Die neue Abfüllmaschine für Joghurt hat viel gekostet, bringt den Betrieb aber auch nach vorn. Zuvor wurde der Joghurt von Hand geschöpft. Jetzt sortieren Markus Burger und Carmen Schwarz die Becher in Paletten. Foto: Thomas Plettenberg

Naturkäserei: Mit Investitionen aus dem Minus

Kreuth - Um aus den roten Zahlen zu kommen, hat die Naturkäserei TegernseerLand investiert: 340 000 Euro für eine Joghurt-Abfüllanlage, neue Technik und einen Umbau im Haus. Das hilft.

„Wir haben jetzt mehr Zeit für unsere Kunden“, stellt Hans Leo fest. „Das ist gut so.“ Seit April füllt eine Maschine den im Haus erzeugten Joghurt in Becher, etwa 800 Kilo pro Woche. Bis dahin mussten Mitarbeiter per Hand schöpfen. Ein Punkt, der schon bei der Generalversammlung im August bemängelt wurde (wir berichteten). Dort gab Geschäftsführer Leo das Defizit des zweiten vollen Geschäftsjahrs bekannt: 240 900 Euro. Im Geschäftsjahr 2012/13 verschlangen die Personalkosten 45 Prozent der Einnahmen. Die Mitglieder - 350 von insgesamt 1450 waren zur Generalversammlung gekommen - schenkten Leo und seinem Team dennoch das Vertrauen. Aber die Botschaft war klar: Der Betrieb muss effizienter werden.

Inzwischen ist in der Käserei am Reißenbichl einiges passiert. Das Obergeschoss wurde ausgebaut, die Technik und Abläufe verbessert, eine 60 000 Euro teure Maschine fürs Abfüllen des Joghurts in Betrieb genommen. „Das war ein Riesenschritt, auch zur Qualitätsteigerung“, erklärt Leo. Dank der Maschine hat sich die Mindesthaltbarkeitszeit des abgefüllten Joghurts deutlich erhöht. Statt fünf bis sechs Tage sind es jetzt 21 Tage. Das ist wichtig für die Groß-Kundschaft. Dazu gehören Galeria Kaufhof, Dinzler und Käfer, die TegernseerLand-Produkte im Sortiment haben. 70 Prozent der Kreuther Erzeugnisse gehen an den Einzelhandel, 30 Prozent verkauft die im Jahr 2007 gegründete Genossenschaft an der eigenen Theke.

19 Bauern liefern derzeit die von der Naturkäserei geforderte „Heumilch“ an. Milch von Kühen also, die ausschließlich Gras und Heu fressen, kein Silofutter. 5500 Liter Milch verarbeitet die Naturkäserei am Tag. Ausgelastet sind die Anlagen damit nicht. „Wir hätten gerne 7500 Liter Milch“, sagt Leo. Um das zu erreichen, will die Naturkäserei weitere Bauern als Lieferanten gewinnen. „Das ist nicht so einfach“, sagt Leo. „Milch wird gerade ausgerauft.“ Und die Qualitätskriterien der Genossenschaft sind streng.

Mut macht die stetig steigende Nachfrage der Kundschaft. TegernseerLand-Produkte sind trotz des nicht geringen Preises begehrt. Aber es gibt neben dem Bemühen um eine Steigerung der Menge noch weitere Probleme zu lösen. Noch immer sucht die Genossenschaft nach Reiferäumen für den alten Bergkäse. Dabei sah sich die Genossenschaft im Herbst schon am Ziel: Der in Kreuth erzeugte Käse sollte im ehemaligen Malzkeller der Brauerei Graf Arco in Valley reifen. Doch daraus wird nichts. Um den Valleyer Keller fit zu machen, wären zu große Investitionen fällig, berichtet Leo. Jetzt sucht die Käserei Ersatz. „Im Tegernseer Tal ist es aussichtslos, etwas zu finden“, weiß Leo. Inzwischen verhandelt die Naturkäserei wegen Räumen im Nachbarlandkreis. Derzeit reift der begehrte Bergkäse im Keller der Naturkäserei. Dort ist wenig Platz. „Deshalb geht uns der Bergkäse immer wieder aus“, berichtet Leo.

Noch warten muss der geplante Erweiterungsbau. Wie berichtet, hat das Landratsamt Miesbach einen Anbau für die Schaffung weiterer Kühl- und Lagerflächen bewilligt. In diesem Jahr, erklärt Leo, werde aber nicht mehr gebaut: „Das wollen wir im Frühjahr 2015 anpacken.“

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