Der Westerhof-Komplex in Tegernsee soll von einem Garni-Hotel mit 43 Zimmern zu einem Fünf-Sterne-Gesundheitshotel werden.
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Der Westerhof-Komplex in Tegernsee soll von einem Garni-Hotel mit 43 Zimmern zu einem Fünf-Sterne-Gesundheitshotel werden.

Umstrittener Umbau

Nachbarn lassen nicht locker: Neue Klagen gegen Westerhof-Pläne

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Der Umbau des Westerhofs in ein luxuriöses Gesundheitshotel ist ein lange gehegtes Vorhaben, dem heftiger Gegenwind entgegenbläst. Vor allem die Nachbarn lassen nicht locker.

Tegernsee – Ein Fünf-Sterne-Gesundheitshotel mit 134 Zimmern und 270 Betten sowie 50 Personalzimmern, Chalets an der Olaf-Gulbransson-Straße und ein Wellnessbereich im terrassierten Hang – das ist der Plan von Mediziner und Unternehmer Andreas Greither. Ihm gehört der bislang als Garni-Hotel mit 43 Zimmern geführte Komplex. Von 80 Millionen Euro Investitionssumme war zuletzt die Rede.

Der neue Westerhof ist eines von mehreren Mega-Hotelprojekten, die am Tegernsee auf Verwirklichung warten. Er zählt zu den umstrittensten, wohl auch wegen der exponierten Lage und den schwierigen Zufahrtsverhältnissen. Zahlreiche Verwaltungsgerichtsverfahren wurden in der Vergangenheit von Nachbarn schon ausgefochten, alle stützten sich im Wesentlichen auf das Thema Lärm.

Normenkontrollklagen gegen Bebauungsplan

Zwar hatte der Tegernseer Stadtrat im Mai 2020 den Schlusspunkt unter ein aufwendiges und von zahlreichen Einwänden flankiertes Bebauungsplanverfahren gesetzt und gegen vier Stimmen die entsprechende Satzung genehmigt – das Verfahren dauerte elf Jahre und damit so lange wie kein anderes Bebauungsplanverfahren in Tegernsee bisher – doch von einer Verwirklichung ist Andreas Greither noch entfernt. Nach Informationen unserer Zeitung liegen aktuell drei Normenkontrollklagen gegen die Satzung des Bebauungsplans vor. Eingereicht wurden sie sowohl von Anwohnern im Alleingang, als auch im Verbund. Im Kern geht es um den Vorwurf der falschen Abwägung von Einwänden und um Fehler im Umweltbericht sowie dem Lärm- und Verkehrsgutachten.

Berufung gegen Urteil des Verwaltungsgerichts München

Das ist noch längst nicht alles: Aktuell läuft zudem die Zulassung einer Berufungsklage. Sie betrifft ein Urteil des Verwaltungsgerichts München. Dieses hatte in einer ersten Instanz und ohne mündliche Verhandlung die Klage zweier Anwohnerinnen gegen die ebenfalls bereits vorliegende Baugenehmigung zurückgewiesen. Darin ging es im Wesentlichen um die Frage, welche Lärmgrenzwerte anzusetzen sind. Das Gericht spricht in seinem Urteil von einer „Gemengelage“ und davon, dass laut Gutachten die Werte eingehalten würden. Außerdem argumentiert das Gericht mit der Historie: Die Wohnbebauung der Kläger, so das Gericht, sei an den bereits seit 15 Jahren bestehenden Gewerbebetrieb herangerückt. Unter Einhaltung sämtlicher Fristen haben sich Anwohner nun entschieden, Berufung einzulegen. Ob sie zugelassen wird, muss noch entschieden werden.

Bauarbeiten in der Olaf-Gulbransson-Straße,

Einen Vorgeschmack auf das, was zumutbar ist oder nicht, haben die Anwohner bereits bekommen. Von März bis Juli liefen Bauarbeiten in der Olaf-Gulbransson-Straße, der einzigen Zufahrtsstraße zum Hotel. Eine Ausweichstelle, verbunden mit dem Bau einer Stützmauer, musste errichtet werden, dabei war die Straße teilweise von montags bis freitags von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr abends komplett gesperrt. Der Straßenausbau ist jedoch Voraussetzung für den Hotelbau. Gemäß einer Vereinbarung muss Andreas Greither die Kosten übernehmen.

Engstelle Olaf-Gulbransson-Straße: Eine Ausweichstelle mit Stützmauer wurde schon gebaut.

Auf die Anwohner wird wohl erneut eine Straßensperrung zukommen, denn die Erneuerung der Spartenleitungen ist noch nicht erfolgt. „Der erste Abschnitt mit der Stützmauer war schon sehr aufwendig“, sagt Bauamtsleiterin Bettina Koch auf Nachfrage und berichtet, dass auch die aus den 1950er-Jahren stammende Wasserleitung erneuert werden müsse. Sie könne aber noch keine Aussage treffen, wann dies der Fall sein werde. Im Herbst müsse man sich in der Stadt zusammensetzen und das Thema besprechen.

Schutzgemeinschaft steht hinter den Anwohnern

Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) steht voll hinter den Anwohnern. Schon im Juni 2018 hatte sie in einer Großanzeige gefordert: „Stopp! Es reicht! Schluss mit dem Größenwahn in der Kulturstadt Tegernsee!“ Die SGT hatte damit auch an die Bevölkerung appelliert, sich zur Wehr zu setzen. „In Zeiten des immer deutlicher sich abzeichnenden Klimawandels ist das, was am Tegernseer Berg geschieht und geschehen soll, geradezu eine Verhöhnung aller Tatsachen“, erneuert SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck den Protest der Organisation. „Der vollkommen überdimensionierte Neubau des Westerhofs, das in Kürze zu erwartende Almdorf und unterhalb das stetig wachsende Hotel Das Tegernsee sollten allen Verantwortlichen klar vor Augen führen, welcher Größenwahn hier vonstatten geht.“ Für Brogsitter müsse folgende Frage erlaubt sein: „Wer hat zukünftig noch Lust, hier seine kostbaren Ferien zu verbringen?“

Bauherr Andreas Greither geht währenddessen davon aus, „dass alles seinen Weg geht, in Abhängigkeit von der Stadt Tegernsee. Wir haben unsere Baugenehmigung und werden so bauen, wie wir können und dürfen.“ Bezüglich der Klagen verweist er auf seine Anwälte. Er gehe auch davon aus, dass alles zügig und gut vorankomme. „Und nach zwölf Jahren Planung sage ich immer noch zügig und gut.“ Dass sein Vorhaben „heikler“ sei als andere, weist Greither strikt zurück. Und zur Dauer meint er: „Ich habe zwar das Gefühl, dass es lang dauert, aber auch nicht länger als andere Projekte.“

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