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Im Team von Friseur Günther Scherhaufer (sitzend) fühlt sich Reza Mohammadi (2.v.l.) wohl. Dazu gehören seine Kollegen (v.l.) Josef Pergi, Arnd Oertel und Elisabeth Spatzier.

„Er hat eine gute Hand für Haare“

Asylbewerber in Arbeit: Reza Mohammadi (20) ist Friseur-Azubi

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Reza Mohammadi (20) ist angekommen in Rottach-Egern. „Der beste Azubi, den ich seit 20 Jahren hatte“, sagt Friseur Günther Scherhaufer über den jungen Iraner. Er hofft, dass Reza bleiben kann. Entschieden ist das noch nicht.

von Christina Jachert-Maier

Rottach-Egern– Feine Gesichtszüge, hochgewachsen, geschickte Hände und natürlich eine schicke Frisur: Reza Mohammadi passt bestens ins Team des Rottacher Friseurs Günther Scherhaufer. Seit zehn Jahren führt der Tegernseer die Frisierstube „Coiffeur Etoile“ in Bestlage an der Rottacher Seestraße. Zuvor verschönerte Scherhaufer 23 Jahre lang seine anspruchsvolle Kundschaft an der Münchner Theatinerstraße. Nachwuchs für seinen Betrieb zu bekommen, ist nicht einfach. „Wir kriegen ja niemanden“, sagt Scherhaufer.

Es war eine Bekannte, eine ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin, die ihn auf Reza aufmerksam machte. Das war vor über einem Jahr. Der damals 19-Jährige war nach seiner Flucht aus dem Iran in der Tegernseer Turnhalle angekommen. Seine Heimat hatte er verlassen, um einem Staat zu entrinnen, in dem er keine Chance für sich sah. Reza ist Moslem, praktiziert den Glauben aber nicht. Er will frei leben, sich den strengen religiösen Gesetzen nicht beugen. „Darum hat er im Iran überhaupt keine Chance auf eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz“, meint Scherhaufer.

Reza nickt. „Der Staat bei uns ist schlecht“, sagt er leise. Immerhin konnte er zwölf Jahre zur Schule gehen und sich einiges an Bildung aneignen. Im Rottacher Friseurbetrieb ist er kein Handlanger, sondern Auszubildender. „Er war sogar der erste Asylbewerber im Landkreis Miesbach, der einen Lehrvertrag bekommen hat“, berichtet Scherhaufer. Vom Talent seines Schützlings ist er begeistert. „Er hat eine gute Hand für Haare.“ Und ein Gespür für Menschen. „Die Kundinnen lieben ihn“, meint Scherhaufer.

Aber es gab auch schon andere Reaktionen. „Zwei Kunden habe ich aus dem Laden geworfen“, sagt der Friseur. Die Männer hatten Anstoß daran genommen, dass Scherhaufer einen Asylbewerber beschäftigt.

Um Reza einen Lehrvertrag geben zu können, hat sein Chef lange gekämpft. Viele Gespräche mit Ämtern und Behörden geführt, sich um unzählige Kleinigkeiten gekümmert. Der Iraner dankt es mit großem Einsatz und Fleiß, auch in der Berufsschule. Untergebracht war er lange in der Rottacher Halle, nun steht der Umzug ins Haus Rheinland in Bad Wiessee an.

Ob sein Antrag auf Asyl angenommen wird, ist noch nicht entschieden. Wer aus dem Iran kommt, hat aber gute Chancen auf einen positiven Bescheid. Man habe ihm gesagt, Reza dürfe auf jeden Fall drei Jahre zur Ausbildung und noch zwei Jahre bleiben, berichtet Scherhaufer. „Aber es ändert sich ja ständig alles.“ Er würde Reza nach Abschluss der Ausbildung auf jeden Fall übernehmen, merkt Scherhaufer an: „Er wird ein sehr guter Friseur.“

jm

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