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Übung für den Ernstfall: Thomas Leibig (26) lässt sich zum Bergwachtler ausbilden. In den Bergen unterwegs zu sein, ist auch seine Leidenschaft. Und er schätzt die Kameradschaft. Im Hintergrund: Felix Oswald (r.), Barbara Balk (l.) und Anna Meyer.

Ehrenamtlicher im Interview

Warum bist Du bei der Rottacher Bergwacht? 

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Rottach-Egern - Sich in Gefahr begeben, um andere in den Bergen zu retten – und dabei von Außenstehenden kaum wahrgenommen werden: Bergwachtler haben viel Verantwortung und wenig Ruhm. Warum also Bergwachtler werden?

Thomas Leibig (26) aus Kreuth ist berufstätig, hat eine Freundin, Familie und Kumpels. Langweilig wird dem jungen Mann sicher nicht. Trotzdem steckt er seit November 2014 viel Zeit und Energie in seine dreijährige Ausbildung bei der Bergwacht Rottach-Egern – und zwar aus voller Überzeugung. Im Interview erzählt er, warum.

Sie stecken mitten in der Bergwacht-Ausbildung. Hat man da privat eigentlich überhaupt noch Lust auf Berge?

Thomas Leibig: Sogar mehr als vorher. Durch die Bergwacht habe ich erst das Hochtouren-Gehen kennengelernt. Und ich klettere auch viel.

Erzählen Sie mal: Wie ist das gekommen mit der Bergwacht?

Leibig: Ich bin immer schon oft in die Berge gegangen. Mein Schwippschwager ist bei der Bergwacht und hat mich irgendwann gefragt, ob ich nicht mit zum Bereitschaftsabend gehen will. Und dann bin ich halt mal mit.

Er musste Sie nicht lange überreden?

Leibig: Naja, ehrlich gesagt habe ich mich schon lange geziert. Ich dachte immer, dass eine Mitgliedschaft schon eine große Einschränkung bedeutet.

Und hat sich das bewahrheitet?

Leibig: Man hat halt alle vier Wochen zwei Tage Dienst. Dazu kommen die Ausbildungsabende alle zwei Wochen und der Bereitschaftsabend freitags. Da muss man mit der Frau schon Kompromisse eingehen.

Und trotzdem ziehen Sie’s durch.

Leibig: Ja. Ich bin so gern in der Heimat unterwegs, und ich wollte irgendwas zurückgeben. Die Bergwacht ist eine schöne Institution dafür. Ich weiß vom Skifahren wie wichtig das ist, dass einem am Berg geholfen wird. Außerdem habe ich wahnsinnig viele neue Freundschaften durch die Bergwacht geschlossen. Und die älteren Bergwachtler erzählen oft von alten Steigen, die man dann ausprobieren kann. Es war eine sehr gute Entscheidung.

Man erlebt ja auch einiges, oder?

Leibig: Schon. Ich darf ja selber noch nicht retten, aber wir machen oft Aktionen zur Übung. Zum Beispiel nachts mit Tourenski auf die Sutten. Und ich habe auch schon bei Rettungen zugeschaut.

Man hört ja immer wieder von Wanderern, die sich unvernünftig verhalten und dann die Bergwacht rufen müssen. Ist das nicht ärgerlich?

Leibig: Man muss schon wissen, was man tut in den Bergen. Aber wir helfen natürlich allen. Und manche können sich zum Beispiel eine teure Bergausrüstung auch einfach nicht leisten.

Apropos Kosten: Müssen Sie die Ausbildung selbst bezahlen?

Leibig: Nein, die Prüfungen und so kosten nichts. Und die Einsatzausrüstung wird gestellt. Was ich so an Sportkleidung brauche, würde ich mir ja sowieso privat kaufen.

Was würden Sie sagen: Welches Image hat die Bergwacht?

Leibig: Soll ich ehrlich sein? Von außen betrachtet ist es schon ein Verein, der eher in sich gekehrt ist. Aber sobald man drin ist, merkt man, was für coole Leute das sind.

Was war bisher Ihr eindrücklichstes Erlebnis?

Leibig: Im Sommer 2015 hat sich ein älteres Ehepaar beim Wandern an der Ableitenalm verloren. Die Frau hat sich verirrt, wir haben sie erst am späten Abend gefunden. Als wir dem Mann seine Frau zurückgebracht haben, ist er uns vor Dankbarkeit um den Hals gefallen. Das war schön. Zu sehen, wie die Verzweiflung von ihm abfällt.

Die Rottacher Bergwacht - Zahlen und Fakten

  • Die Bergwacht Rottach-Egern hat derzeit 100 Mitglieder – 92 Männer und acht Frauen. 13 Anwärter befinden sich momentan in Ausbildung. Vier Aktive sind auch Notärzte.
  • 2015 wurden die Bergwachtler zu 216 Einsätzen gerufen. Das sind 62 mehr als im Vorjahr. In der Winterphase hatte die Bergwacht mehr Einsätze am Wochenende, im Sommer wurden die Helfer eher unter der Woche gerufen. 
  • Die Verunglückten wiesen vor allem orthopädische Verletzungen auf. Die Zahl der internistischen Notfälle ist gesunken. 
  • Während der Winter eher ruhig verlief, hatte die Bergwacht durch den schönen Sommer und Herbst alle Hände voll zu tun. Zu den spektakulärsten Einsätzen gehörte die Rettung eines Münchners bei Unwetter aus der Wolfsschlucht. Außerdem wurden die Retter zu einigen Mountainbike-Unfällen gerufen.
  • Weil es im Tegernseer Tal an First Respondern, also ausgebildeten Ersthelfern fehlt, hat die Zahl der Landrettungseinsätze (Einsätze im Tal) zugenommen.

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