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Mehr Blühweiden für Insekten soll es auch auf gemeindlichen Flächen in Rottach-Egern geben, findet Thomas Tomaschek (Grüne). Sein Antrag löste im Gemeinderat gemischte Reaktionen aus.

Rege Diskussion im Rottacher Gemeinderat

Grünen-Gemeinderat fordert mehr Wiesen für Insekten - und erntet Kritik

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Grüner kann ein Antrag kaum sein: Im Rottacher Gemeinderat forderte Thomas Tomaschek, zur Förderung der Artenvielfalt auf kommunalen Flächen im Ort Wiesen wachsen zu lassen. Bei der CSU gab’s säuerliche Reaktionen.

Rottach-Egern – Mit Schwung trat Grünen-Gemeinderat Thomas Tomaschek nach vorn, um den Kollegen am Ratstisch eine Bilderschau zu präsentieren. An der Dr. Scheid-Straße, an der Karl-Theodor-Straße und etlichen anderen Ecken hatte Tomaschek bei einer Radtour durch den Ort allerlei Fleckchen entdeckt, auf denen mehr wachsen könnte. Futter für die Bienen und andere Insekten, deren Summen und Brummen auch den Gast erfreuen würde.

„Im Moment brummt da nur alle zwei Wochen der Rasenmäher des Bauhofs“, meinte Tomaschek. Den Erfolg des Volksbegehrens Rettet die Bienen verstehe er als Handlungsaufforderung, die Artenvielfalt auch auf gemeindlichen Flächen zu fördern. Sein Antrag: Die gemeindlichen Gärtner sollen grüne Wüsten im Ortsgebiet ausfindig machen und insektenfreundlich bepflanzen: „Das steht uns gut zu Gesicht.“

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Almbauer Anton Maier (CSU) wunderte sich. Schon vor zwei Monaten habe er darauf hingewiesen, dass nicht allein die Landwirte für die Förderung der Artenvielfalt verantwortlich sein können. „Das wäre halt vor dem Volksbegehren wichtig gewesen“, meinte Maier. Ob Tomaschek überhaupt wisse, was auf Wiesen wachse? In Rottach-Egern gebe es bereits viele kostbare Flächen. Insbesondere auf den Almen erfreue eine Artenvielfalt, wie man sie sonst kaum noch erlebe: „Ein Traum.“

Für Klaus Fresenius (FWG) ist die Forderung nach Blühweiden auf öffentlichen Flächen eigentlich selbstverständlich. Er habe nie verstanden, dass dies im Text des Volksbegehrens nicht enthalten war, meinte er: „Das war ein handwerklicher Fehler.“ Es gelte aber, einen gesunden Mittelweg zu finden. Wiesenstreifen seien zwar schön, aber eben nur zur Zeit der Blüte. Wie mühsam es ist, den Rasen zu pflegen, ohne Blumen umzusäbeln, erlebe er im heimischen Garten, wo seine Frau über alles Blühende wache: „Und ich muss immer drumherum mähen.“

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Auch Bürgermeister Christian Köck (CSU) sah praktische Probleme. Wo das Gras hoch wachse, ließen Gassigänger die Hinterlassenschaft ihrer Lieblinge oft liegen, offen oder auch im Kotbeutel. „Dann fliegt unseren Bauhofmitarbeitern beim Mähen um die Ohren, was keiner haben will.“ Dennoch, so Köck, bemühe sich die Gemeinde darum, Flächen auszuwählen, auf denen der Bewuchs länger stehen bleiben darf. Die Gärtner hätten dies auch jetzt schon im Blick.

Josef Kaiser (CSU) sah in Tomascheks Antrag „eine plakative Forderung“. Er habe im Übrigen einen besseren Vorschlag: Die Gemeinde könnte darauf verzichten, die Weissachdämme zweimal im Jahr zu rechen. Denn dabei gehe es den Kleinlebewesen an den Kragen. „Da ist es dann klinisch sauber.“ Amtstechniker Stefan Staudinger widersprach. Um den Hochwasserschutz nicht zu gefährden, müsse die Gemeinde dafür sorgen, dass die Dämme nicht von Wurzelwerk durchzogen werden.

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Letztlich gab’s Zustimmung für Tomascheks Antrag. Mit einer Ausnahme: Anastasia Stadler (CSU) lehnte ab: „Das ist populistisch.“ Der örtliche Gartenbauverein etwa habe schon Obstbaumprojekte realisiert, bevor es die Grünen überhaupt gab. Tomaschek war über die Ablehnung verwundert: „Nur wegen mir, Stasi? Das ist ja schade.“

jm

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