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Wegen Putin-Oligarch im Ort: Bürgermeister mit Hassmails terrorisiert

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Von: Gabi Werner

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Dass Oligarch und Putin-Freund Alischer Usmanow Rottach-Egern zu seiner Wahlheimat erkoren hat, beschert dem Ort am Tegernsee Medienrummel. Der Bürgermeister erhält inzwischen Hass-Mails.

Rottach-Egern – Schon kurz nach Kriegsbeginn soll Alischer Usmanow den Tegernsee verlassen haben. Seither stehen die Villen des Oligarchen und engem Putin-Vertrauten am Rottacher Seeufer leer. Das Thema „Rottach-Egern und der Oligarch“ hat viel Staub aufgewirbelt – vor allem Bürgermeister Christian Köck (CSU) ist in den Fokus der Medien geraten.

Einige Aussagen hatten ihm die Bezeichnung „Oligarchen-Freund“ eingebracht – und noch viel Schlimmeres. Wie konnte es soweit kommen? Wie steht der 50-jährige Rathaus-Chef tatsächlich zu dem Thema? Wir haben nachgefragt.

„Werde dazu aufgefordert, mit Putin ins Bett zu steigen“: Rottachs Bürgermeister wird wegen seines Oligarchen-Einwohners Usmanow bedroht.
„Werde dazu aufgefordert, mit Putin ins Bett zu steigen“: Rottachs Bürgermeister wird wegen seines Oligarchen-Einwohners Usmanow bedroht. © tp/dpa/Imago

Oligarchen am Tegernsee: Rottach-Egern im Fokus der Medien

Herr Köck, der Mitbürger Alischer Usmanow hat Ihnen und Rottach-Egern deutschlandweite Medien-Präsenz beschert. Wie geht es Ihnen damit?

Als Gemeinde sind wir nicht stolz darauf, dass so jemand bei uns seine zweite Heimat gefunden hat.

Christian Köck, Bürgermeister von Rottach-Egern, über Oligarch Alischer Usmanow

Christian Köck: Es ist sehr schwierig momentan. Als Gemeinde sind wir nicht stolz darauf, dass so jemand bei uns seine zweite Heimat gefunden hat. Das Thema hat sehr viele Fragen aufgeworfen, die Oligarchen sind derzeit eben im Fokus aller Medien. Gerade in einer kleinen Gemeinde wie Rottach-Egern, die als ländliche Idylle gilt, ruft so etwas ein besonders starkes Interesse der Medien hervor.

Oligarchen am Tegernsee: Bürgermeister betont - „Bin weiß Gott kein Usmanow-Unterstützer“

In manchen Beiträgen schien es, als würden Sie den Protest gegen Usmanow in Ihrem Ort nicht gutheißen. Sie sprachen einmal sogar von einer „Hetzjagd“. Was sagen Sie dazu?

Christian Köck: Es war wohl problematisch, dieses Wort überhaupt in den Mund zu nehmen. Das würde ich nach den Erfahrungen der letzten Wochen wohl nicht noch einmal so formulieren. Es ist leider so, dass Äußerungen von Amtsinhabern auf die Goldwaage gelegt werden. Ich bin weiß Gott kein Unterstützer Usmanows oder gar Putins.

Christian Köck, Bürgermeister von Rottach-Egern
Christian Köck, Bürgermeister von Rottach-Egern © Thomas Plettenberg

Was hat Sie denn zu dem Wort „Hetzjagd“ veranlasst?

Christian Köck: Die damals geplante Demo sollte vor dem Anwesen Usmanows stattfinden. Aber wo führt denn das hin? Dann steht künftig jeder vor dem Haus eines Politikers, der sich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Ich habe mir außerdem Sorgen um die Sicherheit der Leute gemacht, bei der Demo waren ja auch Frauen und Kinder mit dabei. Ich möchte Usmanow keinesfalls schonen, er zählt zum engen Kreis der Putin-Vertrauten, aber die Zeit des Haberfeldtreibens ist vorbei.

