Am Schorn tummeln sich die Gänse am Badestrand. Ihr Kot verschmutzt das Ufer.
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Am Schorn tummeln sich die Gänse am Badestrand. Ihr Kot verschmutzt das Ufer.

Mehrere Tiere erlegt

Nach Abschuss von Gänsen am Tegernsee - Bürgermeister weist Vorwürfe zurück: „Keine gewissenlosen Tiermörder“

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Im Auftrag der Gemeinden haben Jäger Graugänse am Tegernsee erlegt. Vorwürfe von Tierschützern weist der Rottacher Bürgermeister nun zurück.

Rottach-Egern – Damit sie die wachsende Graugans-Schar dezimieren, hatte Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) im Einklang mit seinen Kollegen in den Nachbarorten und der Unteren Naturschutzbehörde zwei Jäger beauftragt. 17 Gänse wurden geschossen, zur Empörung von Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. Ihre Vorwürfe, man habe einfach den Abschuss verfügt, statt die Tiere mit anderen Methoden zu vergrämen, weist Köck zurück.

„Wir sind keine gewissenlosen Tiermörder“, macht er klar. Die Gänse seien waidgerecht erlegt worden. „Die Tiere haben nicht gelitten.“ Dass dies ausnahmsweise in der Schonzeit geschehen sei, liege daran, dass die Jäger abwarten mussten, bis die Gänse sich an einem Ort sammeln, an dem sie sicher geschossen werden können, ohne dass Menschen in Gefahr geraten, berichtet Köck. Darum habe man die Frist für den Abschuss verlängert. Jetzt sei die Graugans-Jagd vorerst beendet. „Es beginnt die Zeit der Paarung und Aufzucht.“

Gänse am Tegernsee erschossen: Auch Einsatz von Falken war im Gespräch

Alternativen zum Abschuss hätten die Experten durchaus geprüft, erklärt Köck. „Man hat über den Einsatz von Greifvögeln nachgedacht, vor allem über Falken“, berichtet der Bürgermeister. Doch die haben nicht nur auf junge Gänse Appetit, sondern jagen auch Arten, die Schutz brauchen. Weil man rare Exemplare nicht gefährden möchte, wurde auch der Vorschlag verworfen, Gänseeier im Gelege anzustechen. Denn dazu müssten Menschen durch Brutgebiete streifen, denen sie unbedingt fernbleiben sollten, meint Köck. Ecker-Schotte habe von diesen Überlegungen gewusst. Die Bürgermeister hatten die Tierschützerin im Juli 2020 zu einer Dienstbesprechung in Sachen Gans beigeladen. Dem Abschuss habe Ecker-Schotte allerdings nicht zugestimmt, räumt Köck ein.

Abschuss am Tegernsee: Bürgermeister verteidigt sich - Graugänse sind „jagdbares Wild“

Was ihn ärgert, ist die Aussage Ecker-Schottes, es handle sich bei den Gänsen nicht um Wildtiere, sondern um die Nachkommen ausgesetzter Hausgänse. „Das ist jagdbares Wild“, betont Köck. „Wir schießen nicht auf Haustiere.“ Es sei allerdings richtig, dass vor ein paar Jahren etwa zehn Gänse aus privater Haltung am Seeufer in die Freiheit entlassen wurden. Diese hätten sich dann aber mit Wildtieren gepaart. Weil das Nahrungsangebot reichlich ist, zogen die Gänse nicht weiter, sondern wurden am See heimisch.

Graugänse am Tegernsee erlegt: Kot verdreckt Badestrände

2020 war die Population auf 60 Gänse gewachsen, vor der Abschussaktion wurden 80 gezählt. Somit ist der Bestand wieder in etwa so groß wie vergangenes Jahr. Wenn am 1. August die Schonzeit endet, wird die Gans wieder ins Visier genommen. Allerdings sei die Jagd während der Badesaison kaum möglich, weiß Köck: „Wir müssen warten, bis am See alles ruhig ist.“ Es gelte aber auch künftig, den Bestand zu regeln, um die Verschmutzung der Badestrände durch Gänsekot in einem erträglichen Rahmen zu halten: „Ich denke, viele Leute sind dafür dankbar.“ Schließlich wolle keiner sein Handtuch in den Gänsedreck legen.  

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