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Das Zuntl, ein getrockneter Baumschwamm, wird in der Feuerschale zum Glühen gebracht.

Feiern während Corona-Krise

Bei Familie Maier auf dem Dersch-Hof: Zuntl glühen im Osterfeuer daheim

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Ein Zuntl bringt geweihtes Feuer in den heimischen Ofen. Nach alter Tradition glüht es im großen Osterfeuer. Das fällt wegen der Corona-Krise heuer aus. Auf dem Dersch-Hof glimmen die Zuntl trotzdem.

Rottach-EgernSteffi Maier lässt sich nicht so schnell unterkriegen. „Ich bin offen dafür, dass man auch mal was anders macht“, sagt sie und ist sich da mit ihrem Mann Anton einig. Die Maiers bewirtschaften den Hof Zum Dersch in Ellmau. Das Paar hat vier Töchter: Anna (19), die Zwillinge Sofie und Helena (16) und Antonia (11). Auch die Eltern (76 und 80) von Anton Maier leben auf dem Hof. Die Tradition hat in der Familie einen hohen Stellenwert. Aber wenn’s nötig ist, können die Maiers auch improvisieren. Und ganz sicher lassen sie sich von den Einschränkungen der Corona-Krise ihre Osterfreude und ihre Bräuche nicht nehmen.

Zuntl sind getrocknete Baumschwämme

Die Zuntl gehören für sie dazu. Ein Zuntl, das ist ein getrockneter Baumschwamm. Dass an Ostern das richtige Material im Haus ist, dafür sorgt Almbauer Maier das ganze Jahr über. Entdeckt er einen passenden Baumschwamm, nimmt er ihn mit nach Hause und lässt ihn trocknen. Dem Brauch entsprechend werden die Zuntl beim großen Osterfeuer vor der Osternachts-Messe zum Glühen gebracht. Beim „Zuntl tragen“ bringen junge Burschen die an Drähten steckenden glimmenden Stücke in die Häuser. Dort kommen die Zuntl in den Holzofen, der fortan mit geweihtem Feuer für Wärme sorgt. Es sind die „Palmbuam“, die die Zuntl bringen. Wer am Palmsonntag einen Buschen bekommen hat, kriegt am Ostersonntag ein Zuntl.

Der alte Brauch wird kaum noch ausgeübt. In vielen Häusern gibt es keine Holzöfen mehr. Und die Zuntl sind nicht so einfach zu tragen wie die Palmbuschen. „Mit dem Auto geht’s gar nicht“, weiß Anton Maier. Die glimmenden Zuntl stinken erbärmlich und der Qualm ist im Auto auch nicht auszuhalten. Wer also Zuntl tragen will, muss gut zu Fuß sein. Denn viel Zeit bleibt nicht, wenn ein ordentliches Zuntl in den heimischen Ofen soll. „Es zerfällt ziemlich schnell“, weiß Steffi Maier.

Osterfeuer in der Feuerschale

Die Töchter der Maiers, allesamt Ministrantinnen, haben die Zuntl dennoch in den Vorjahren gut nach Hause gebracht. Diesmal haben sie es bequemer: Die Familie entfacht daheim ein Osterfeuer. „In einer Feuerschale“, berichtet Anton Maier. Das Osterlicht, mit dem sie ihr Feuer entfachen, tragen sie zuvor in einer Laterne nach Hause. „Das kann man sich in der Egerner Kirche holen“, weiß Steffi Maier.

Dort werden auch die Speisen geweiht. Die Gläubigen stellen die traditionellen Körbe mit Osterlamm, Brot, Eiern und Schinken vor dem Altar ab, wo der Pfarrer einen einsamen Segen spendet. Bei den Maiers kommt auch Viehsalz in den Korb. Schließlich brauchen nicht nur die Menschen Schutz.

Die Gottesdienste an Ostern werden die Maiers vermissen. Feiern werden sie das besondere Fest trotzdem. Am späten Karsamstag holt die Familie den Korb mit den geweihten Speisen und das Osterlicht aus der Kirche ab. Dann scharen sich Eltern und Kinder daheim um die Feuerschale, lassen die Zuntl glühen und entzünden dann damit die drei Holzöfen im Haus. Auch Verwandte bekommen Zuntl, wie es der Brauch ist.

Das große Oarscheim muss ausfallen

Aber es wird ein stilleres Fest werden als sonst. Das große „Oarscheim“ auf dem Hof, stets eine Gaudi mit Familie und Freunden in großer Runde, findet heuer nicht statt. „Schade“, meint Anton Maier, will aber nicht klagen. Alle auf dem Hof sind gesund, der Milchbetrieb läuft von der Corona-Krise weitgehend unberührt weiter. Aber die Vermarktung der Tiere sei sehr schwierig geworden, meint der Landwirt. Und die Kutschfahrten, die er sonst anbietet, müssen ausfallen. In Frage stellt Maier die Einschränkungen nicht: „Wir müssen jetzt halt alle aufpassen.“

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