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Kürzere Wege zu den Beratern: Die Caritas hat am Freitag ihr Beratungszentrum in Rottach-Egern eingeweiht. Im Bild erläutert Heidi Sachs den Gästen die Schuldnerberatung. 

„Wir haben keine Welt“

Caritas eröffnet Beratungszentrum - Bedarf ist hoch

Noch näher dran an den Hilfesuchenden im Tegernseer Tal ist ab sofort die Caritas. Am Freitag hat der Verband in Rottach-Egern ein Beratungszentrum eröffnet. Der Bedarf ist da und sogar steigend.

Rottach-Egern – „Es wäre schöner, wenn wir keinen Bedarf hätten“, sagte gestern Rottach-Egerns Vize-Bürgermeister Josef Lang. „Aber wir haben keine heile Welt und sind froh, dass das Caritas Zentrum jetzt da ist.“ Weil die Anzahl der zu Betreuenden im Tegernseer Tal und Waakirchen gestiegen, und die Verkehrsanbindung nach Miesbach schlecht ist, hat die Caritas die Gelegenheit ergriffen, die leerstehenden Räume, in denen zuletzt das Mehrgenerationenhaus ansässig war, für ihre Beratungsangebote zu nutzen – als Außenstelle des Beratungszentrums Miesbach.

Ab sofort finden in Rottach-Egern die Soziale Beratung, die Schuldner- und Insolvenzberatung und die Ehrenamtskoordination Asyl statt. Zudem sind die Fach-ambulanz bei Suchtproblemen und die Beratungsstelle für psychische Gesundheit vor Ort.

Der Bedarf ist da: Während es 2013 keine 700 Bürger aus dem Tegernseer Tal waren, die eine Caritas-Beratung in Anspruch nahmen, waren es 2015 schon 996 und im Jahr darauf 1300. „Die Tendenz ist steigend“, erklärte Beate Haslinger-Naß, Geschäftsführerin des Caritas-Zentrums Miesbach. Ihre Kolleginnen von den Fachdiensten stellten die einzelnen Bereiche vor. Es ergab sich folgendes Bild: Von den 2016 geführten 346 Beratungsgesprächen in der allgemeinen Sozialen Beratung handelte es sich bei 55 um Gespräche mit Bürgern aus dem Tegernseer Tal, die sich ratlos, hilflos oder überfordert fühlten. Circa 340 Personen suchen jedes Jahr die Schuldnerberatung auf, und fast 24 Prozent entfallen dabei auf Tal-Bewohner, oftmals alleinerziehende Mütter oder Senioren. Auch junge Leute können die Caritas-Beratung in Anspruch nehmen, etwa indem sie präventiv den Finanzführerschein machen. Die Angebote sind kostenlos, unabhängig von Konfession oder Nationalität, und die Berater unterliegen der Schweigepflicht.

Im Rahmen der Ehrenamtskoordination Asyl werden nicht nur Flüchtlinge unterstützt, sondern auch die Helfer und Ehrenamtlichen. Etwa 100 Helfer gibt es im Tal und Waakirchen. Im Bereich der Fachambulanz für Suchterkrankungen (Alkoholismus, Essstörungen, Nikotinsucht) bietet die Caritas zusätzlich zu Informations- und Orientierungsgruppen individuelle Beratungsgespräche – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige und Freunde. Vergangenes Jahr nahmen dieses Angebot 13 Personen aus Kreuth, 22 aus Gmund, 29 aus Tegernsee, 38 aus Bad Wiessee und 50 aus Rottach-Egern wahr. „Gerade in der Suchtberatung ist ein kurzer Weg in die Beratungsstelle wichtig“, machte die Caritas deutlich.

Im Fachbereich für psychische Gesundheit (2016: insgesamt 376 Beratungsgespräche, davon 95 mit Talbürgern) hält der Verband nicht nur Angebote für Menschen vor, die Lebenskrisen und depressive Stimmungen bewältigen möchten. Besonders für ältere Menschen gibt es passende Programme wie das „Erzählcafé für demenzkranke Menschen“ oder (ab April) eine „biografische Schreibwerkstatt“.

Von dem umfassenden Angebot zeigten sich die rund 30 Gäste bei der Eröffnung, darunter Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn, Kreuths Vize-Bürgermeister Wolfgang Rebensburg, Vertreter der Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal, der Kirchen und hier aktiver Stiftungen beeindruckt. Die große Bandbreite und die fachlich fundierte Begleitung erfuhren einhelliges Lob.

Alexandra Korimorth

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