Man sieht eine Justizia-Figur und Gerichtsakten
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Vor Gericht muss sich ein Fahrraddieb verantworten

AMTSGERICHT

Selbstanzeige mildert Strafmaß

Rottach-Egern/Miesbach – Offenbar aus Geldnot war ein heute 22-jähriger Angestellter zum Fahrraddieb geworden. Jetzt musste sich der junge Mann vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten.

Laut Anklage soll er im August 2019 in der Abfahrt einer Tiefgarage an der Rottacher Fürstenstraße ein Mountainbike im Wert von 600 Euro gestohlen haben. Im September soll er dann noch einmal auf Beutezug gegangen sein.

Diesmal verschwand ein Damenrad im Wert von 579 Euro. Ungewöhnlich war die Art und Weise, wie die Sache ans Licht gekommen war. Der Angeklagte, der damals in Tegernsee wohnte, hatte sich selbst bei der Polizei angezeigt. Aus Reue, wie er Richter Klaus-Jürgen Schmid erklärte. Er habe den entstandenen Schaden wieder gutmachen wollen. Dann schilderte er, wie es zu den Taten gekommen war. Nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes habe ihm die Obdachlosigkeit gedroht. Ein Cousin habe ihn aufgenommen. Da er situationsbedingt „knapp bei Kasse“ gewesen sei, habe er die Diebstähle begangen. Dann hätten er und der Cousin das Diebesgut über eine Internetplattform verkauft, was ihnen 400 Euro einbrachte. Mit den Geschädigten stehe er in Kontakt, sagte der 22-Jährige. Für das Fahrrad im Wert von 600 Euro habe er dem Besitzer bislang 150 Euro erstattet, obwohl er selbst hoch verschuldet sei.

Wie sich in den Ausführungen der Jugendgerichtshelferin zeigte, war der Schuldenberg ein Resultat der schwierigen Lebensumstände des Angeklagten. Er leide an ADHS, was auch Aufenthalte in einer psychosomatischen Klinik erforderlich gemacht habe. Eine nach dem Schulabschluss begonnene Berufsausbildung habe er aus betrieblichen Gründen abbrechen müssen. Dann seien „viele Wechsel“ gefolgt, etwa als Leiharbeiter in verschiedenen Stellen. „Es war immer wieder derselbe Problemkreis“, meinte der 22-Jährige. Zwar habe er das „Kriminelle“ hinter sich gelassen, aber oft die Arbeit verloren.

Das Gericht wertete seinen Willen zur Umkehr als großen Pluspunkt, zumal die beiden Diebstähle nicht die ersten Verfehlungen gewesen waren. Bereits 2017 hatte er in Rottach-Egern drei unverschlossene Fahrräder für insgesamt 1100 Euro und ein weiteres Rad für 50 Euro gestohlen und dafür einen Jugendarrest verbüßt. Mit mehreren Kumpanen war er zudem in die Hütte eines Bootsverleihers eingebrochen, um einen Schrubber und zwei Bootshaken im Wert von 200 Euro zu klauen. Mit einem dieser Haken hatte er dann die Glastürscheibe eines Geschäftes eingeschlagen, um Zigaretten und Spirituosen im Wert von 400 Euro zu stehlen. Ein andermal hatte er mit seinen Freunden durch Tritte und Schläge einen Zaun beschädigt. In einem Münchner Kaufhaus hatte er Unterwäsche für rund 125 Euro mitgehen lassen und war zusätzlich beim Schwarzfahren erwischt worden.

„Ihre Selbstanzeige spricht für sie und mildert das Strafmaß deutlich“, sagte Schmid bei der Verkündung des Urteils. Trotz einschlägiger Vorverurteilung und des „hohen Wertes“ der beiden Räder blieb es bei einer Geldstrafe. Der Angeklagte muss 1179 Euro Wertersatz für die gestohlenen Mountainbikes leisten und zusätzlich 200 Euro Geldstrafe an den Weißen Ring bezahlen.

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