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Urkomische Gestik und Mimik: Ganzen Körpereinsatz zeigte Claus von Wagner bei seinem Auftritt in Rottach-Egern.

Kabarettist zu Gast im Rottacher Seeforum

Claus von Wagner liefert Pointen-Feuerwerk

Rottach-Egern - Gnadenlos rechnete Kabarettist Claus von Wagner bei seinem Auftritt im Rottacher Seeforum mit der Finanzwelt ab. Er lieferte damit ein dreistündiges Pointen-Feuerwerk.

Wirtschaftsethik? „Da muss man sich schon entscheiden, was von beidem“, meint der Kabarettist Claus von Wagner in seinem Programm „Theorie der feinen Menschen“. Witzig und nachdenklich, geistreich und bestürzend, urkomisch und entlarvend zugleich servierte von Wagner im Rottacher Seeforum mit Leichtigkeit und moralischem Tiefgang die Erkenntnisse zu seinem Finanzwelt-Gleichnis von den Gänsen: Täglich gefüttert, glauben sie nicht, dass Weihnachten Schluss ist. Und wirklich jeder in diesem System ist korrumpierbar oder korrumpiert, auch Protagonist Klaus Neumann.

In einem fast dreistündigen Pointen-Feuerwerk versetzt der Mann mit den ausgebeulten Jeans, dem zu knappen Jackett und der Krawatte sein Publikum in den Tresor einer deutschen Bank, in dem er nach Torschluss eingesperrt ist. Das gibt Zeit zum amüsanten und doch sehr ernsthaften Nachdenken über bedrückende Zustände in der heutigen Welt.

Zubehör dieser Rahmenhandlung sind ein schwarzes Bakelit-Telefon mit Wählscheibe und Kabel zum Hörer, aber ohne Display, Nummernspeicher oder Wischfunktion, dazu rätselhafte E-Mails und eine Whisky-Flasche aus dem Schließfach des verblichenen Papas sowie der Auftrag, eine Rede über den Vater für dessen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft WPG zu verfassen. Das gestattet Claus von Wagner nicht nur, den weitverbreiteten außerbörslichen Handel der Finanzwelt als unsaubere „Pferdewetten“ aufzudecken, die schon mal – wie bekannt – zu einer Wirtschaftskrise führen.

Der Kabarettist startet auch einen Erpressungsversuch beim WPG-Chef. Denn Senior Neumann hatte wohl die Finger mit drin im guten WPG-Zeugnis für zweifelhafte Papiere, mit denen Rentner um Milliarden kamen. Aber er hat dem Sohnemann eben auch einen einträglichen Job bei einer WPG-nahen Stiftung verschafft.

Mit genialen Zwerchfell-Massagen entlarvt von Wagner die Zukunftsprognosen von Wirtschaftsweisen als lächerliche Spekulationen, enthüllt substanzlose Politiker-Floskeln über die Sicherheit von Kleinsparer-Konten und zeigt auf, wie leicht sich ein Unbedarfter ausnehmen lässt. „Wenn jeder die komplexen Finanzprodukte verstehen würde, gäbe es sie wohl nicht.“

Einige dieser temperamentvoll auf die Bühne gebrachten Szenen sind aus Funk und Fernsehen bekannt. Sie verbindet der vielfach preisgekrönte Künstler mit glänzender Mimik, eindrucksvoller Gestik und überzeugendem Tonfall genial mit aktueller Politik.

Zur bekannten Hände-Raute zitiert von Wagner lispelnd Banalitäten der Kanzlerin, kritisiert das Missverhältnis zwischen angeblich nicht verfügbaren neun Milliarden Euro für die herandrängenden Flüchtlinge sowie „100 Milliarden an einem Wochenende zur Bankenrettung“, mahnt zum Nachdenken über billig hergestellte Möbel oder Klamotten und warnt vor den Folgen der Frauenquote. „30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten bedeuten für unsere Gesellschaft auch 30 Prozent beschäftigungslose testosterongesteuerte Alpha-Männchen.“

Claus von Wagners Fazit zu seinem furiosen gesellschaftskritischen Finale: „Wer mehr leistet, soll mehr verdienen, vor allem in Kinderkrippen, Pflegeheimen oder als Hebamme.“ Besonders sinnvoll ist sein abschließender Anlagetipp, Eintrittskarten zu seinen Veranstaltungen zu kaufen. Bestimmt werden ihn etliche der völlig hingerissenen Zuschauer beherzigen, zum Beispiel für die monatliche ZDF-Sendung „Die Anstalt“ aus München. Die Tickets sind erhältlich unter www.lustspielhaus.de.

Gudula Beyse

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