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Verhandlung wegen Randale im Moschner: Bodycam-Video zeigt ausfälliges Verhalten

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 Amtsgericht Miesbach
Die Verhandlung am Amtsgericht geht weiter. © Archiv Andreas Leder

Eine Münchnerin (36) soll an Heiligabend 2019 im Weinhaus Moschner wegen einer gestohlenen Jacke randaliert haben. Vor Gericht wurde eine Bodycam ausgewertet.

Rottach-Egern/Miesbach – Freispruch oder ein Jahr auf Bewährung? Diese Frage steht bei einem Prozess am Amtsgericht Miesbach im Raum. Angeklagt ist eine heute 36-jährige Frau aus München, die an Heiligabend 2019 im Rottacher Weinlokal Moschner auf der Suche nach ihrer vermeintlich gestohlenen Jacke zuerst randaliert und dabei einen Türsteher mit einem Faustschlag aufs linke Auge verletzt haben soll, auch durch die Polizei nicht beruhigt werden konnte und schließlich im Arrest landete.

Angeklagte kommt auch am fünften Prozesstag nicht

Auch am fünften Prozesstag, der eigentlich der letzte sein sollte, erschien die Angeklagte nicht, obwohl die Staatsanwältin bereits mehrfach klargemacht hatte, dass sie die persönliche Befragung für unerlässlich hält. Das Gericht wies ihren Antrag auf Vorführung schließlich ab. Die Anregung von Verteidiger Kevin Rebentrost, ein weiteres Rechtsgespräch zu diesem Punkt zu führen, lehnte Richter Walter Leitner ab. Die Positionen seien offensichtlich so weit voneinander entfernt „wie der Mond von der Sonne“. Deshalb sei ohnehin zu erwarten, dass das Verfahren mit einem Urteil am Amtsgericht nicht zu Ende sei, sondern vor dem Landgericht München II in Berufung gehe. Dort müsse die Angeklagte dann persönlich aussagen.

Video von Polizei-Bodycam gesichtet

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde das Video einer Bodycam gesichtet, mit der einer der Polizisten die Vorgänge auf der Wiesseer Dienststelle dokumentiert hatte. Dabei zeigte sich, dass die Angeklagte insgesamt sechs Mal ausfällig geworden war. Es sei die einzige Möglichkeit seiner mit Handschellen gefesselten Mandantin gewesen, sich gegen eine als rechtswidrig empfundene Situation zur Wehr zu setzen, rechtfertigte Rebentrost. Von ihrer massiven Gegenwehr, die die Beamten geschildert hatten, habe er in der Aufzeichnung nicht viel erkennen können.

Neben einer bereits geleisteten Wiedergutmachung in Höhe von 300 Euro an die Bayerische Polizeistiftung sei auch ein Ausgleich mit dem verletzten Türsteher zustande gekommen, erklärte der Anwalt. In einem Telefonat habe man sich auf ein Schmerzensgeld von 400 Euro geeinigt, der Miesbacher habe eine Entschuldigung akzeptiert.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Vorwürfe gegen die Münchnerin hätten sich weitgehend bestätigt, hieß es schließlich im Plädoyer der Staatsanwältin. Statt Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen, habe sie im Lokal wie später auch der Polizei gegenüber „in ihrem Selbstmitleid gebadet, um sich ihre Opferrolle zu bestätigen“. Ein Belastungseifer durch die Zeugen sei nicht erkennbar. Sie forderte ein Jahr auf Bewährung und eine Geldstrafe, was der Verteidiger in seinem rund zweistündigen Schlussvortrag als „völlig überzogen“ bezeichnete. Er sah das Fehlverhalten vielmehr aufseiten der Zeugen. Diese hätten oft widersprüchlich und falsch ausgesagt, um eigene Fehler zu vertuschen und strafrechtliche Folgen abzuwenden. Seine Mandantin sei das Opfer einer Vielzahl rechtswidriger Maßnahmen geworden. Als Konsequenz plädierte Rebentrost auf Freispruch. Das Urteil soll am Dienstag fallen.

Stefan Gernböck

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