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Unter anderem an der „Verfassungslinde“ scheiterte ein Bauantrag im Rottacher Ortsplanungsausschuss. 

Ortsplanungsausschuss

Bauantrag scheitert an „Verfassungslinde“

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Bereits zum zweiten Mal lehnte der Rottacher Ortsplanungsausschuss einen Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage ab. Unter anderem wegen der „Verfassungslinde“. 

Rottach-Egern - Die Gemeinde tritt auf die Bremse angesichts der vielen Anträge zum Bau von Mehrfamilienhäusern mit Tiefgaragen in jüngster Zeit. So zum Beispiel bei einem Antrag zum Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit unterirdischer Stellfläche am Parkweg. Hier gab es schon mal einen genehmigten Vorbescheid, doch der Bauherr ließ ihn verfallen und musste ihn neu stellen. Im September 2016 lehnte die Gemeinde diesen bereits einmal ab - und auch jetzt, als bei der jüngsten Sitzung des Ortsplanungsausschusses der Antrag wieder auf dem Tisch lag, erschien ihr das Vorhaben zu massiv. 

Noch vor der Sitzung machten sich die Mitglieder des Ausschusses bei einer Ortsbesichtigung ein Bild von der Lage. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die durch Absteckungen bereits erkennbare Größe der Gebäude sowie der zu geringe Abstand zur Straße ein Grund zur Ablehnung sind. Vor allem auch das nötige Fällen alter Bäume ist für die Gemeinde nicht machbar. Einige Linden müssten weg, offenbar auch jener Baum, auf dem ein Hinweisschild zur berühmten „Verfassungslinde“ befestigt ist. 

Den Original-Verfassungsbaum, unter dem König Max I. Josef 1818 einst die Bayerische Verfassung unterzeichnet haben soll, gibt es zwar nicht mehr, doch das Landratsamt Miesbach hatte schon vor zehn Jahren ein Hinweisschild an einer anderen Stelle anbringen lassen. Eindeutige Beweise für die Geschichte mit der Verfassung gibt es zwar nicht, doch laut dem Tegernseer Juristen Jürgen Brenner, gilt die Überlieferung als ziemlich gesichert. „Die Bäume dort liegen uns am Herzen“, betonte Bürgermeister Christian Köck (CSU) und verwies auf die Baumschutzverordnung. 

Zudem fand er, dass man das historische Radolin-Haus an der Fürstenstraße in Betracht ziehen sollte. Die Gemeinde hat das Haus zusammen mit der Stadt Tegernsee geerbt und für viel Geld saniert. Es steht ebenso wie ein benachbartes Gebäude unter Denkmalschutz. „Das ist so nicht machbar“, fasste Köck zusammen und fand: „Bei Neubauten müsste es auch eine Nummer kleiner gehen.“ Dafür muss allerdings das Landratsamt als Genehmigungsbehörde mitspielen. Dieses, informierte Köck, habe aber bereits Zustimmung angekündigt. 

Für Jakob Appoltshauser (SPD) wäre das sogar ein Fall fürs Verwaltungsgericht. Köck schlug einen anderen Weg vor: Er werde zunächst das Gespräch mit dem Antragsteller suchen. Zudem werde man versuchen, wie Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) vorschlug, auf die „historische Umgebung“ bei der Bewertung des Bauvorhabens hinzuweisen. Damit waren alle einverstanden. Die Voranfrage wurde erneut einstimmig abgelehnt.

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