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Schön anzusehen, aber nicht geräuscharm: Wenn Kühe Glocken tragen, sorgt das für gewissen Lärm.

Schlaflos in Rottach-Egern

Ärger um Kuhglocken: Das sagen Landwirt und „Zuagroaste“

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Ein Klassiker: Menschen ziehen aufs Land und beschweren sich dann über die Geräusche dort. Ärger um das Läuten von Kuhglocken gab es in Rottach-Egern. Jetzt melden sich der Landwirt und die Schreiber des Beschwerde-Briefs zu Wort.

Rottach-Egern – Bürgermeister Christian Köck (CSU) schüttelte beim Vorlesen eines Briefes im Gemeinderat Rottach-Egern den Kopf. „Es ist eben nicht damit getan, sich eine Lederhose zu kaufen und ein Miesbacher Kennzeichen zuzulegen“, sagte Köck. „Wer hier lebt, muss unsere Gepflogenheiten akzeptieren.“ Ein zugezogenes Ehepaar hatte sich über Gebimmel von Kuhglocken vor ihrem Haus beschwert. Das sei eine 24-Stunde-Lärmbelästigung.

Der Brief landete im Oktober bei der Gemeinde Rottach-Egern. Köck war so empört darüber, dass er den Inhalt nun im Gemeinderat verlas – wenn auch mit etwas Verspätung. Die Absender des Briefes: Ein Ehepaar, das vor zweieinhalb Jahren vom Norden Deutschlands nach Rottach-Egern gezogen war. Neben eine Weide.

Gepachtet hat die Weide Landwirt und Gemeinderat Martin Strohschneider (34). Wenn er die Rinder im Herbst von der Alm treibt, lässt er sie noch auf der Wiese am Ortsrand grasen. Samt ihren Glocken. Besonders gestört fühlte sich das Paar, das anonym bleiben will, am Wassertrog. Gegen den schepperten die Tiere auch nachts mit ihren Glocken. „Der steht 30 Meter von unserem Schlafzimmer weg“, sagen sie. An Durchschlafen sei in der Zeit nicht zu denken gewesen. Dass die Rinder nur ein paar Wochen dort grasen, haben die beiden nicht gewusst.

Das „permanente Gebimmel“, wie sie es nennen, hat aber seinen Grund. Besonders oben auf der Alm sind die Weideflächen weitläufig. „Ohne Glocken würde man die Rinder da gar nicht finden“, erklärt Strohschneider. Auch unten sei es schon vorgekommen, dass Tiere auskommen. Außerdem: „Das gehört halt bei uns dazu.“ Das Ehepaar, das aus einem kleinen Ort nahe Hamburg stammt, kannte das so nicht. „Die Kühe haben da keine Glocken.“ Sie seien nun zu Kuhexperten geworden, erzählen die beiden. „Die Tiere schlafen nicht wirklich, sondern dösen.“ So fand das Gebimmel auch nachts kein Ende. Nach einem Telefonat mit Strohschneider zeigte der sich kooperativ: „Wir haben den Wassertrog auf die andere Seite der Wiese gestellt.“ Weiter weg vom Schlafzimmer des lärmgeplagten Ehepaars. Das freut sich über Strohschneiders Verständnis: „Das war angenehm.“

Verständnis hat Bürgermeister Köck weniger. Rinder und Glocken seien in einer Gemeinde wie Rottach-Egern normal. Er ist froh, dass es überhaupt noch Milchviehbetriebe gibt. Und wem das nicht passt, der „soll bleiben, wo der Pfeffer wächst“, machte der Rathauschef deutlich.

Dass gleich wieder gegen die „Zuagroasten“ geschossen wird, findet das Ehepaar aus dem Norden derweil nicht in Ordnung. „Wir sind zwar zugereist, aber wir zahlen doch genauso Steuern.“ Und sie seien nicht die Einzigen, die sich an dem Lärm stören würden.

Ende April dürfen Strohschneiders Rinder wieder auf die Weiden im Tegernseer Tal – wohin ist noch nicht sicher. Im Juni geht’s auf die Alm. Wenn es wieder vor dem Fenster läutet, „dann sind wir gewappnet“, sagt das Paar. Vielleicht verreisen sie dann – am besten wohl in die Stadt oder in den Norden.

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