+
Hier räumte die Bande einen Tresor aus: Naturkäserei Kreuth.

Und einer wollte Familie seiner Ex-Frau töten lassen

Bande vor Gericht: Auf ihr Konto gehen diverse Einbrüche im Tal

Tegernseer Tal – Es klingt wie eine Thriller-Serie mit grausigem Höhepunkt. Monatelang terrorisierte eine jugoslawische Bande das Tal mit Einbrüchen. Einer hatte noch Schlimmeres vor.

Offenbar hörte die Polizei sein Telefon bereits ab. Die Rede ist jedenfalls von einer schaurigen Anweisung, die ein Serbe namens Lazar D. da in Richtung seiner Heimat abgegeben haben soll: Den Mord an seiner Exfrau und deren Familie. Dies scheint der gruselige Höhepunkt einer Verbrechensserie zu sein, die auch das Tegernseer Tal im Jahr 2015 dicke zu spüren bekam. Eine Vielzahl von Einbrüchen in Hotels und anderen Gewerben geht auf das Konto der sechsköpfigen Bande. Ihr Ende fanden die Einbrecher in einer Münchner Wohnung. Dort wurden am 30. Oktober 2015 vier Personen festgenommen: Drei Männer und eine Frau, alle aus Balkanstaaten des ehemaligen Jugoslawien. Lazar D. und ein weiteres Bandenmitglied wurden wenig später ebenfalls geschnappt.

Seitdem arbeiten Kripo und Staatsanwaltschaft die Vergehen der Bande auf. „Das war ein schönes Stück Arbeit“, sagt Ken Heidenreich, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft München II. Es geht um eine Vielzahl an Einbruchsdelikten – wohl etwa die Hälfte davon im Jahr 2015 verübt im Tegernseer Tal. Ein Höhepunkt war der Einbruch in der Naturkäserei in der Nacht von 23. auf 24. August: Die Bande soll dort einen Safe geknackt haben. Beute: eine fünfstellige Summe, Schaden: im vierstelligen Bereich. Der Bruch sollte kein Einzelfall in Kreuth bleiben: Im Frühjahr 2016 wurde die Käserei erneut Opfer einer anderen Einbrecherbande, wieder wurde der Tresor aufgebrochen. „Wir haben aus den Vorfällen Konsequenzen gezogen und unsere Räume dementsprechend gesichert“, sagt Käserei-Chef Hans Leo heute. So etwas passiere hoffentlich nie wieder.

Ein weiterer spektakulärer Fall ereignete sich in der Nacht des 20. Juli im See- und Warmbad in Rottach-Egern. Die Täter parkten an einem Wirtschaftstor zu dem Freibad, hebelten es auf und zerschlugen eine Glastür, um ins Innere des Freibad-Gebäudes zu gelangen. Drinnen erbeuteten sie einen Tresor und rollten ihn mithilfe eines Bürostuhls zu ihrem Auto. Noch am Auto versuchten sie, den Tresor zu öffnen. Da er nicht aufging, nahmen sie ihn mit, um ihn in einem Waldstück aufzubrechen. Beuteschaden in diesem Fall: rund 4000 Euro.

Bei mehreren Hotels und Gästehäusern im Tal, davon zwei in Rottach-Egern und fünf in Bad Wiessee hat es die Gruppe aus Serbien, Kroatien und Bosnien ebenfalls versucht. Oftmals zogen sie ohne Erfolg wieder ab und hinterließen aufgebrochene Türen und eingeschlagene Fenster. Doch manchmal hatten sie auch Glück. Noch zwei Wochen vor den ersten Festnahmen, am 17. Oktober, erleichterten sie das Hotel Seegarten um eine vierstellig Summe. Ganz zu Beginn der Serie, Mitte Mai, fiel ihnen in einem anderen Wiesseer Hotel ein Kuvert voller Bargeld eines Gastes in die Hände.

Ein wirklich profimäßiges Vorgehen kann man der Bande allerdings nicht attestieren. Bei einer ihrer Tresor-Knacker-Aktionen im Grünen verrichtete ein Bandenmitglied zum Beispiel sein Geschäft in nächster Nähe. Mit der DNA aus seiner Stuhlprobe konnte ihn die Polizei recht flott durch einen Abgleich mit dem Zentralregister identifizieren. Die Verhandlung beginnt am Dienstag um 9.30 Uhr im Landgericht München II. Mit einem frühen Urteil ist nicht zu rechnen.

kmm

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wiesseer Seefest: Ausweichtermin kommt gut an
Einen entspannten Abend verbrachten die Gäste auf dem Wiesseer Seefest. Nicht nur wegen des Unwetters am Freitagabend hatte sich der Ausweichtermin als goldrichtig …
Wiesseer Seefest: Ausweichtermin kommt gut an
Unwetter: Bäume blockieren Bahnstrecke und Straßen
Das Unwetter von Freitag hat im Landkreis Miesbach seinen Tribut gefordert. Etliche Bäume sind umgeknickt. Viele Straßen, die Autobahn sowie Bahnstrecken waren betroffen.
Unwetter: Bäume blockieren Bahnstrecke und Straßen
In Rottacher Hotel: Vier Polizeistreifen lösen Junggesellenabschied auf
Unmögliches Benehmen: Die zugereisten Teilnehmer eines Junggesellenabschieds haben am Samstagabend in Rottach gleich vier Polizeistreifen beschäftigt. 
In Rottacher Hotel: Vier Polizeistreifen lösen Junggesellenabschied auf
Wohnmobile: Ein Plätzchen nur für eine Nacht
Fast hätte es in Gmund einen Wohnmobil-Stellplatz gegeben. Doch die Pläne sind vom Tisch, neue nicht in Sicht. Aber: Ein Plätzchen für eine Nacht können Wohnmobilisten …
Wohnmobile: Ein Plätzchen nur für eine Nacht

Kommentare