Oligarchen am Tegernsee: Bürgermeister bekommt Hass-Mails

Das sehen offenbar nicht alle so. Sie haben nach Ihren Fernseh-Auftritten sogar Droh-Mails erhalten, heißt es.

Christian Köck: Ja, gerade habe ich wieder zwei solche Mails herausgefischt. Da werden wir in der Gemeinde als „Oligarchen-Huren“ bezeichnet. Ich persönlich werde dazu aufgefordert, meine Konten offenzulegen und mit Putin ins Bett zu steigen. Das ist schon sehr befremdlich, mit Sachlichkeit hat das alles nichts mehr zu tun.

Ich persönlich werde dazu aufgefordert, meine Konten offen zu legen und mit Putin ins Bett zu steigen.

Bürgermeister Köck über Hass-Mails, die ihn wegen Oligarch Usmanow erreichen.

Wie präsent ist das Thema derzeit im Ort? Kommen auch aus dem Kreis Ihrer Bürger Anfeindungen?

Christian Köck: Es gibt einige Leute, die insgeheim gewissen Stimmungen aufgebaut haben. Aus dem Ort selber kommen aber keine Anfeindungen gegen den Bürgermeister und die Gemeinde. Die E-Mails stammen meist von überregionalen Absendern, wenn sie sich überhaupt zu erkennen geben. Aus dem Tal selbst habe ich zuletzt eigentlich viel Zuspruch, Aufmunterung und Anerkennung für meine bisherige Arbeit erfahren.

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Man merkt, dass Ihnen die Sache ganz schön an die Nieren geht.

Oligarchen am Tegernsee: „Gab noch nie einen persönlichen Kontakt zu Usmanow“

Christian Köck: Klar, als Bürgermeister muss man was aushalten können. In manchen Beiträgen ist aber eine Schärfe enthalten, die nicht mehr nachzuvollziehen ist. Da geht es um unterschwellige Vorwürfe bis hin zur Bestechlichkeit. Und dabei konzentriert man sich auch speziell auf meine Person.

Immer wieder wird Ihrem Ort auch angekreidet, dass er ja vom Reichtum des Oligarchen profitiert.

Christian Köck: Herr Usmanow hat in Rottach-Egern offenbar drei Anwesen. Damit zahlt er Zweitwohnungssteuer, die in diesem Jahr 35.000 Euro betragen wird. Ich finde, das ist überschaubar. Ansonsten profitiert die Gemeinde nicht von dem Geld Usmanows. Aber ich habe allen Ernstes kürzlich die Anfrage eines großen Mediums erhalten, wie lange der CSU-Ortsverband bereits von Herrn Usmanow unterstützt wird. Ich kann dazu nur sagen: Es gab noch nie einen persönlichen Kontakt zu Usmanow, es ist noch nie ein Cent an die Gemeinde oder die CSU geflossen. Solche Vorwürfe sind schlichtweg ins Reich der Fabeln zu verweisen. Auch was mögliche Sanktionen gegen die Oligarchen betrifft, haben wir als Gemeinde keinerlei Handhabe.

Oligarchen am Tegernsee: „Gefühlt in den letzten Wochen kein anderes Thema mehr gegeben“

Das Thema „Der Oligarch und Rottach-Egern“ hat sich zuletzt beharrlich in den Schlagzeilen gehalten. Lässt das Interesse allmählich nach?

Christian Köck: Ich habe jetzt noch eine Presseanfrage vorliegen – ich hoffe, dass das Thema dann erst einmal erledigt ist. Gefühlt hat es in den letzten Wochen kein anderes Thema mehr gegeben. Dabei sind wir gerade vorrangig damit beschäftigt, Strukturen aufzubauen, um den Geflüchteten bestmöglich zu helfen. Das hat für mich derzeit absolute Priorität. gab

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