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Der junge Mann hatte keine Aufenthaltsgenehmigung

Frau (63) lässt Kosovare bei sich leben - und landet vor Gericht

Weil sie einen Mann aus dem Kosovo bei sich leben ließ, musste sich jetzt eine Tölzerin (63) vor Gericht verantworten. Der Mann hatte keine Aufenthaltsgenehmigung. Ans Tageslicht kam das bei einer Kontrolle in Rottach-Egern.

Rottach-Egern – Ohne gültige Aufenthaltspapiere wohnte ein Kosovare drei Monate lang bei einer 63-Jährigen in Bad Tölz. Kurze Zeit später wurde er in Rottach-Egern in deren Auto mit einem gefälschten Führerschein erwischt. Weder davon noch von den ungültigen Papieren will die Tölzerin etwas gewusst haben. Dennoch musste sie sich wegen Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt und vorsätzlichem Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis nun vor Gericht verantworten.

Laut ihrer Aussage haben sich die 63-Jährige und der Kosovare 2015 im Urlaub in Montenegro kennengelernt. Die geschiedene Frau und der Arbeitslose standen zwar in einer Beziehung – dass er keine Aufenthaltsgenehmigung besaß, habe er jedoch nie erwähnt, erklärte die Angeklagte vor dem Miesbacher Amtsgericht. Wohl aber, dass er aus dem Kosovo stammt. „Da hätten Sie eigentlich stutzig werden müssen“, meinte Richter Walter Leitner.

Nach seiner Ankunft ist der junge Mann direkt bei der 63-Jährigen in Bad Tölz eingezogen, wo er täglich mit Essen und Trinken versorgt wurde. An der Behauptung der Angeklagten, sie habe ihn erst ab September 2016 beherbergt, kamen zumindest zwischenzeitlich Zweifel auf: Laut seiner Ausweiskarte für ein Holzkirchner Fitnessstudio, ist der Kosovare dort schon seit 2014 Mitglied.

Nach etwa drei Monaten ließ sich der Mann nur noch sporadisch bei der Angeklagten blicken. Bei einem dieser Besuche bat er plötzlich darum, das Auto der Frau benutzen zu dürfen. Erstmalig, denn die Tölzerin hatte ihn bis dato immer chauffiert. „In gutem Gewissen“, so die 63-Jährige, überließ sie ihm das Fahrzeug, ohne sich zu erkundigen, ob er im Besitz eines gültigen Führerscheins war. „Damit haben Sie ihre Kardinalpflicht verletzt“, sagte Leitner. „Wohl auch geblendet von der Beziehung.“

Mit dem Auto fuhr der Kosovare zu einer Tengelmann-Filiale in Rottach-Egern, wo er in eine Polizeikontrolle geriet. Gefragt nach seinen Dokumenten, konnte er nur einen gefälschten slowenischen Führerschein und einen ebenfalls gefälschten slowenischen Ausweis vorlegen. Bei der anschließenden Vernehmung auf der Wiesseer Dienststelle gab er an, die Angeklagte sei seine zukünftige Frau. Eine Verlobung sei zwar diskutiert, aber nie vollzogen worden, versicherte die 63-Jährige später vor Gericht.

Leitner schwächte das Strafmaß zugunsten der Angeklagten ab: weil sie selbst ein Opfer sei – Leitner bezweifelte die ehrlichen Absichten des Kosovaren – und aufgrund ihres sofortigen Geständnisses. „Mit Hilfe eines Anwalts hätten Sie sich vielleicht sogar rausflüchten können“, sagte Leitner. Auf einen Rechtsbeistand hatte die Tölzerin aber verzichtet. Statt eines Betrags von 1600 Euro, wie seitens des Staatsanwalts gefordert, wurde die Angeklagte lediglich zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt.

nw

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