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In diesem Anwesen in Rottach-Egern soll die alte Dame in ihrer Badewanne ermordet worden sein.

Verfahren könnte wieder aufgenommen werden

Badewannen-Mord in Rottach: Sitzt der Verurteilte seit zehn Jahren unschuldig im Gefängnis?

Manfred Genditzki sitzt seit knapp zehn Jahren im Gefängnis, weil er eine alte Dame aus Rottach-Egern ermordet haben soll. Er beteuert seine Unschuld. Nun könnte das Verfahren wieder aufgerollt werden.

Rottach-Egern/München – Der sogenannte Badewannen-Mord in Rottach-Egern macht seit knapp zehn Jahren Schlagzeilen. Und nun sieht es so aus, als würde das auch noch eine Weile so weitergehen. Denn das Verfahren gegen Manfred Genditzki könnte wiederaufgenommen werden. Die Münchner Anwältin Regina Rick hat einen entsprechenden Antrag beim Landgericht München I gestellt. Sie ist überzeugt davon, dass Genditzki seit knapp zehn Jahren unschuldig im Gefängnis sitzt.

Er selbst hatte das immer wieder beteuert. Ihm wird vorgeworfen, die 87-jährige Rentnerin Lieselotte K. aus Rottach-Egern (Kreis Miesbach) in deren Badewanne ertränkt zu haben. Schon zweimal war er dafür zu lebenslanger Haft verurteilt worden, denn der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil wegen eines Rechtsfehlers aufgehoben. Doch auch im zweiten Prozess glaubten die Richter dem 59-Jährigen nicht.

Lesen Sie hier: Anwältin will Fall neu aufrollen: War der Badewannen-Mord in Wirklichkeit ein Unfall?

Manfred Genditzki wurde 2010 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hat immer seine Unschuld beteuert.

„Ich bin überzeugt davon, dass es sich um ein Fehlurteil handelt und der Antrag begründet ist“, sagt seine Anwältin. Rick will nun eine neue Zeugin präsentieren. „Wir können nachweisen, dass die alte Dame Opfer eines bedauernswerten häuslichen Unfalls geworden ist und zu einem Zeitpunkt gestorben ist, als Herr Genditzki nachweislich längst nicht mehr in der Wohnung war.“ Eine Computersimulation, die technisch zum Zeitpunkt des Urteils noch nicht möglich war, soll beweisen, dass die Seniorin in die Badewanne gestürzt und dann ertrunken sei. Die Zeugin soll diese These mit einer Aussage über die Gewohnheiten Lieselotte K.s bekräftigen. Die Seniorin soll immer wieder einmal plötzlich umgekippt sein.

Die Theorie, dass die Rentnerin durch einen Sturz ums Leben kam, ist nicht neu. Schon im ersten Obduktionsbericht stand, es könne sich aufgrund der vorgelegten Bilder „um ein Sturzgeschehen in die gefüllte Badewanne handeln“. Der Hausmeister Genditzki hatte sie an jenem 28. Oktober 2008 aus dem Krankenhaus abgeholt. Er sagte aus, danach noch einen Kaffee mit ihr getrunken und sie dann allein gelassen zu haben. Dreieinhalb Stunden später wurde Lieselotte K. von einer Mitarbeiterin des Pflegedienstes tot in der Badewanne gefunden. Da sie eine andere Hose trug als nachmittags, hätte es gut sein können, dass sie ihre Krankenhauswäsche in der Wanne einweichen wollte und dabei ins Wasser gestürzt sei, sagte Genditzkis Tochter Cindy gegenüber Spiegel TV. Die neue Zeugin soll nun bestätigen, dass K. Wäsche regelmäßig in der Badewanne einweichte. Für die Unfall-Theorie spricht auch, dass es für Genditzki kein Motiv gab, sie zu ermorden. Laut seiner Tochter waren die beiden befreundet, er erledigte Einkäufe für die alte Dame oder fuhr sie zum Arzt. Außerdem wurde in ihrer Wohnung nichts gestohlen. Eine Geldkassette war nicht angerührt.

Hier finden Sie den Bericht: Badewannen-Mord: Zum zweiten Mal lebenslang

Doch dann gab es ein neues Gutachten des Gerichtsmediziners, dass die Mordtheorie untermauerte. Von Blutergüssen durch kräftige stumpfe Gewalteinwirkung war die Rede. Genditzki bekam lebenslänglich, fassungslos musste seine Familie das Urteil im Gerichtssaal mitanhören. Sein Sohn war damals zwei, seine Frau schwanger. „Er sieht seine Kinder und Enkel nicht aufwachsen, er konnte nicht auf die Beerdigung seiner Mutter gehen“, sagte seine Tochter aus erster Ehe gegenüber Spiegel TV. „Das kann ihm keiner wiedergeben.“

Wenn das Verfahren nicht noch einmal aufgerollt wird, hat Genditzki nicht einmal eine Chance auf vorzeitige Haftentlassung. Denn dafür müsste er ein Geständnis ablegen, erklärt seine Anwältin. „Und er sagt, selbst wenn er dafür morgen freikäme, würde er keinen Mord zugeben, den er nicht begangen hat.“

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mm

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