erzählen die Brüder bei einem Besuch bei ihnen daheim in Marienstein.

-Meine Herren, wie schaffen Sie das, neben Ihren Berufen noch eine Brauerei aufzuziehen?

Martin Schwind:Wir kümmern uns nach Feierabend und am Wochenende darum.

-Vor zehn Jahren haben Sie im Keller hobbymäßig mit dem Brauen angefangen. Wie hat sich alles seither entwickelt?

Sebastian Schwind:Nach unseren Anfängen im Keller haben wir ein Sudhaus im Garten errichtet. Letztlich haben da aber die Nachbarn und das Landratsamt nicht mitgespielt.

-Wo haben Sie dann Ihr Bier gebraut?

Martin Schwind:Ab 2015 in einer Brauerei in Perlach bei München. Dort wurde auch abgefüllt. Seit 2016 sind wir in Bamberg, als sogenannte Gypsybrauer (Brauer, die für die Produktion ihres Bieres andere, meist kleine oder mittelständische Brauereien nutzen. Anm. d. Red).

Sebastian Schwind: Anfangs haben wir ja noch per Hand abgefüllt und die Etiketten selbst auf die Flaschen geklebt. Doch dieses Bier hatte nicht so eine lange Haltbarkeit, nur drei Monate. Jetzt hält das Bier doppelt so lange.

-Wie muss man sich den Betrieb logistisch vorstellen?

Sebastian Schwind: Die Brauerei in Bamberg hat unser Rezept, sie braut und füllt ab. Wir bestellen einen Lkw und lassen das Bier abholen.

Martin Schwind:Teilweise fahren wir auch selbst mit dem Hänger hoch, je nachdem, ob mal ein Bier ausgeht. Gelagert wird das Bier dann in Hausham bei einem Getränkemarkt.

Sebastian Schwind: Aber ab einer gewissen Größe ist es nicht mehr möglich, das logistisch abzuwickeln.

-Welche Größe hat Ihr Mariensteiner Brauhaus denn inzwischen erreicht?

Martin Schwind: Ich mach’ da kein Geheimnis daraus: Wir haben jetzt rund 400 Hektoliter pro Jahr. Das schaffen wir hauptsächlich mit unserem naturtrüben Export hell. Inzwischen haben wir auch ein würziges Dunkles im Sortiment, mit einer leichten Note von Kakaobohne und Kaffee im Abgang. Dazu ein helles Weißbier, das bananig-fruchtig und leicht malzig schmeckt.

-Gehören Sie damit zu den Größeren unter den Kleinen?

Sebastian Schwind: Zu den ganz Kleinen.

-Wer sind denn Ihre Fans?

Martin Schwind: Am Anfang haben nur Freunde, Familienmitglieder und Verwandte unser Bier getrunken. Dann kamen Nachbarn, die neugierig waren und probieren wollten. Denen hat’s dann geschmeckt, und so wurde der Kreis immer größer.

-Wo gibt’s das Mariensteiner Bier eigentlich?

Martin Schwind: In einem Dutzend Gaststätten und bei etwa 30 Getränkemärkten, in Cafés und Metzgereien. Hauptsächlich bei uns im Landkreis und in Bad Tölz. Und natürlich bei manchen Veranstaltungen im Umkreis.

-Für das Marketing sind Sie selbst zuständig?

Sebastian Schwind: Klar, wir fahren selbst durch die Lande. Am Anfang waren wir froh um jedes Tragl, das man uns abgekauft hat, inzwischen fahren wir unter zehn Trägern nicht mehr aus. Um die Pflege unserer Homepage kümmert sich ein Fachmann.

Martin Schwind:Seit Neuestem haben wir auch einen Großhändler in München, der für uns ausfährt. Und wir haben eine Werbefläche auf den Hosen der Eishockeyspieler vom SC Reichersbeuern, es lohnt sich, die zu unterstützen.

-Spüren Sie das auch, dass handgemachtes Bier gerade unheimlich gefragt ist?

Martin Schwind: Wir brauen zwar so viel wie wir ungefähr brauchen. Aber das muss mehr werden. Wir wollen größer werden, damit wir selbst bauen können.

-Gibt’s konkrete Pläne?

Martin Schwind: Unser Wunsch, und auf den arbeiten wir schon länger hin, ist, dass wir selber bauen. In der Gemeinde Waakirchen hätten wir schon ein Grundstück, aber da wollen wir noch nichts darüber sagen. Das Problem ist derzeit noch die Bank. Die will Absatzzahlen sehen. Und die sind bei 400 Hektolitern noch nicht erreicht, 2000 wären nötig. Deshalb ist der Großhändler für uns sehr wichtig. Eigentlich ganz gut im Nachhinein, dass die Pläne hier bei uns im Garten nichts geworden sind.

Sebastian Schwind: In diesem Bau wollen wir alles abwickeln, brauen und abfüllen. Und unser Sortiment erweitern. Demnächst soll ein Radler herauskommen. Das haben wir schon beim Tölzer Summer-Village und bei Food & Life in München zum Test ausgeschenkt. Es kam gut an. Auch andere kleine Brauer haben sich schon gemeldet, weil sie bei uns abfüllen wollen.

-Haben Sie keine Angst vor Konkurrenz?

Martin Schwind: Kleine Brauereien müssen zusammenhalten.

Sebastian Schwind: Es gibt keine Konkurrenz, jeder hat seine Fangemeinde.

-Im Tölzer Land sind Sie ziemlich gefragt. Wie kommt das?

Martin Schwind: Da gibt’s nicht so viele große Brauereien. Dass wir den Zuschlag bekommen haben, einige Gaststätten der Vereinigung der Tafernwirte vom Tölzer Land zu beliefern, macht uns ziemlich stolz. Das ist auch eine gute Werbung für uns. In Salzburg haben wir übrigens bei einem Beertasting-Wettbewerb unter 140 Sorten den ersten Platz gemacht mit unserem Hellen.

Sebastian Schwind: Dass unser Bier unfiltriert ist und die Flaschen einen Bügelverschluss haben, macht schon viel her. Aber am Tegernsee Fuß zu fassen, ist nicht leicht.

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