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Ein Anwesen mit unrühmlicher Geschichte: Die beiden Gebäude der Seeperle wurden eigentlich nie richtig genutzt. Jetzt werden sie abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Investoren planen nun kompletten Abriss

Alte Seeperle muss Neubau weichen

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Rottach-Egern - Die alte Seeperle wird nicht aufpoliert, sondern abgerissen. Statt eines Umbaus des Anwesens an der Rottacher Seestraße ist nun ein kompletter Neubau mit Hotel und Läden geplant. 

Nicht alle im Rottacher Gemeinderat sind guter Hoffnung, dass aus dem Fiasko Seeperle doch noch etwas Gutes erwächst. „Ein Grauen“, urteilte Jakob Appoltshauser (SPD) über die jüngste Planung. Die Bauten seien für die Seestraße viel zu mächtig, meinte Appoltshauser. Er werde der beantragten Änderung des Bebauungsplans nicht zustimmen. Bürgermeister Christian Köck (CSU) wunderte sich. „Ein Grauen ist, wenn wir eine Bauruine anschauen müssen“, gab er zurück. Es sollte doch im Interesse der Gemeinde sein, dass an dieser Stelle endlich etwas vorwärtsgehe.

Tatsächlich ist die nun schon über zwei Jahrzehnte währende Geschichte des Anwesens Seeperle eine unrühmliche. Es besteht aus zwei zweistöckigen Gebäuden und einer Tiefgarage. Immer schon hatte die Gemeinde sich eine Nutzung als Hotel gewünscht. Dazu gekommen war es nie. Der Komplex wurde zum größten Teil nie genutzt, die Besitzer wechselten.

Inzwischen liegt ein genehmigter Plan für ein Suitenhotel mit 90 Betten vor, ein „Almhaus“, in dem sich ein Restaurant befindet, und eine Tiefgarage. Doch auch dieser wird so nicht realisiert. Im Gemeinderat lag mal wieder ein Änderungswunsch auf dem Tisch. Neu ist vor allem: Der Bestand soll entgegen der genehmigten Planung nicht umgebaut und erweitert werden, sondern komplett vom Erdboden verschwinden. Die Investoren Rainer Leidecker und Ernst Tengelmann möchten neu bauen. Zudem steigt die Bettenzahl von 90 auf 99.

Insgesamt soll sich aber weder am Volumen noch an der Optik des bisherigen Plans viel ändern. „Stil und Architektur bleiben gleich“, erklärte Bürgermeister Köck. Der Entwurf bedeute eine echte Aufwertung: „Es ist etwas, das man auch gerne anschaut.“ Ein Neubau, meinte Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG), sei auch zukunftsträchtiger als ein Umbau. Die Größe entspreche dem, was der Gemeinderat in vielen Gesprächen ausgehandelt habe. Massivere Planungen habe der Gemeinderat abgewehrt. Es sei auch gut, dass die Projektgesellschaft nun „bereinigt“ sei, merkte sie an.

Die Regie führen nun allein Leidecker und Tengelmann. Wie berichtet, war zuvor auch der Unternehmer Andreas Greither im Boot, dessen Ageno Holding die Problem-Immobilie im Jahr 2008 von der West Management Gesellschaft für kommunale Anlagen, einer Tochter der West LB, erworben hatte. 2010 legte Greither eine Planung für den Umbau in ein Hotel mit 52 Zimmern vor. Er widmete sich dann aber doch anderen Projekten und legte die Seeperle in die Hände von Leidecker und Tengelmann.

Der Gemeinderat gab den beiden mit großer Mehrheit das Okay für die gewünschte Planänderung. Dagegen stimmte neben SPD-Mann Appoltshauser auch Anastasia Stadler (CSU). Das Konzept erscheine ihr nicht schlüssig, begründete Stadler ihre Entscheidung auf Nachfrage unserer Zeitung.

Zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan Seeperle gehört ein Durchführungsvertrag. Demnach sollte das Projekt spätestens 2016 realisiert werden. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat bereits im Februar in nicht öffentlicher Sitzung sein Okay für eine Verlängerung der Frist bis November 2017 gegeben. Nun stand die Verlängerung auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung. Gegen drei Stimmen gewährte das Gremium den Investoren Rainer Leidecker und Ernst Tengelmann den erbetenen Aufschub. Im Frühsommer, so kündigte Köck an, würden die Investoren dann konkrete Pläne vorlegen.

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