+
Kampf für die nächste Generation: Gastwirt Josef Bogner hat das Thema Bodenrichtwerte zum Thema eines Dorfgesprächs gemacht.

Interview mit Josef Bogner 

Bodenpreise: „Das gleicht einer stillen Enteignung“

  • schließen

Als Bürgermeisterkandidat hatte Josef Bogner (58) erstmals zum Dorfgespräch eingeladen.  Bogner ist Wirt geblieben, zum Dorfgespräch hat er jetzt  trotzdem eingeladen. Thema: Bodenrichtwerte.

Rottach-Egern – Etwa 100 Gäste kamen zum Dorfgespräch in den Voitlhof der Familie Bogner. Bogner hatte gemeinsam mit Andreas Niedermaier eingeladen. Es ging um das Thema Bodenrichtwerte - und was die Explosion der Grundstückspreise für die Einheimischen bedeutet. 

-Herr Bogner, Sie haben Ihre Idee Dorfgespräch wiederbelebt. Warum?

Es gibt eine Menge Themen, die öffentlich auf den Tisch gehören. Ich habe auch zum Schluss des Wahlkampfs damals gesagt, wir machen das weiter. Das Dorfgespräch jetzt habe ich gemeinsam mit Andreas Niedermaier organisiert. Eigentlich war es ja kein Gespräch, sondern eine Faktendarstellung zum Thema Bodenrichtwerte und Erbschaftssteuer. Wir denken, es hat vielen die Augen geöffnet. Es hat uns gefreut, dass auch Bürgermeister Christian Köck gekommen ist.

-Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz?

Mehr als zufrieden. Dass so viele gekommen sind, gut 100 Leute, hat uns überrascht. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir ins Seeforum gegangen. Bei uns im Voitlhof haben wir für so viele eigentlich nicht die passenden Räume. Etliche sind im Hausgang gestanden, damit sie alles verstehen.

-Warum ist Ihnen das Thema Bodenrichtwerte so wichtig?

Weil wir Vorausdenker sind. Wir haben die kommenden Generationen im Blick. Wenn man Sylt beobachtet, wo die Einheimischen fast alle verdrängt wurden, dann wird klar, dass die das übersehen haben. Und wir sind auf dem besten Weg dahin, wenn nicht schon mittendrin. Es ist Wahnsinn, wie rasant die Grundstückspreise nach oben geschossen sind. Wir hatten einen Fachmann da, der das dargestellt hat. In Rottach ist vor Kurzem ein Grundstück in bester Lage für über 15 Millionen Euro verkauft worden. Für alle, die in diesen guten Lagen als Einheimische zufällig daheim sind, schnellt der Bodenrichtwert in die Höhe. Schön für die, die deshalb verkaufen wollen. Aber gar nicht schön für alle, die nur ihre Heimat erhalten, hier leben und arbeiten wollen. Viele Zuhörer hatten sich darüber noch gar Gedanken gemacht und waren schockiert.

-Wegen der Erbschaftssteuer?

Die gleicht einer stillen Enteignung. Wir hier in Oberbayern sind die Leidtragenden, weil die Bodenrichtwerte Grundlage der Besteuerung sind. Die Freibeträge reichen da einfach nicht. Wenn wir zum Beispiel einem Kind unser Privathaus an der Wolfsgrubstraße mit sechs Wohnungen jetzt überschreiben würden – bei einem Marktwert von 2,3 Millionen Euro –, bliebe ein zu versteuernder Erbanteil von einer Million Euro. Da wären wir dann schnell im sechsstelligen Bereich für die Erbschaftssteuer. Für eine Sache, die man mit versteuertem Geld, viel Eigenleistung und dem Stolz, dies alles zu erhalten, über Jahrzehnte aufgebaut hat. Das kann sich wohl keiner mehr leisten.

-Was ist Ihre Forderung an die Politik?

Die Erbschaftssteuer auf Grund und Boden muss weg. Es ist doch auch kurios: Wenn meine Frau und ich unser Haus selbst verkaufen, ist das privat und steuerfrei. Auch in der Landwirtschaft ist es so, dass im Erbfall Wohn- und Betriebsgebäude weitgehend steuerfrei bleiben, sofern es nicht innerhalb einer bestimmten Frist verkauft wird. Wir appellieren an alle, bei den Politikern eine Veränderung der jetzigen Regelung einzufordern. Leute, werdet wach und lasst Euch das nicht gefallen! Gerade jetzt, wo die großen Parteien bei der Wahl alle eins mitgekriegt haben, besteht die Chance, dass wir etwas ändern können.

-Wird es wieder mal ein Dorfgespräch geben?

Auf jeden Fall. Es ist einfach wichtig, aktuelle Entwicklungen unabhängig von der Parteipolitik zum Thema zu machen. In Sachen Bodenrichtwerte wollten wir die Leute wachrütteln. Wir denken, das ist gut angekommen. Nach dem Dorfgespräch haben sich viele bei uns bedankt – weil sie erkannt haben, dass sie das Ganze sehr betrifft.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen nach doppelter Sperrung wieder frei
Die BOB- und S-Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen ist aufgrund eines Polizeieinsatzes erneut komplett gesperrt. Zum zweiten Mal an diesem Montag.
Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Deisenhofen nach doppelter Sperrung wieder frei
Frühsommer vorbei? Amtliche Warnung vor starken Gewittern in der Region
Nach dem Sommer-Wochenende schlägt das April-Wetter wieder zu: Ab dem Nachmittag wird es ungemütlich in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Der DWD …
Frühsommer vorbei? Amtliche Warnung vor starken Gewittern in der Region
Unfall auf B318: Wiesseer (56) fährt gegen Baum
Auto gegen Baum: Diese Nachricht lässt meist Schlimmes vermuten. Genau so ein Unfall hat sich am Sonntagnachmittag in Bad Wiessee ereignet. 
Unfall auf B318: Wiesseer (56) fährt gegen Baum
Herzogliches Brauhaus für Maximilian ausgezeichnet
Der Gasthof Herzog Maximilian in Gmund gilt der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) als Lichtblick. Mit dem gleichnamigen Preis zeichnete sie die Herzogliche …
Herzogliches Brauhaus für Maximilian ausgezeichnet

Kommentare