Betrugsversuch um Erbe endet vor Gericht

Rottacherin war hinter dem Geld ihres toten Lebensgefährten her

Das Auto wollte sie wohl verkaufen, das Geld vom Konto mit der Kreditkarte abheben: Obwohl eine 56-Jährige Rottacherin nach dem Tod ihres Lebensgefährten nichts erbte, wollte sie sich an seinem Vermögen bereichern.

Rottach-Egern – Das Erbe eines Verstorbenen gehört nicht automatisch der Lebensgefährtin. Das schien einer 58-jährigen Rottacherin egal zu sein. Wegen Betrugs saß sie deshalb nun gemeinsam mit ihrem Bruder – ein 56 Jahre alter Grünwalder – und einem 82-jährigen Rottacher auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts.

Der Lebensgefährte (66) der Angeklagten verstarb im Mai 2014. Da er der Rottacherin immer wieder Geld und andere Dinge geschenkt hatte, war diese wohl der Überzeugung, Alleinerbin seines Vermögens zu sein. Kinder oder Angehörige des Verstorbenen, die hätten erben können, gab es nicht. Einen Tag nach dem Tod des 66-Jährigen soll sie ihren Bruder und einen 82-jährigen Rottacher angeheuert haben, bei einem Freund ihres Lebensgefährten anzurufen, damit der den BMW X5 des Toten von Bodenmais in Niederbayern, wo der Verstorbene lebte, nach Rottach-Egern bringt. Anspruch auf den Wagen hatte die Beschuldigte keinen – ganz im Gegensatz zu dem 50-jährigen aus Bodenmais. Er hatte mit dem Verstorbenen zusammen gewohnt und dem psychisch labilen 66-Jährigen bei den täglichen Aufgaben geholfen. Dem 50-Jährigen vermachte der Tote sein ganzes Erbe.

Gegenüber der Polizei gibt die Lebensgefährtin zu, das Auto verkaufen zu wollen

Zum Zeitpunkt des Anrufs – es war der Tag, nachdem der 66-Jährige gestorben war – wusste der Bodenmaiser noch nichts vom Tod seines Freundes. „Die zwei, die mich angerufen haben und sich beide als Brüder der Lebensgefährtin ausgegeben haben, sagten zu mir nur, dass mein Freund krank ist und deshalb nicht mit mir sprechen kann“, erklärte der Erbe vor Gericht. „Als ich dann selbst mit ihm sprechen wollte, sagten sie zu mir, dass er so verschnupft ist, dass er nicht sprechen kann.“ Erst als der 50-Jährige trotz mehrer Anrufe das Auto mit dem damaligen Wert von rund 40 000 bis 50 000 Euro nicht herausrücken wollte, erzählte ihm der Bruder der Rottacherin von dessen Tod.

Vor Gericht wiesen der Grünwalder und der Rottacher jede Schuld von sich und sprachen nur davon, der Mitangeklagten einen Gefallen getan zu haben. Da die 56-Jährige jedoch nicht einmal einen Führerschein besitzt, kam der besagte Gefallen Amtsrichter Walter Leitner komisch vor. Wie sich während der rund dreistündigen Verhandlung herausstellte, gab die Rottacherin damals gegenüber der Polizei zu, das Auto verkaufen zu wollen. Damit schien klar: Sie wollte einen finanziellen Vorteil aus dem Ableben ihres Lebensgefährten ziehen. Angaben machte die Rottacherin während der gesamten Verhandlung keine.

Richter Leitner: „Da kommt man eigentlich vor lauter Heulen nicht raus.“

Das war aber nicht alles: Am Tag, nachdem ihr Lebensgefährte gestorben war, ging die 58-Jährige mit ihrem Bruder und der Kreditkarte des Verstorbenen zur Bank und wollte Geld abheben. 2000 Euro. Das Wochenlimit war allerdings auf 1500 Euro begrenzt, 1410 Euro waren vom Verstorbenen selbst schon abgehoben worden. So blieben für die Rottacherin nur 90 Euro übrig. „Ich wollte meiner Schwester nur helfen, weil sie sich mit den technischen Geräten nicht so gut auskennt“, meinte der Grünwalder als Begründung vor Gericht, wieso er mit zur Bank gefahren war.

Für Gericht und Staatsanwaltschaft nichts weiter als eine Lüge. „Wie man Geld abhebt, weiß heutzutage jeder“, sagte Staatsanwalt Moker. Versuchter Betrug und Computer-Betrug lautete am Ende das Urteil für die Geschwister. Leitner verurteilte die Rottacherin zu einer Geldstrafe von 230 Tagessätzen à 15 Euro, den Grünwalder zu 110 Tagessätzen à 30 Euro. Der 82-jährige Rottacher kam wegen Betrugs in Mittäterschaft glimpflicher davon: 90 Tagessätze zu je 15 Euro. Der Rottacherin gab Amtsrichter Leitner noch zu bedenken: „Wenn der Lebensgefährte verstirbt, versucht man nicht, am nächsten Tag an sein Auto zu kommen. Da liegt man eigentlich im Bett und kommt vor lauter Heulen nicht raus.“

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

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