+
2012 waren noch genug Ranggler und Zuschauer auf der Gamperlwiese in Gmund Gasse zu Gange. Jetzt ist die Wiese verwaist.

Stirbt bayrische Tradition aus?

Am Tegernsee hat sich's ausgeranggelt

Gmund - Stirbt die Tradition der Ranggler im Landkreis Miesbach? Schaut ganz so aus, sagt der Vorsitzende der Ersten oberbayerischen Rangglervereinigung Miesbach-Tegernsee.

Josef Dießl, Vorsitzender der Rangglervereinigung Miesbach-Tegernsee, glaubt nicht an ein Fortbestehen des Ranggler-Turniers in Gmund.

Es hätte ein großes Ranggler-Fest werden sollen. Mit Schweiß, Muskelkraft und purer Männlichkeit. Und johlenden Zuschauern. Diese waren auch da, beim 23. Max-Seestaller-Gedächtnisturnier in Gmund-Gasse. Nur die Ranggler haben gefehlt. Wegen der geringen Beteiligung musste das Turnier zur großen Enttäuschung der Zuschauer schließlich zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden. Eine Neuauflage wird es nicht mehr geben, glaubt Josef Dießl (63), Vorsitzender der Ersten oberbayrischen Rangglervereinigung Miesbach-Tegernsee. Brauchen die Ranggler im Landkreis einen Nachruf?

Herr Dießl, gibt es jetzt endgültig kein Ranggel-Turnier mehr im Landkreis?

Nein, zunächst nicht mehr. Es gibt keinen Nachwuchs mehr im Landkreis. Wer soll da noch antreten? Das ist zwar sehr schade, aber was soll man machen?

Warum gibt es denn keinen Nachwuchs mehr?

Schwer zu sagen. Vielleicht weil junge Burschen fürchten, sich zu sehr plagen zu müssen oder sich zu verletzen. Freilich, Ranggeln ist schon sehr körperbetont.

Ist Ranggeln einfach zu gefährlich für einen Sport heutzutage?

Auf keinen Fall! Das Verletzungsrisiko ist nicht größer als in anderen Sportarten. Ranggeln ist ein fairer Sport mit klaren Regeln und sauberer Technik.

Wie funktioniert Ranggeln überhaupt?

Die Sportler kämpfen immer in Zweier-Begegnungen, fünf Minuten lang. Ziel ist es, mit speziellen Griffen beide Schultern des Gegners an den Boden zu drücken. Gekämpft wird auf einer Wiese unter freiem Himmel. Der Oberkörper ist frei, sie tragen nur eine lange Leinenhose – das ist eine Besonderheit der oberbayerischen Ranggler.

Und der Unterschied zum Ringen ist...

Die Technik, die Gewichtsklassen, die Kleidung – fast alles also. Trotzdem sind die beiden Sportarten verwandt. Als es in Miesbach noch die Ringermannschaft gab, hatten wir auch mehr Nachwuchs.

Und entsprechend mehr Wettkämpfe, oder?

Im Landkreis gab es Turniere in Seeham, Parsberg, später in Miesbach und eben Gmund. Eine Besonderheit waren die Länderkämpfe gegen die Tiroler, wo das Ranggeln immer noch ein Volkssport ist. Da kamen immer über 600 Leute zum Zuschauen.

Wieso funktioniert’s in Tirol, bei uns aber nicht mehr?

Das ist in Tirol besser verwurzelt, die Regeln sind ein bisschen anders. Gekämpft wird mit Hemd, außerdem in Mannschaften. In Tirol gibt es richtige Landesmeisterschaften. Die Vereine aus dem Alpbach- und dem Zillertal und aus dem Salzburger Land kamen früher regelmäßig nach Gasse, zuletzt zum 80-jährigen Vereinsjubiläum vor zwei Jahren. Die waren berüchtigt, die Tiroler. Und gerngesehene Gegner.

Doch auch im Landkreis haben die Ranggler eine lange Tradition.

Stimmt. 1932 schlossen sich die Ranggler zu einem Verein zusammen. Davor haben sie ihre Kämpfe in Wirtschaften ausgetragen. Um ein bisschen Geld zu verdienen, wollten sie sich selber organisieren. Über 30 Sportler waren es da. Selbst als ich noch aktiv war, waren wir noch über 20. Erst in den letzten zehn Jahren ließ das Interesse nach.

Wie geht es jetzt weiter mit der Rangglervereinigung?

Wenn es junge Männer gibt, die das Ranggeln lernen wollen, sind sie bei uns herzlich willkommen. Wir hätten einen Trainer und auch einen geeigneten Trainingsort. Aber solange es keinen Nachwuchs gibt, können wir nichts machen. Das ist sehr schade, weil damit schon ein Stück Kultur stirbt. Die Jungen haben Kameradschaft und Körperbeherrschung gelernt. Aber zwingen können und wollen wir keinen.

Die Fragen stellte Sophie Stadler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beliebtester Ausflugsgasthof am Tegernsee dicht wegen Gefahrenlage - Bürgermeister: „Katastrophe“
Weil am Winterweg ein Hangrutsch droht, hat eines der beliebtesten Ausflugsziele am Tegernsee auf unbestimmte Zeit dicht gemacht. Wie lange noch, hängt von den Geologen …
Beliebtester Ausflugsgasthof am Tegernsee dicht wegen Gefahrenlage - Bürgermeister: „Katastrophe“
Am Tegernsee: Freiheitspreis der Medien für Fürst Albert II. von Monaco
Beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2020 ist der „Freiheitspreises der Medien“ an Fürst Albert II. von Monaco vergeben worden - für sein Engagement für mehr Umweltschutz.
Am Tegernsee: Freiheitspreis der Medien für Fürst Albert II. von Monaco
Erster E-Hybrid-Einsatz für Feuerwehr Rottach-Egern
Auch die Rettungskräfte müssen sich auf mehr Hybrid- und E-Autos einstellen. Der Unfall eines Fahranfängers bescherte der Rottacher Feuerwehr nun ihren ersten Einsatz an …
Erster E-Hybrid-Einsatz für Feuerwehr Rottach-Egern
Wegen drohender Gefahr: Beliebter Gasthof am Tegernsee macht dicht - „Kann das nicht verantworten“
Es ist bitter für den Wirt und viele Wanderer: Nach der Sperrung der Forststraße wegen der Gefahr eines Erdrutsches muss der Berggasthof Neureuth vorerst schließen.
Wegen drohender Gefahr: Beliebter Gasthof am Tegernsee macht dicht - „Kann das nicht verantworten“

Kommentare