Beim Ortstermin stellte Josef Stadler (M.) seine Pläne vor. Den Ausschuss überzeugte er nicht. Nur Bürgermeister Christian Köck (l. neben Stadler) befürwortete das Vorhaben. Foto: Thomas Plettenberg

Bauausschuss lehnt Pläne ab 

Breite Front gegen Stadlers Riesen-Stall

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Um seinen Hof in die Zukunft zu führen, plant Josef Stadler mitten einen Stall, der allen Vorgaben genügt. Er wird ziemlich groß. Zu groß, findet der Bauausschuss. Er hat der Familie eine klare Abfuhr erteilt. 

Rottach-Egern – Vielleicht wäre alles einfacher, wenn Anastasia Stadler nicht CSU-Gemeinderätin wäre und ihr Ehemann Josef nicht Kommandant der Feuerwehr. Wenn die Familie nicht so präsent wäre im Ort und ihr Gästehaus weniger erfolgreich. Wie bedeutsam das ist, sprach Johanna Ecker-Schotte (FWG) beim Ortstermin an Stadlers Kuhweide klar aus. Sie wolle an die Ehefrau, beziehungsweise Mutter des Bauwerbers appellieren, wandte sie sich an Anastasia Stadler, die stumm neben Ehemann und Sohn stand. „Du bist doch auch gegen die Bauwut aufgestanden, Anastasia“, erinnerte Ecker-Schotte. Wenn die Familie nun ein solches „Wahnsinnsobjekt“ hinstelle, werde das Nachahmer finden.

Auch Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Ihr habt einen Super-Gästebetrieb, da muss die Landwirtschaft nicht so sein, dass sie sich rentiert.“ Und sei der Gemeinderat vor Jahren nicht schon über seinen Schatten gesprungen und habe den Stadlers ein Wohnhaus genehmigt? Dieses stehe jetzt einem Anbau des alten Stalls im Weg. „Und ich hatte mich dafür noch eingesetzt“, grollte Lang.

Inmitten all der Anwürfe blieb Josef Stadler gelassen. Für seine Familie geht es um viel. „Entweder wir machen innerhalb der nächsten vier Jahre was, oder in fünf Jahren gibt es uns nicht mehr“, erklärte der Landwirt. Gemeinsam mit seinem Sohn, der den gleichen Namen trägt und den Hof übernehmen wird, stellte er die Planung für einen Milchvieh-Laufstall mit Bergehalle und Schauraum vor. Die Maße: 57 auf 36,5 Meter. Der Stall ist für 27 Kühe ausgelegt. Weil die ihre Hörner behalten dürfen, ist der Platzbedarf hoch. Damit das Gebäude ins Ortsbild passt, lässt Stadler nicht das übliche Modul aufstellen, sondern plant mit Holz-Fassade und Fenstern. „Die Gestaltung ist vorbildlich und hochwertig“, lobte Bauamtsleiterin Christine Obermüller den Entwurf. Die Mehrkosten im Vergleich zum Standard-Modell betragen rund 200 000 Euro.

Die Gestaltung war im Bauausschuss aber nicht das Thema. Das Gebäude sei doppelt so groß wie der Bestand, erklärte Thomas Tomaschek (Grüne): „Das geht eindeutig in die falsche Richtung.“ Josef Kaiser (CSU) erinnerte daran, dass es das erklärte Ziel der Gemeinde sei, Grünflächen im Ort nicht zu verbauen: „Darum liegt es vielen im Magen, wenn wir hier in der Mitte einen Riesenbaukörper zulassen.“ Überdimensioniert sei der Bau, urteilte Lang. „Das greift massiv in die Ortsplanung ein.“

Nach Ansicht der Genehmigungs-Behörden ist die Dimension des Laufstalls gerade richtig, wie Bauamtsleiterin Obermüller deutlich machte. Es handelt sich um ein privilegiertes Bauvorhaben, mit dem Amt für Landwirtschaft abgestimmt. Heißt: Stimmt die Gemeinde nicht zu, wird der Bau wohl trotzdem genehmigt. „Warum reden wir dann überhaupt?“, raunten sich die Mitglieder des Bauausschusses zu. Aber so ganz unbedeutend ist die Ansicht der Gemeinde dann doch nicht. Er halte es für wichtig, keine grundsätzliche Ablehnung in den Raum zu stellen, meinte Bürgermeister Christian Köck (CSU). Er selbst war im Ausschuss der einzige Befürworter des Neubaus. Die Gemeinde müsse der Landwirtschaft Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen, betonte Köck. Laufställe seien jetzt Pflicht. „Das haben nicht unsere Landwirte erfunden.“ Die Stadlers hätten sich auch viele Gedanken gemacht, um etwas zu planen, was in die Region passt.

Am Ende der Debatte im Rathaus, die auf den Ortstermin folgte, stand dann doch eine klare Abfuhr. Lang hätte die Abstimmung gerne vertagt und die Entscheidung dem Gesamt-Gemeinderat bei seiner Sitzung am 18. September überlassen. Doch dafür reichte die Zeit nicht, wie Obermüller erläuterte. Liegt bis zum 16. September keine Entscheidung vor, gilt der Antrag als befürwortet. Das wollte der Ausschuss nicht. Nur Köck hob die Hand für den Laufstall, die anderen Mitglieder des Gremiums lehnten ab.

Obermüller rechnet damit, dass Stadler die Genehmigung dennoch erhält. Auf die Schnelle wird der Neubau nicht entstehen. Stadler selbst rechnet damit, in etwa zwei Jahren zu bauen. Was mit dem alten Stall passiert, ist noch offen. Aber eines sei sicher, sagt Stadler: „Das werden keine Eigentumswohnungen, die meistbietend verkauft werden.“

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