Alpenregion Tegernsee-Schliersee, Smartphone
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Online ist die Alpenregion Tegernsee-Schliersee auch aktuell schon präsent. Doch die Verantwortlichen wollen auch fit für die Zukunft sein.

„Wir brauchen Daten, Daten, Daten“

Soll vieles einfacher machen: Touristiker wollen Daten der Gäste an Tegernsee und Schliersee abgreifen

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Der digitale Tourismus hat längst Einzug gehalten im Landkreis Miesbach. Doch sind die Gastgeber überhaupt darauf vorbereitet? Experte Holger Wernet erklärt, wie die Zukunft aussieht.

Landkreis – Informieren? Online. Buchen? Online. Ausflugsplanung? Online. Der digitale Tourismus hat längst Einzug gehalten. Doch sind die Gastgeber im Landkreis Miesbach überhaupt darauf vorbereitet? Teilweise, sagt einer, der es wissen muss. Holger Wernet (35) ist Digital Manager beim Tourismus-Kommunalunternehmen Alpenregion Tegernsee-Schliersee und setzt sich intensiv mit den neuen Technologien in der Branche auseinander. Beim Digitalforum „Daten im Tourismus“, das die ATS in Kooperation mit der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach und dem Verein Tourismus Oberbayern München am Dienstag, 18. Februar, im Seeforum Rottach-Egern ausrichtet, stehen zahlreiche Zukunftstrends auf der Agenda. Im Interview mit unserer Zeitung verrät Wernet, warum ohne Datenmanagement im Tourismus nichts mehr geht und wieso davon am Ende auch die Einheimischen profitieren können.

Herr Wernet, noch sind längst nicht alle Zimmer im Landkreis online buchbar, da sprechen Sie schon von Dingen wie Datenmanagement. Sind Sie damit nicht Ihrer Zeit voraus?

Holger Wernet: Ganz klar nein. Die Entwicklung hat längst begonnen, und wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden. Das Nutzungsverhalten und die Erwartung unserer Gäste verändern sich stark. Wenn wir dafür nicht die passenden technischen Grundlagen haben, laufen wir Gefahr, dass wir nicht mehr gefunden werden.

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Zuletzt hatte man manchmal eher das Gefühl, dass der Landkreis überrannt wird, vor allem von Tagesausflüglern.

Holger Wernet: An manchen Wochenenden schon. Damit man sich darauf vorbereiten und eventuell ein Chaos durch eine gezieltere Besucherlenkung vermeiden kann, muss man zuerst die Mechanismen verstehen. Und dafür brauchen wir vor allem eines: Daten, Daten, Daten.

Ein Beispiel, bitte.

Holger Wernet: Gern. Wenn wir Mobilfunk- und Verkehrsinformationen analysieren, können wir genau nachvollziehen, von wo ein Gast an einem bestimmten Tag gekommen ist, welche Route er zu welchem Ziel genommen hat und wie lange er sich dort aufgehalten hat. Kombiniert man das mit den Wetterdaten, gibt sich schon ein sehr genaues Bild, aus dem man bestimmte Schlüsse ziehen kann. Vielleicht gelingt es uns so sogar, Staus oder lange Wartezeiten zu verringern, indem wir Gästen und Tagesausflüglern über unsere Kanäle automatisiert Alternativen zu den Hotspots vorschlagen. Profitieren würden davon alle. Auch die Einheimischen.

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Klingt ja fast schon nach Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Wird die ATS zur Datenkrake?

Holger Wernet: (lacht) Nein. Der Datenschutz hat bei uns oberste Priorität. Sämtliche Informationen sind anonymisiert. Jetzt geht es lediglich darum, sie auf einer Plattform zu bündeln, sie zu nutzen und daraus datenbasierte Services zu entwickeln, um sie dann ohne größeren Aufwand in verschiedenen Kanälen ausspielen zu können. Davon profitieren übrigens nicht nur die Gäste, sondern auch die Gastgeber.

Sofern die das überhaupt wollen.

Holger Wernet: Selbstverständlich. Wir können und wollen niemanden zwingen, bestimmte Anwendungen zu nutzen. Unser Ziel ist es, technische Strukturen bereitzustellen, die den Gastgebern ihren Alltag vereinfachen und damit letztlich den Service für den Gast zu verbessern. Damit wir auch alle Gastgeber mitnehmen und den Aufwand dafür möglichst gering halten, werden wir Online-Seminare mit digitalem Lernen anbieten. Angst vor der Technik muss übrigens niemand haben. Am wichtigsten bleibt aber nach wie vor der persönliche Kontakt. Egal ob im Hotel, in der Pension oder in unseren Tourist-Infos.

Das Digitalforum

„Daten im Tourismus“ findet am Dienstag, 18. Februar, von 9.30 bis 15.30 Uhr im Seeforum in Rottach-Egern statt. Die Tagesordnung und kostenlose Tickets gibt es auf www.tourismus-kompetenz.de/digitalforum/.

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