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Mit einer Seilbahn wird der Verletzte ins Tal befördert.

Einsatz war zum Glück nur eine Übung

Höhlenrettung am Tegernsee: Bergwacht probt den Ernstfall

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Rottach-Egern - Rettungsaktion am Tegernsee: Ein Höhlengeher ist verletzt, Spezialisten müssen ihn befreien. Ein schlimmes Szenario - doch die Bergwacht Rottach-Egern hat's zum Glück nur geprobt.

Felix Oswald (43), Einsatzleiter der Bergwacht Rottach-Egern, erreicht um 9.30 Uhr eine Alarmierung: Ein Mann soll in einer Höhle eingeklemmt sein. Oswald setzt die Höhlenrettungsgruppe der Bergwacht Bayern, ansässig in Samerberg (Kreis Rosenheim), in Gang. Dazu 13 Bergwachtler aus Rottach-Egern, zwei Höhenretter, die auf den Aufbau einer Seilbahn spezialisiert sind sowie einen Funkspezialisten, der den Aufbau eines mobilen Funkmasten übernehmen wird. Gegen 10 Uhr trifft das Team vor Ort im unzugänglichen, von schroffen Felsen geprägten Gelände ein. Nach einer Lagebesprechung dringt einer der Retter in die Höhle vor. Sie ist rund 150 Meter lang, bohrt sich wie ein waagrechter, dunkler Schacht in den Berg hinein. Teils gebückt, teils mit angelegten Armen, presst, zwängt und robbt sich der Retter immer tiefer in den Schacht hinein. Dann hat er den Verletzten erreicht und schafft ihn vorsichtig zurück ins Freie. Dort haben die Rottacher bereits eine 200 Meter lange Seilbahn zum Transport aufgebaut. Gegen 14 Uhr wird der verletzte Höhlengeher mit dieser Seilbahn, die zwischen hohen Bäumen verankert ist, ins Tal transportiert. Das Opfer liegt in einer Rettungstrage und wird langsam, Meter für Meter und begleitet von einem Retter, nach unten befördert und dort einem Notarzt übergeben. Sechs Stunden nach der Alarmierung ist fast alles geschafft: Die Seilbahn kann wieder abgebaut, das benötigte Material – ein Höhlentelefon, extrem lange Seile, Lampen und Bohrer – ins Tal gebracht werden. 

Retter vor Ort im schroffen Gelände.

„Alle haben sehr diszipliniert und erfolgreich gearbeitet“, lobt Felix Oswald seine Rettungs-Mannschaft, für die diese Übung absolutes Neuland war. Noch nie zuvor hat es im Tal eine Übung zur Rettung aus einer Höhle für die 65 Aktiven der insgesamt 105 Mitglieder starken Rottacher Bergwacht gegeben. Und das, obwohl sich im Einsatzgebiet, das rings um den See und bis zum Achenpass reicht, über zehn Höhlen befinden. In einer dieser Höhlen fand die Übung statt. Wo genau sie liegt, will der Einsatzleiter nicht sagen. „Wir wollen den Höhlentourismus schließlich nicht ankurbeln“, sagt Oswald. Sogenannten GPS-Schnitzeljägern seien sie bekannt. 

Alteingesessenen Bergwacht-Kameraden ebenso. Und so hatte Thomas Doreth, seit über 20 Jahren bei der Bergwacht Rottach-Egern aktiv, die Höhlenrettung initiiert. Ein „Opfer“ musste gefunden werden, das bereit war, über fünf Stunden bei Dunkelheit in der Höhle bis zur „Rettung“ auszuharren. Bereits 90 Minuten vor der Alarmierung nahm der 20-Jährige aus dem Raum Rosenheim seinen Platz dort ein.

 „Die Übung hat allen Teilnehmern viel gebracht und auch Spaß gemacht“, zieht Oswald Bilanz. Die Atmosphäre sei relativ entspannt gewesen, „was bei einem ganz realen Einsatz natürlich komplett anders wäre.“

 Dass eine Höhlenrettung in Realität nie von den Rottacher Bergwachtlern verlangt wird, hofft der Einsatzleiter sehr. Zu nah sind die Erinnerungen an die bisher spektakulärste Rettungsaktion Bayerns in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden. Zwölf Tage lang dauerte diese Rettung im Juni 2014, 728 Helfer aus fünf Nationen waren damals im Einsatz, die Kosten beliefen sich auf rund 960 000 Euro. 

Vier bis sechs Übungen in allen Bereichen absolvieren die Rottacher Aktiven jedes Jahr. Die Höhlenrettungs-Übung, glaubt Oswald, habe neugierig auf eine Erweiterung des Spektrums gemacht. Und sie hat auch den Bergwacht-Nachwuchs angespornt, der sich ohnehin im Aufwind befindet: Acht Mitglieder der neuen Jugendgruppe trafen sich erstmals am Rande der Höhlenrettung zu einer Übung. Sie spielten allerdings ein anderes Szenario unter Aufsicht eines erfahrenen Kollegen durch.

gr

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