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Drei Bücher in zwei Sprachen: Motschi von Richthofen mit ihren jüngsten Werken auf Deutsch und Englisch.

Autorin Motschi von Richthofen

Die Gmunderin, die mit Worten und Gefühlen spielt

Gmund - In ihren Büchern beschreibt Motschi von Richthofen aus Gmund kritisch den Zeitgeist - auf Deutsch und Englisch. Nun hat sie ihr drittes Buch veröffentlicht.

Eine umtriebige Frau, die viel mitzuteilen hat. So lässt sich die Autorin Alexandra Motschmann alias Motschi von Richthofen charakterisieren. Die 47-Jährige ist schon gut herumgekommen auf der Welt. Sie lebte in Israel, Südafrika, Russland und Amerika, dazu bereiste sie weitere Länder. „Es ist eine Rastlosigkeit, die mich zum Reisen drängt“, sagt die Gmunderin. „Die Reisen inspirieren mich.“ Sie inspirieren sie zum Schreiben.

Von Richthofen liebt es, ihre Epoche mit sozialkritischer und politischer Färbung zu beschreiben, mit Worten und Gefühlen zu spielen. „Als Künstler will man reflektieren, die Zeit zeigen, wie sie ist.“ Den heutigen, vielschichtigen Zeitgeist zwischen Liebe, Miteinander, Natur, Politik, Kultur, Religion und Technologisierung.

Ist Richthofen doch selbst ein Kind dieser Von-allem-etwas-Gesellschaft: Die gelernte Grafikdesignerin arbeitete als Golflehrerin, im Produkt- und Eventmanagement und machte einen Master in International Business. Doch der Beruf ließ ihr keinen Raum für Kreativität: „Während ich gearbeitet habe, konnte ich nicht schreiben“, erzählt von Richthofen. Deshalb nahm sie sich 2013 eine einjährige Auszeit, um Bücher zu veröffentlichen. Ein innerer Drang. Seitdem sitzt sie acht Stunden am Tag am Schreibtisch, diszipliniert wie eine Angestellte. „Arbeiten ist einfacher, weil man mit Menschen zusammen ist. Beim Schreiben ist man allein und muss fokussiert sein, das ist eine extreme Anstrengung.“

Überhaupt nicht anstrengend findet die Schriftstellerin dagegen, ihre Bücher mal auf Deutsch, mal auf Englisch zu verfassen. Obwohl beides der 47-Jährigen gleichermaßen leichtfällt, zieht sie insgeheim die Fremdsprache vor. „Englisch ist eine emotionalere Sprache als Deutsch, auch wenn sie sehr einfach ist“, findet sie. Mit einem Wort könne man viel mehr ausdrücken als im Deutschen, das sehr viel präziser ist. Vorwiegend drückt von Richthofen ihre Gedanken in Lyrik aus, seltener in Prosa. Die Gmunderin, die in Amerika auch schon Lyrikwettbewerbe gewann, reizt die knappe, konzentrierte Gedicht-Sprache, mit der der Autor schneller auf ein Thema eingehen kann. Zudem ließen Gedichte mehr Interpretationsspielraum für den Leser. Das Pseudonym Motschi von Richthofen wählte sie übrigens, weil ihr Vater mit Nachnamen Motschmann und ihr Stiefvater von Richthofen hieß, und sie so beide Einflüsse vereinte.

Unter ihrem Künstlernamen veröffentlichte sie Ende 2013 ihr Werk „Buchstabengerichte“. Ein Sammelsurium alter und neuer Gedichte und Kurzgeschichten. Im März legte sie mit „Human Galaxies“ nach. In dem globalen Buch erzählt von Richthofen die Geschichte einer Frau, die weltweit über das Internet nach einem Mann sucht. Sie kommuniziert unter anderem mit einem Russen, einem Ghanaer und einem Italiener via Mail, SMS und Skype – auch über Themen wie Nachhaltigkeit, Ökonomie, Religion und Homosexualität. „Das ist ein philosophisches Buch mit viel Witz“, sagt die Autorin. Vor Kurzem folgte „Step on time and view – Dichte Zeitabschritte“, das deutsche und englische Gedichte enthält. Auch solche, die ein Thema in beiden Sprachen beleuchten.

Um einen Investmentbanker, der eine Videokonferenz mit Menschen auf verschiedenen Kontinenten führt, dreht sich ihr nächstes Buch, das sie gerade für 2015 verfasst. Wo sich von Richthofen dann aufhält, wird sich in den nächsten Wochen bei einer Amerika-Reise entscheiden. Entweder sie bleibt für zwei Jahre zum Arbeiten dort, oder sie kommt wieder zurück. Denn die Gmunderin, die immer Neues erleben will, findet: „Als Künstler muss man frei und flexibel sein.“

Von Vera Markert

Die Bücher

„Buchstabengerichte“ hat 240 Seiten, ist im Verlag Tredition erschienen und kostet 12,99 Euro. „Human Galaxies“ hat 94 Seiten, ist bei Xlibries publiziert worden und kostet 23,97 Euro. „Step on time and view – Dichte Zeitabschritte“ hat 164 Seiten, ist bei Tredition verlegt und kostet 11,99 Euro.

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