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Seltene Zusammenkunft: Zu einer talweiten Sitzung begrüßte ATTEK-Sprecher Thomas Tomaschek (l.) die Gemeinderäte und interessierte Zuhörer im Seeforum.

Sitzung im Seeforum

Tal-Gemeinden sagen Klimawandel den Kampf an

Was kann der Landkreis für den Klimaschutz tun? Bei einer talweiten Gemeinderatssitzung wurde dieses Thema ausgiebig erörtert. Klar wurde dabei auch: Die Verkehrsbelastung am Tegernsee muss weniger werden.

Rottach-Egern – Längst ist der Klimawandel mit all seinen Folgen allgegenwärtig. Überschwemmungen, Dürrekatastrophen und Waldbrände sind die Folgen eines verantwortungslosen Umgangs des Menschen mit der Natur. Umso wichtiger sind Konzepte, die den Schutz von Klima und Umwelt zum Ziel haben. Wie ein solches Konzept für den Landkreis Miesbach aussehen könnte, darüber konnten sich interessierte Bürger bei einer talweiten Gemeinderatssitzung im Rottacher Seeforum informieren.

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Der Arbeitskreis Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (ATTEK) hatte dazu ausgewiesene Experten eingeladen. Der Rottacher Gemeinderat und ATTEK-Sprecher Thomas Tomaschek (Grüne) schilderte das Anliegen der öffentlichen Veranstaltung: „Wir wollen die Bürger mit ins Boot holen.“

„Die Klimakrise geht uns alle an“, machte sodann Michael Kopatz vom Institut Wuppertal für Umweltpolitik und Umweltplanung deutlich. Die CO2-Emission habe sich seit 2008 nicht mehr reduziert. Die Folge seien „superheiße“ Sommer und Katastrophen. „Wir brauchen eine Veränderung unserer Gewohnheiten“, erklärte der Fachmann. Das gelte für das Kaufverhalten ebenso wie für die Mobilität. Kopatz hält eine Deckelung des Wirtschaftswachstums als erforderlich für das Erreichen von Klimazielen. Hier sei „sanfter Zwang“ seitens der Politik vonnöten.

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Mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung sah Energiemanager Andreas Scharli von der Bürgerinitiative Energiewende Oberland (EWO) als ein Hauptproblem an. Fotovoltaikanlagen hätten sich mittlerweile zwar durchgesetzt, Heizkraftwerke fänden aber immer noch wenig Zuspruch. Dies konnte auch Bad Wiessees Bürgermeister Peter Höß in Hinblick auf das dort geplante Nahwärmeheizwerk bestätigen.

Die Funktionsweise eines Solarpotenzialkatasters, mit dem die mögliche Effizienz einer Fotovoltaikanlage für jeden Haushalt nach individuellen Bedürfnissen errechnet werden kann, erläuterte der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Ebersberg, Hans Gröbmayr. Die Kosten für die Erstellung eines solchen Katasters für den Landkreis Miesbach lägen bei etwa 30.000 Euro, die Erstellung würde etwa drei Monate dauern, erklärte Veronika Halmbacher, Klimaschutzbeauftragte für den Landkreis, die auch das Klimaschutzkonzept vorstellte.

Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter für Mobilität im Landratsamt Miesbach, legte seinen Finger in die Wunde und wies auf das seit 20 Jahren konstant hohe Verkehrsaufkommen am Tegernsee hin. Er stellte die „Idealvorstellung“ eines Nahverkehrsplanes vor: Ein stark ertüchtigter Schienenverkehr, ein dichtes Linienbusnetz und ein durchdachtes Zubringersystem mit Kleinbussen und Ruftaxen könnten die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel attraktiver machen. Zudem müsse die Schifffahrt stärker als Beförderungsmittel eingebunden werden.

Am Ende gab’s mehrere Beschlussvorschläge: Dazu gehörten die Erstellung eines Solarpotenzialkatasters, die Benennung eines Klimaschutzbeauftragten und die Veröffentlichung des Stromverbrauchs pro Gemeinde. Zudem soll es ein Mobilitätskonzept für das Tegernseer Tal und ein naturnahes, nachhaltiges Tourismuskonzept geben, das der Chef der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), Christian Kausch, präsentierte. Die Verabschiedung in den Gemeinderäten soll noch im Dezember dieses Jahres erfolgen.

Stefan Gernböck

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