Keine echte Perspektive: Seinen Voitlhof in Rottach-Egern will Wirt Josef Wolfgang Bogner (l.) unter den aktuellen Umständen nicht öffnen.
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Keine echte Perspektive: Seinen Voitlhof in Rottach-Egern will Wirt Josef Wolfgang Bogner (l.) unter den aktuellen Umständen nicht öffnen.

Nur Außengastronomie soll möglich sein

„Macht uns psychisch kaputt“: Wirte am Tegernsee verärgert - Corona-Lockerung eine „Lachnummer“

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Die Corona-Lockerungen der Regierung bieten den Gaststätten kaum Perspektiven. Manche Reaktion am Tegernsee fällt heftig aus: Voitlhof-Wirt Josef Wolfgang Bogner spricht von einer „Lachnummer“.

  • Die Corona-Lockerungen lassen lediglich eine Öffnung der Außengastronomie mit Auflagen zu.
  • Die Reaktionen der Wirte am Tegernsee fallen teils heftig aus.
  • Viele sind über die Corona-Beschlüsse verärgert und wollen nicht aufmachen.
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Tegernseer Tal – Die Vorgaben sind kompliziert. Und sie machen nach Ansicht von Josef Wolfgang Bogner die praktische Umsetzung nahezu unmöglich. „So lange uns so viele Steine in den Weg gelegt werden, brauchen wir nicht aufsperren“, ärgert sich der Wirt des Voitlhofs in Rottach-Egern. Die Politik hat in seinen Augen komplett versagt.

Corona-Lockerungen in Bayern: Wirte verärgert - Regierungsbeschlüsse Zeichen der Hilfslosigkeit

Konkret sieht die vorgegebenen Marschrichtung für die Wirtshäuser folgendermaßen aus: Liegt die 7-Tage-Inzidenz – so wie derzeit im Landkreis Miesbach – stabil zwischen 50 und 100 darf die Außengastronomie ab 22. März öffnen. Allerdings sind eine vorherige Reservierung und eine Kontaktnachverfolgung nötig. Sitzen an einem Tisch Personen aus mehreren Hausständen, ist zudem ein tagesaktueller Covid-19-Test der Gäste erforderlich. Diese Hürden fallen erst dann weg, wenn der Landkreis mindestens 14 Tage lang unter dem Inzidenz-Wert 50 liegt.

Für Familie Bogner, die auch das Ausflugsziel Siebenhütten in Kreuth bewirtschaftet, sind diese Beschlüsse der Regierung ein Zeichen der Hilflosigkeit. Den Biergarten absperren, Gäste ohne Reservierung wegschicken, einen negativen Corona-Test vorzeigen lassen – „was verlangen die da von uns?“, zürnt Josef Bogner, Senior-Chef des Voitlhofs und zugleich Vorsitzender des Verkehrsvereins Rottach-Egern. Das Vorgehen der Regierung geht dem Gastronom an die Nieren: „Das macht uns psychisch kaputt.“

Corona-Lockerungen in Tegernsee: Wirt stellt klar - „Uns bringt das null Komma null“

Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Wetter, wenn sich das Geschäft rein auf den Biergarten konzentriert. „Uns bringt das null Komma null“, sagt Christian Totzauer, Betreiber der Schwaiger Alm in Wildbad Kreuth, über die zaghaften Lockerungen. So lange die Gäste bei zweifelhaftem Wetter nicht auch nach innen ausweichen dürften, sei eine Öffnung des klassischen Ausflugslokals für ihn „fast nicht machbar“. Aufwand und Risiko seien schlichtweg zu groß: Was passiere, wenn man den Betrieb komplett hochfahre und dann schlage plötzlich das Wetter um?

Ähnliche Bedenken hat Peter Hubert, Wirt des Tegernseer Bräustüberls. „So gerne wir auch arbeiten würden, aber unter diesen Bedingungen wird es schwierig“, meint der Betreiber der wohl bekanntesten Wirtschaft am Tegernsee. Die geforderten Reservierungen und das Hygienekonzept seien nicht das Problem – aber: Eine reine Öffnung des Außenbereichs sei wirtschaftlich nur schwer darstellbar. „Wir müssen ja das Personal auf Abruf vorhalten und frische Waren einkaufen“, gibt Hubert zu bedenken.

Corona-Lockerungen in Bayern: Folgen für die Gastronomie - Reine Öffnung des Außenbereichs lohnt sich wirtschaftlich nicht

Bei den Witterungsverhältnissen hierzulande sei dies nur schwer planbar. „Im Frühjahr haben wir oft nur fünf Grad, da nützt auch der Heizstrahler nichts.“ Ein Problem sieht Hubert auch in den von der Politik geforderten Schnell- oder Selbsttests für die Gäste. „Ich glaube, die stehen ja noch gar nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung.“ Bedenken, die Hubert eine Entscheidung pro Öffnung schwer machen.

Schon fest entschlossen ist dagegen Schorsch Weber, Inhaber des Gasthauses Jennerwein in Gmund. Auch er hätte sich gewünscht, dass er seinen Betrieb zu Ostern wieder normal öffnen darf, will aber auch die nun gebotene Option nutzen und seine Gäste wenigstens wieder unter freiem Himmel bewirten. „An die Bürokratie“, sagt er, „haben wir uns ja schon gewöhnt“. Ansonsten sei er fürs Garten-Geschäft mit Heizpilzen und Decken bestens gerüstet.

Gasthof Jennerwein in Gmund will trotz Auflagen seinen Gastgarten öffnen

Die Verlängerung des Lockdowns ohne Öffnungsperspektive für die Tourismus-Branche verärgert auch die Hoteliers im Tegernseer Tal. Und die Hoffnung, dass in diesem Winter die Skilifte noch öffnen dürfen, ist fast dahin. Bei den Alpen-Plus-Skigebieten ist die Verunsicherung nach den nun beschlossenen Lockerungen weiter gewachsen.

(gab)

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