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Tegernsees Altbürgermeister Peter Janssen macht sich für eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Manfred Genditzki stark.

Peter Janssen initiiert Online-Petition

Badewannen-Mord: Tegernseer Altbürgermeister fordert Wiederaufnahme des Verfahrens

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Der angebliche Badewannen-Mord von Rottach-Egern bewegt auch die Gemüter am Tegernsee. Ist Manfred Genditzki tatsächlich unschuldig? Jetzt hat sich sogar der Tegernseer Altbürgermeister eingeschaltet.

Tegernsee/Rottach-Egern – Als Manfred Genditzki vor über zehn Jahren der Prozess gemacht wurde, war Peter Janssen noch Rathaus-Chef von Tegernsee. „Als Bürgermeister und Jurist habe ich das Verfahren mit einem gewissen Befremden verfolgt“, berichtet Janssen heute. Nach dem Wegfall eines Motivs sei plötzlich ein neues gefunden worden, Zeugen habe es nicht gegeben und auch keine eindeutigen Spuren. Trotzdem wurde der heute 59-Jährige, der stets seine Unschuld beteuerte, wegen Mordes an einer 87-jährigen Rottacherin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Genditzki soll die alte Dame in deren Badewanne getötet haben. Mit aller Macht kämpfen die Familie des Verurteilten und seine Anwältin seither um eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Mittlerweile wurde ein entsprechender Antrag beim Landgericht München I gestellt.

Und nun kommt auch Unterstützung aus dem Tegernseer Tal. Altbürgermeister Janssen und seine Frau, die Ärztin Dr. Ursula Janssen, sowie der Münchner Stanislaus Benecke haben eine Online-Petition ins Leben gerufen. Darin fordern sie Bayerns Justizminister Georg Eisenreich dazu auf, sich für die Wiederaufnahme des Verfahrens zugunsten Genditzkis einzusetzen. Der Mann sitzt seit nunmehr knapp zehn Jahren in der Justizvollzugsanstalt Landsberg.

Wurde wegen Mordes an einer Rottacher Seniorin zu lebenslanger Haft verurteilt: Manfred Genditzki.

„Es geht nicht darum, jetzt einen Freispruch zu fordern“, stellt Peter Janssen klar. Er und seine Mitstreiter würden aber dazu beitragen wollen, dass Genditzki ein neues Verfahren „unter Berücksichtigung der neuen Beweismittel und einer neuen Zeugin“ bekomme. Dieser Tage hatte die Anwältin Genditzkis angekündigt, eine Zeugin präsentieren zu können, die die These eines häuslichen Unfall untermauern könne. Auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse sollen beweisen können, dass die Rentnerin nicht getötet wurde, sondern ohne Fremdeinwirkung – möglicherweise beim Wäschewaschen – in die Badewanne stürzte und ertrank.

Auch Janssen hält einen solchen Unfall für möglich und hofft, dass möglichst viele die Online-Petition unterstützen. „Meiner Frau und mir ist die Geschichte damals sehr nahe gegangen“, erklärt Janssen. Seine Frau kennt die Beteiligten sogar persönlich, war die behandelnde Ärztin der Familie und auch des Verurteilten.

Lesen Sie hier: Anwältin will Fall neu aufrollen: War der Badewannen-Mord in Wirklichkeit ein Unfall?

Ihre Petition haben die Initiatoren mit den Worten „Lebenslang unschuldig eingesperrt? Ihr Appell an den bayerischen Justizminister!“ betitelt. Jeder, der möchte, kann die Forderung im Internet (www.openpetition.de) mit seiner Unterschrift unterstützen. Bis Freitag Nachmittag haben dies knapp 100 Menschen getan.

Ob das Verfahren tatsächlich neu aufgerollt wird, muss das Gericht entscheiden. Für die Anwältin und die Familie indes steht ohne Zweifel fest, dass Genditzki unschuldig hinter Gittern sitzt. Laut seiner Tochter Cindy war ihr Vater, der als Hausmeister tätig war, mit der alten Dame befreundet, erledigte Einkäufe für sie und fuhr sie zum Arzt. Außerdem wurde aus der Wohnung in Rottach-Egern damals nichts gestohlen.

Lesen Sie hier: Zum Abschied: Liegestuhl für Peter Janssen

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