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Stolz auf die Jahrgangsbesten: Schulleiter Werner Oberholzner (l.) zeichnete die Abiturienten (v.l.) Lina Möllen, Dennis Sudmann, Laura Culino, Sebastian Prechtl und Alena Courtin für ihre herausragenden Noten aus. 

Abifeier des Tegernseer Gymnasiums

Tegernseer Absolventen: Geistig gerüstet für kritisches Denken

„Dieses Jahr ist alles anders. Ihr habt auf vieles verzichten müssen“: Mit diesen Worten eröffnete Schulleiter Werner Oberholzner seine Rede bei der Verabschiedung des diesjährigen Abiturjahrganges am Tegernseer Gymnasium. Ein Satz, der auch für die Feier selbst galt.

Rottach-Egern/Tegernsee – Die Verabschiedung fand – mit gebotenem Sicherheitsabstand in der Bestuhlung – kurzfristig im Rottacher Seeforum statt. Kurzfristig deshalb, weil sechs Wochen vorher noch nicht feststand, ob wegen der Corona-Auflagen überhaupt eine offizielle Zeugnisverleihung möglich wäre. Eltern, Freunde und Lehrer konnten situationsbedingt nicht an dem Festakt teilnehmen, auch der traditionelle Abiball musste ausfallen.

Grund zur Freude gab es dennoch: Alle 71 Abiturienten haben bestanden, 20 von ihnen mit einer Eins vor dem Komma. Das Stipendium der Kreissparkasse für die beiden Jahrgangsbesten ging in diesem Jahr zur Abwechslung an zwei Herren: Dennis Sudmann schaffte die Traumnote 1,0, gefolgt von Sebastian Prechtl mit 1,1.

„Ihr bekommt Euer Zeugnis in einem Umfeld mit viel mehr Fragezeichen als je zuvor, und diese Fragezeichen werden leider sehr hartnäckig sein“, bedauerte Oberholzner: Ob Auslandsaufenthalt, Studienbeginn oder Einstieg in die Berufswelt, all das habe sich durch die Krise radikal verändert.

Schulleiter: „Nutzt eure Chancen“

In Zeiten der Pandemie mahnte er zu einem vernünftigen Blick und warnte vor allem vor den sich ausbreitenden Verschwörungstheorien. Viele Menschen – bis ins Weiße Haus – wollten nur mehr hören, was ihnen passt, alles andere würde als „Fake News“ abgestempelt und ausgeblendet. Die Abiturienten des Jahres 2020 hätten hier eine wichtige Aufgabe, betonte der Direktor: „Wir haben zwölf Jahre versucht, euch neben Fakten und Kenntnissen vor allem auch das kritische Denken zu lehren.“ Die Absolventen sollten wirklich prüfen, was sie glauben wollten und sollten, zumal in den Sozialen Medien: „Fallt nicht Schwarz-Weiß-Denken und abstrusen Ideen zum Opfer, widersprecht auch einmal. Das geistige Rüstzeug habt ihr jetzt – bitte nutzt es.“

Auch in der jetzigen Phase stünden den Abiturienten zahllose Wege offen, manche vielleicht weniger als früher, andere dafür stärker, ermutigte Oberholzner: „Nutzt eure Chance, nehmt die Herausforderungen an.“

Abiredner Prechtl: Wollen Zukunft mitgestalten

Claus Drexl, scheidender Sprecher des Elternbeirats, gewann mit einem Zitat (und Buchtitel) des Komikers Karl Valentin der Situation eine humorige Seite ab: „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ Dieser Spruch passe ausgezeichnet auf die Umstände, unter denen der Jahrgang 2020 seine Zielgerade absolviert habe. In den vergangenen Jahren habe er immer vor den Gefahren der Digitalisierung gewarnt, doch in Corona-Zeiten könne man nur froh sein, dass die „Ehemaligen“ schon „Digital Natives“ waren. Fazit: „Es wurde also alles nicht so schlimm, wie es schon war.“

Einen launigen Blick auf die gemeinsame Zeit richtete Sebastian Prechtl in seiner Abiturrede. Zum Schmunzeln habe es einiges gegeben, so etwa die Einführung digitaler Technik im Unterricht mit all ihren Problemen und Tücken. Und natürlich genügend schöne Erinnerungen an die Studienfahrt – ebenso wie an die freien Tage und Wochen: wasserfrei, schneefrei, sturmfrei und zuletzt „covidfrei“. „Wir können zurückblicken auf eine facettenreiche Schulzeit mit vielen schönen Erinnerungen, über die wir uns noch in Jahren unterhalten können“, fasste Prechtl zusammen und zitierte einen Satz des amerikanischen Professors Alan Kay: Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet. „Und das können wir nun tun, da kann uns auch eine Pandemie nicht stoppen.“

Stefan Gernböck

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