Buch mit Kindergartenkindern im Hintergrund.
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Die Notbetreuung in Kindergärten ist für viele Familien ein Rettungsanker in der Krise.

Corona-Krise

Rettungsanker: Notbetreuung in Kindergärten am Tegernsee stark genutzt

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Homeschooling, Job, Kinderbetreuung: Die Krise bringt viele Familien an den Rand der Erschöpfung. Notbetreuung in Kindergärten wird daher auch am Tegernsee gut genutzt. 

Tegernseer Tal – „Es wird kein Kind abgewiesen“, betont Franz Hafner, Leiter des katholischen Kindertagesstättenverbunds Tegernseer Tal. „Und wir fragen auch nicht nach dem Warum.“ Das Verständnis für die Eltern ist rundrum groß. Die Zahlen im Kita-Verbund sprechen eine deutliche Sprache: In den Kindergärten Rottach-Egern und Bad Wiessee kommt jeweils rund ein Drittel der Kinder in die Notbetreuung, in Tegernsee ist es sogar die Hälfte. Tendenz steigend.

Für Hafner keine überraschende Entwicklung: „Mir war klar, dass die Zahlen täglich wachsen werden“, sagt er. Je länger der Lockdown dauere, desto mehr kämen die Familien in Bedrängnis. „Ich habe größtes Verständnis für die Eltern, die nicht mehr können“, sagt der Verwaltungsleiter.

Hinterfragt werden die Gründe, warum Eltern ihre Kleinen zur Notbetreuung bringen, nicht. Das erklären alle Leitungen am Tegernsee unisono. „Wir haben die Vorgaben der Regierung an die Familien weitergegeben“, sagt etwa Sabine Hildenbrand vom Pius-Kindergarten in Gmund. Alles Übrige liege in der Entscheidung der Eltern. Hildenbrand glaubt aber, dass die Familien verantwortungsbewusst mit dem Angebot der Notbetreuung umgehen: Wer sein Kind schickt, brauche die Unterstützung auch.

Hildenbrand und ihr Erzieherinnen-Team haben derzeit etwa ein Drittel ihrer Schützlinge im Haus. Die Betreuung sei samt Hygieneplan recht gut zu bewerkstelligen, berichtet sie. Auch wenn sich viele Kolleginnen freilich den Normalbetrieb zurückwünschen würden. Vereinzelt gebe es in ihrem Team auch Sorgen wegen der Ansteckungsgefahr. „Denn“, so betont Hildenbrand, „bei kleinen Kindern gibt es keine Abstandsregeln und auch keine Masken“.

Dass die Not nach Wochen des Lockdowns auf allen Seiten groß ist, weiß auch Sabine Kirchmair, Elternbeiratsvorsitzende im Wiesseer Kindergarten Maria Himmelfahrt und selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern. Sie hat Verständnis für die Sorgen der Erzieherinnen – „einige gehören vielleicht zur Risikogruppe und sorgen sich deshalb um ihre Gesundheit“. Gleichzeitig bedeute der Lockdown gerade für viele Mütter eine extreme Belastung, sagt die Vorsitzende. Da sei es nur allzu verständlich, wenn sie ihre Kinder für ein bis zwei Vormittage in die Notbetreuung bringen – auch wenn sie selbst vielleicht nicht voll berufstätig sind.

Tatsächlich müssen die Eltern – anders als im ersten Lockdown – diesmal keinen Nachweis erbringen, dass sie beruflich gebunden sind und deshalb ihre Kinder nicht selbst beaufsichtigen können. In den Vorgaben der Staatsregierung heißt es lediglich: „Sie können eine Notbetreuung unter anderem dann in Anspruch nehmen, wenn Sie die Betreuung Ihrer Kinder nicht selbst oder auf andere Weise sicherstellen können.“

Eine schwammige Vorgabe, die Familien theoretisch recht großzügig zu ihren Gunsten auslegen könnten. Im Inge-Beisheim-Kindergarten in Kreuth – da ist Leiterin Doreen Bätz überzeugt – sei dies aber nicht der Fall. „Unsere Eltern sind sehr diszipliniert. Sie verstehen das System Kindergarten als Familie. Jeder nimmt sich da zurück“, sagt Bätz. Nur etwa 20 Mädchen und Buben statt normalerweise 75 hat der Kreuther Kindergarten derzeit zu betreuen. Weil Bätz um die Notlage einiger Familien weiß, geht sie in manchen Fällen sogar den umgekehrten Weg. „Ich gebe den Eltern ganz klar zu verstehen: Wenn’s bei Euch brennt, könnt Ihr Euch jederzeit melden.“ Die Stimmung unter den Kindern sei trotz Notfallmodus gut, versichert Bätz.

Das kann Susann Bernhardt, Leiterin der katholischen Kindergärten in Tegernsee und Bad Wiessee, auch für ihre Einrichtungen bestätigen. „Die Kinder, die da sind, haben einen geregelten Ablauf“, sagt sie. Weil das Team der Mitarbeiterinnen komplett ist, lasse sich die Betreuung trotz der Corona-Vorschriften gut handhaben, meint Bernhardt. Immerhin dürfen die Gruppen derzeit nicht durchmischt werden, selbst die Gärten müssen in Parzellen aufgeteilt werden.

Dass sich die Kindergärten eine baldige Rückkehr zur Normalität wünschen, ist in jedem Fall überall deutlich herauszuhören. „Wenn alles vorbei ist“, verspricht Doreen Bätz, „feiern wir eine Riesenparty“.

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